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Ein solches Schmuckstück hat nicht jeder Rathaus-Chef im Main-Taunus-Kreis: Interims-Bürgermeister Toni Ohlenschläger (rechts) hängt die Amtskette dem neuen Bad Sodener Verwaltungschef Frank Blasch um.

Stadtpolitik

Frank Blasch wird ins Bürgermeisteramt eingeführt

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Frank Blasch geht mit Respekt an die neue Aufgabe, und sein Vorgänger Norbert Altenkamp will ihm nie ungefragt Ratschläge geben. Der Ex-Rathauschef schickt bei seiner Verabschiedung indes einen Dank an Renate Richter sowie posthum an Karl Thumser.

„Gott sei Dank es ist vorbei. Wow, ich hab’s tatsächlich geschafft. Was für ein Ergebnis. Krass.“ Das waren seine ersten Gedanken, schildert Dr. Frank Blasch (CDU), als am 21. Januar die ersten Wahlergebnisse über den Großbildschirm im Badehaus flimmerten. Noch jetzt am Rednerpult im voll besetzten Mendelssohn-Bartholdy-Saal ist dem frisch gekürten Bürgermeister die Erleichterung anzumerken.

Er benennt aber auch die Zweifel, die ihn an dem Sonntagabend befielen. „Bin ich wirklich sicher, dass ich das will? Was kommt auf meine Familie zu?“ Jetzt fünf Wochen später, verrät der 41 Jahre alte Neuenhainer, erfülle ihn „ganz große Freude“. Dass er in der Stadt, „in der ich aufgewachsen und verankert bin“, Verantwortung übernehmen dürfe. Und dass er großen Respekt vor dem Amt des Bürgermeisters habe. Wunder könne er keine vollbringen, aber „ich werde meine ganze Kraft für die Stadt Bad Soden einsetzen“, verspricht Frank Blasch.

Die Verabschiedung von Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU) und Einführung des neuen Stadtoberhauptes erfolgte bei einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung im H+ Hotel und somit als öffentliche Veranstaltung. In Gedenken an Karl Thumser (SPD), der bis vor Weihnachten stellvertretend die Amtsgeschäfte geführt hat und am 9. Februar verstorben ist, eröffnete Stadtverordnetenvorsteher Helmut Witt mit bewegenden Worten die Feierstunde.

In seiner Laudatio zur Verabschiedung von Altenkamp lenkt Landrat Michael Cyriax (CDU) den Blick auf die Kommunen. „Die große Politik stelle die Weichen, die Kommunen leisten Großes im Kleinen“, zitierte Cyriax Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit viel Bodenständigkeit und Weitblick, immer auf der Suche nach Allgemeinlösungen, habe Altenkamp in 14 Jahren viel Gutes für Bad Soden entschieden und entwickelt. „Bad Soden steht heute gut da“, urteilt Cyriax, „hier lässt sich’s gut leben“.

„Verändert das Amt einen Menschen oder ist es umgekehrt?“, philosophiert Altenkamp in seiner Dankesrede. Ihn habe das Amt stärker verändert, beobachte er. So sehe er die Dinge heute weniger ideologisch, sondern mehr pragmatisch. „Als Bürgermeister hat man jeden Tag ein Rendezvous mit der Realität.“ Man treffe auf verschiedene Menschen mit besonderer Begabung und wenn man es verstehe, aus einer Zivilgesellschaft diese Begabungen herauszulocken, sei das ein großer Gewinn.

Er wolle keine einzelnen Leute herauspicken, betont Altenkamp. Schickt jedoch besonderen Dank an CDU-Stadträtin „Reni“ Richter und den verstorbenen Sozialdemokraten Karl Thumser: „Menschen von diesem Schrot und Korn sind ein Geschenk für die Stadt, sie haben mich geprägt“. Seinem Nachfolger Frank Blasch verspricht Altenkamp, dass er ihm nie ungefragt Ratschläge geben werde. „Denn Ratschläge sind auch Schläge.“

Ein feierlicher Hauch zog durch den Saal als Stadtverordnetenvorsteher Witt dem neuen Bürgermeister die Ernennungsurkunde überreicht und ihm die Verpflichtung abnimmt, dass er seine Aufgaben stets gewissenhaft erfüllen möge. Darauf folgt der spannende Moment als Toni Ohlenschläger, als noch amtierender ehrenamtlicher Bürgermeister, Frank Blasch die Amtskette umlegt. „Nur damit die Fotografen ein schönes Motiv haben“, sagt der Altenhainer. „Ich werde sie ihm aber gleich wieder abnehmen.“ Denn offiziell sei Blasch erst ab 1. März im Amt.

Doch da hat Ohlenschläger nicht mit dem Widerspruch aus dem Publikum gerechnet. „Toni, lass ihm doch mal die Kette bis er seine Rede gehalten hat“, wirft Klaus Plösser energisch ein. Über Jahre hat der ehemalige CDU-Stadtrat aus Neuenhain selbst den Bürgermeister vertreten. „Ich habe den Einwurf vom Volke gehört“, gibt sich Ohlenschläger versöhnlich. „Wir werden ihm folgen.“

In einer launigen Rede zeichnet Ohlenschläger die Entwicklung Frank Blaschs nach, der mit 24 Jahren als Student ins Sodener Stadtparlament gewählt wurde und jetzt aus der Wiesbadener Staatskanzlei „weiterentwickelt“ nach Bad Soden zurückgegeben wird. Ein Werdegang, so Ohlenschläger, „der sich nur noch durch das Amt des Bürgermeisters in Bad Soden steigern lässt“.

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