Standbetreiber kritisieren Marktgilde

Gerüchte um Verlegung: Keine Gefahr für den Wochenmarkt

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Bummeln und genießen – davon machen die Bad Sodener sehr gern jeden Samstag beim Wochenmarkt auf dem Adlerplatz Gebrauch. Doch nun kursierten Gerüchte, dass der beliebte Treff umziehen oder gar aufgegeben werden soll. Die zuständigen Stellen gaben jetzt Entwarnung.

Der Wochenmarkt am Samstag in Bad Sodens Stadtmitte ist beliebt. Die familiäre Atmosphäre auf dem Adlerplatz und dem Platz Rueil Malmaison – die durch die Fußgängerzone miteinander verbunden sind – ist etwas Besonderes. Das Angebot vielfältig. Und ausreichend Parkplätze, damit prall gefüllte Markttaschen nicht zu weit geschleppt werden müssen, gibt es in greifbarer Nähe. Wer sich nach dem Einkauf etwas Gutes tun möchte, kann im Café Merci das Frühstück nachholen, ein Gläschen Wein bei Günter Eichler auf dem Adlerplatz genießen oder beim Genusskontor an der Ecke eine Latte oder einen Cappuccino im Stehen schlürfen.

Das alles kommt gut an. Doch hinter den Kulissen rumort es seit geraumer Zeit. Aus den Reihen der Händler wird Kritik an der Deutschen Marktgilde laut, die den Wochenmarkt seit 2006 in der einstigen Kurstadt organisiert. Die Gilde selbst kümmere sich zu wenig um den Markt und kassiere nur Standgebühren, beschweren sie sich. Die Kunden beklagen, dass es keinen Ersatz für Raffaelo Bruno gibt, der mit seinem feuerroten „Caffé-Mobil“ auf dem Platz Rueil Malmaison lange Zeit italienischen Kaffee anbot. Und seit neuestem macht das Gerücht die Runde, die Stadt wolle den Markt verkleinern, zur Hasselgrundhalle hin verlegen oder überhaupt abschaffen.

Was ist dran an der Geschichte? Die Stadt habe überhaupt kein Interesse, den Markt zu verlegen, beruhigt der verantwortliche Fachbereichsleiter Hermann Zengeler auf Anfrage des Höchster Kreisblattes. „Der Standort ist hervorragend.“ Er vermutet, dass „die Unruhe“ durch „feuerpolizeiliche Untersuchungen“ entstanden ist, die jüngst bei einem Ortstermin am Adlerplatz stattgefunden haben. Am Biertisch sei dann wohl die Gerüchteküche gekocht.

Stadtbrandinspektor Nick Oliver Kromer erklärt die Sache näher. Es gehe um die beiden hohen Wohn- und Geschäftshäuser am Adlerplatz, die über keinen zweiten baulichen Rettungsweg verfügen. Einmal handelt es sich um das Gebäude mit dem Genusskontor an der einen und der Pizzeria an der anderen Seite, das übrigens demnächst saniert werden soll. Zum anderen ist das Haus gegenüber betroffen, in dem eine Bank, ein Nagelstudio und die transparente Backstube vom Café Merci untergebracht sind. Bei einem Einsatz vor längerer Zeit habe die Feuerwehr festgestellt, dass sie mit ihrer 14 Tonnen schweren Drehleiter nicht an die Objekte herankommt, um die Bewohner im Brandfall über die Balkone zu retten. Aktuell habe die MTK-Bauaufsicht die Frage aufgegriffen und die Stadt aufgefordert, auf dem Adlerplatz als Alternative ausreichend Abstellfläche für Feuerwehr-Einsatzwagen zu schaffen.

Das würde bedeuten, betont Kromer, dass die Marktstände umgebaut werden müssten. Doch das betreffe nicht nur den Wochenmarkt, stellt Kromer fest, „wir haben weitere Festivitäten vor uns“. Die Stadt sei zurzeit mit der Bauaufsicht des Kreises im Gespräch. Beispielsweise wäre ein zweiter Rettungsweg über eine Außentreppe an den Gebäuden denkbar. „Es müssen Lösungen gesucht und gefunden werden“, darüber ist sich der Stadtbrandinspektor im Klaren. Auch stelle sich die Frage, so Kromer, ob der Autoverkehr in der Fußgängerzone während der Marktzeiten sein müsse. Dann könnte man seiner Meinung nach den Markt entzerren.

Doch auch in der Kommunikation zwischen dem zuständigen Marktleiter und der Stadtverwaltung scheint es zu knirschen. Er habe sich geärgert, gesteht Klaus Hopp, „dass ich von dem Ortstermin erst im Nachhinein erfahren habe“. Obendrauf habe ihm das Ordnungsamt kommuniziert, dass es Hopps Sache sei, wie er dann die Marktstände anordne. „Ich habe mich überrumpelt gefühlt“, sagt Hopp, und den Eindruck gehabt, „dass schon alles beschlossene Sache ist“. Dabei findet der Beauftragte der Marktgilde, dass er für den Ernstfall einen Plan in die Hand bekommen müsste, wie sich alle Beteiligten zu verhalten haben.

Dass einige Standbetreiber Kritik an der Marktgilde üben und vorschlagen, die Organisation des Marktes in eigene Hände zu nehmen und gemeinsam mit der Stadt zu organisieren, darüber ist Hermann Zengeler überrascht. Vonseiten der Marktgilde, die ihren regionalen Sitz in Bad Orb hat, habe er bisher nur Positives gehört. Der Markt sei gut besucht und es gebe keine Probleme, so das Feedback. Zengeler vermutet, dass die jüngste Anhebung des Standpreises die Betreiber verärgert haben könnte. Allerdings wolle er der Sache mit dem Caffé-Mobil nachgehen und mit der Marktgilde sprechen. Die Stadt, erklärt er, werde den Wochenmarkt auf keinem Fall wieder selbst in die Hand nehmen. Dazu habe sie nicht das Personal. Außerdem sei eine derartige Veranstaltung bei privaten Profis besser aufgehoben.

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