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Einen ?Gruss aus Soden im Taunus? verschickt ein Kurgast am 10. April 1898. Was das Kurleben attraktiv macht, ist auf der Postkarte zu sehen.

Historisches

Geschichtsverein Neuenhain gibt Historischen Kalender heraus

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Bilder aus vergangenen Zeiten: von Menschen mit Dreschmaschine, alten Postkarten und Gebäuden, die es nicht mehr gibt. Das ist zu sehen im Historischen Kalender 2019, der nun erscheint.

Hat der Adressat der Ansichtskarte vom 10. April 1898 Geburtstag gefeiert? Die Vermutung liegt nahe. Denn der Kurgast sendet an eben diesem Tag nicht einfach nur einen „Gruss aus Soden im Taunus“, sondern trinkt gleich noch „ein Glas … auf Ihrer aller Wohl!“ Ganz nach dem Geschmack vor 120 Jahren spiegeln die Abbildungen auf der farbigen Postkarte das Kurleben im Vordertaunus-Städtchen wider. Im Zentrum das Kurhaus von 1849 mit dem Alten Sprudel. Von links reiht sich ringförmig die hölzerne Wandelhalle am Quellenpark von 1886 ein, an deren Stelle 1955 die neue Trinkhalle erbaut wurde. Heute hat die Tanzschule Pelzer dort ihren Sitz. Daneben ist der Pavillon des Wiesenbrunnens zu sehen.

Dahinter ragt der Sodenia Tempel mit dem Standbild der Stadtgöttin über dem Grün heraus. Der Tempel war damals gerade errichtet worden. Die „Wirthschaft Heinrich Müller“ an der Dachbergstraße hat als „Frankfurter Hof“, Gaststätte und Kurpension, eine lange Geschichte und ist heute noch im Familienbesitz. Als der Besitzer des alten Frankfurter Hofs ihm gegenüber in finanzielle Schwierigkeiten geriet, erwarb Heinrich Müller einige Wirtschaftsgebäude sowie den großen Speisesaal mit dem davor gelegenen Garten und funktionierte ihn zum Tanzsaal um. Die Feste „beim Müller“ waren beliebt. Heute steht anstelle des alten Frankfurter Hofs das Hundertwasser-Haus.

Dies ist zu sehen im Historischen Kalender 2019. 12 Monatsblätter und das Titelbild – in schwarz-weiß und farbig – Postkarten und Fotos rufen die Zeit von 1864 bis in die 1960er Jahre in Erinnerung. Aus Privatbesitz und Sodens Stadtarchiv stammen die Bilder. Die Geschichtsvereine aus Altenhain und Neuenhain haben wieder Details beigetragen. Klaus Plösser und Dr. Christiane Schalles haben geforscht und die Texte verfasst.

Es muss in Neuenhain ein besonderes Ereignis gewesen sein, wenn die Dreschmaschine nach der Ernte in Betrieb genommen wurde. Das Foto von 1914 zeigt den Bauernhof von Wilhelm Menke in der damaligen Lindengasse, heute Schwalbacher Straße. Familienmitglieder und Nachbarn haben sich versammelt: Karl Bierbrauer, Damian Henninger, Wilhelm Kessler sowie Christian und Susanne Menke werden auf der Rückseite genannt.

Feierlich ging es beim 80-jährigen Bestehen des Gesangvereins Taunusliederzweig 1875 in Altenhain zu. Auf dem Foto vom Juni 1955 zieht die Festgesellschaft mit ihrer Prinzessin Maria Malatitsch (später verheiratete Gottschalk) auf der Neuenhainer Straße zum Festplatz im Geierfeld. Die Lyra, unter der Maria Malatitsch schreitet, wird von Heinz Horn und Norbert Best getragen.

„300 000 DKW Motorräder in 15 Jahren“ – ein Werbespruch auf dem Foto aus den 1930er Jahren. Dabei hatte es Anton Lanz (1903-1991) nicht leicht. Bis er einen festen Standort in Neuenhain für seine Werkstatt fand, musste er oft umziehen. Bei der Firma Kümmel in der Drei-Linden-Straße lernte Lanz und machte sich 1933 selbstständig. Seine erste Werkstatt eröffnete er auf dem Gelände der Schönen Aussicht. Weil ein Rüstungsbetrieb dort untergebracht wurde, musste er 1942 wieder raus. In der ehemaligen Marmeladenfabrik in der Borngasse stellte die Gemeinde ihm einen Raum zur Verfügung. Doch da dort Wohnungen gebaut werden sollten, musste sich Lanz 1950 wieder umschauen. An der Ecke Königsteiner Straße/Hauptstraße fand er ein Domizil, wo er zunächst auch wohnte. 1951 baute Lanz nebenan eine Werkstatt und Wohnung. 1960 erweiterte er den Betrieb mit Schwiegersohn Horst Leukel zur Fiat-Niederlassung.

Wer noch mehr über eine Schlittenfahrt am Hubertus, den ersten Supermarkt in der Kurstadt, die Obstsammelstelle am Dalles und die Kirchenglocken in Neuenhain erfahren möchte, kann sich den Historischen Kalender kaufen. Die Auflage ist auf 400 Stück limitiert, das Exemplar kostet 8,50 Euro.

Es gibt den Kalender im Buchhandel, in Zeitungs- und Schreibwaren-Läden, im Bürgerbüro, im Stadtmuseum und bei den Heimatgeschichtsvereinen.

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