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Der Bahnübergang am Sossenheimer Weg ist die Hauptverbindung von Unterliederbach nach Sossenheim. Hier könnten die Schranken öfter unten sein, verkehren erst einmal die Züge der Regionaltangente West (RTW) auf der Strecke. Eine Unterführung wird als zu teuer erachtet.

Regionaltangente West

Ein guter Zug für Bad Soden

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Bad Soden ist elektrisiert von der RTW. Der neue Vorschlag einer Abzweigung in die Stadt könnte ohne Baumaßnahmen realisiert werden.

Die geplante Regionaltangente West gilt als zukunftweisendes Projekt, weil sie verspricht, einen merklichen Teil der Autofahrer zu Bahnfahrern zu machen. Für dieses Ziel wird der gesamte Aufwand in Kauf genommen – die Baukosten, all die Arbeit mit Planung und Genehmigung, der Landschaftsverbrauch, der Stress, den jede Baustelle bedeutet. Die Abwägung fällt dennoch zugunsten der Bahnstrecke aus, die Bad Homburg über den Frankfurter Westen mit dem Flughafen und Neu-Isenburg verbinden soll.

In Bad Soden fällt die Abwägung auch aus, und zwar komplett. Seit dem vergangenen November ist eine Abzweigung in die einstige Kurstadt von Höchst aus geplant. Diese aber könnte umgesetzt werden, ohne dass gebaut werden muss. Die Gleise liegen bereits in Form der Bahnstrecke über Sulzbach. Sie ist seit 1979 elektrisiert, bis 1997 fuhren dort S-Bahnen. Momentan fahren dort Züge der Hessischen Landesbahn, die mit Dieselloks bespannt sind, aber sie ist auch für mögliche RTW-Fahrzeuge geeignet.

Deren Hauptmerkmal soll sein, dass sie sowohl Schienen der Bahn als auch die Gleise von Straßen- und U-Bahnen befahren kann – so können viele vorhandene Strecken genutzt werden. Die von Höchst über Sulzbach nach Soden ist zwar nur eingleisig, einschließlich der vorhandenen Ausweichstellen würde dies aber ausreichen, so Rolf Valussi, Geschäftsführer der RTW-Planungsgesellschaft, auf Anfrage des Kreisblattes. Nach seinen Informationen wird die Oberleitung sogar dauerhaft unter Strom gehalten, auch wenn dort nur Dieselbetrieb ist. Das bedeutet, dass diese für die RTW notwendige Technik ebenfalls vorhanden und verwendbar ist.

Auch die Bahnsteige seien lang genug, um Ein- und Aussteigen aus dem 50 Meter langen Fahrzeug zuzulassen, wurde bereits festgestellt. 350 Passagiere kann ein solches Fahrzeug befördern. Geplant ist zwar, dass die RTW-Züge aus zwei dieser Fahrzeuge bestehen und damit 100 Meter lang werden. Nach dem im November bekannt gewordenen Vorschlag des Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling aber sollen die von Süden her kommenden Züge in Sossenheim geteilt werden. Die eine Hälfte würde dann in Richtung Eschborn und Praunheim weiter fahren, die andere über Sulzbach nach Bad Soden. Die Fachleute sprechen von einer „Flügelung“ der Strecke.

Ausgelöst wurden die Überlegungen dadurch, dass die Strecke nicht mehr bis zum Nordwestzentrum gebaut werden soll, da dafür ein teurer Tunnelbau unter der internationalen Schule hindurch notwendig wäre. Das aber bedeutet, dass dieser nördliche Teil der Strecke weniger stark ausgelastet sein wird. Der Anschluss nach Bad Soden wiederum würde der Bahn zusätzliche Fahrgäste verschaffen.

Bad Soden ist durch diese Perspektiven einigermaßen elektrisiert. Von einem „Quantensprung für Bad Soden“ sprach unlängst auf einer CDU Veranstaltung Bürgermeister Norbert Altenkamp von der Möglichkeit einer direkten Schienenverbindung der Stadt mit dem Flughafen. „Begeistert“ habe die Junge Union die Berichterstattung im Kreisblatt aufgenommen, ließ der CDU-Nachwuchs wissen.

Die schwarz-rote Rathauskoalition schließlich spricht von großen Vorteilen für die Einbindung Sodens in das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel. Zum Flughafen, aber auch nach Neu-Isenburg oder zum Stadion könne man ohne Umsteigen gelangen, denken CDU und SPD ein wenig auch an die Eintracht-Fans unter ihren Wählern. Sie haben daher einen Antrag für die Stadtverordnetenversammlung geschrieben mit dem Ziel, im Verkehrsausschuss direkt durch einen Vertreter der RTW-Planungsgesellschaft informiert zu werden.

Valussi hat zugesagt. In diesem Jahr steht der Beginn des Planfeststellungsverfahrens für das Projekt an. Da ist es für ihn wichtig, möglichst gut zu informieren. Für den Abzweig nach Bad Soden braucht es den Planfeststellungsbeschluss zwar nicht. Aber zusätzliche Haltestellen (und Fahrgäste) helfen, die Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu belegen. Eine Bahnstrecke, die nicht gebraucht wird, für die gäbe es nämlich auch keine Genehmigung.

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