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"Hormonfabrik am Hals" nicht unterschätzen

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Von: Barbara Schmidt

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Privatdozentin Dr. Zarah Hirche, Schilddrüsenchirurgin am Sodener Krankenhaus.
Privatdozentin Dr. Zarah Hirche, Schilddrüsenchirurgin am Sodener Krankenhaus. © babs

Zarah Hirche bietet eine "Schilddrüsen-Sprechstunde" an. Sie soll donnerstags im Varisano-Krankenhaus etabliert werden.

Bad Soden -Heute ist "Weltschilddrüsentag". Der sei, räumt Privatdozentin Dr. Zarah Hirche ein, zwar in Deutschland noch nicht so bekannt. Aber die Ärztin, die seit Anfang dieses Jahres Leiterin der Sektion Schilddrüsenchirurgie bei den Main-Taunus-Kliniken ist, fände es gut, wenn sich das ändert. Denn die Schilddrüse sei ein von vielen noch immer zu Unrecht unterschätztes Organ.

"Viele wissen vielleicht gerade noch, wo die Schilddrüse liegt - unterhalb des Kehlkopfs am Hals - aber wenn es um ihre Funktionen geht, hört's meist schon auf", so die Erfahrung der Medizinerin. Dabei handele es sich um ein tatsächlich "lebenswichtiges Organ", das Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche entscheidend beeinflusst. Die Umschreibung einer "Hormonfabrik am Hals" hält Zarah Hirche für sehr treffend.

Die 41-Jährige, die in Berlin an der Charité und an der Unfallklinik in Ludwigshafen ihre heutige Expertise erworben hat, soll im Varisano-Krankenhaus Bad Soden eine "Schilddrüsen-Sprechstunde" etablieren. Immer donnerstags soll sie sein. Dann wird Zarah Hirche, die geschäftsführende Oberärztin im Team für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie von Chefarzt Professor Matthias Selig ist, nicht wie sonst im Operationssaal stehen, sondern ausschließlich für Patienten mit Schilddrüsenproblemen da sein.

Gute Diagnostik ist wichtig

Ob Über- oder Unterfunktion, Vergrößerungen der Schilddrüse, Entzündungen oder knotige Veränderungen bis hin zu Tumoren: Die Krankheitsbilder können ganz unterschiedlich sein. "Ein großes Potpourri für ein ziemlich kleines Organ", sagt Hirche mit einem Lächeln. Wichtig sei daher immer - wie eigentlich generell in der Medizin - eine gute Diagnostik.

"Das Schöne an der Schilddrüse", so die Chirurgin: "Mit Laborwerten, Ultraschall-Hilfe und mittels Schilddrüsenszintigraphie, bei der Nuklearmediziner mit Hilfe von radioaktivem Jod die Aktivität innerhalb des Organs sichtbar machen, komme man "gut ans Ziel". Ist klar, woran der Patient leidet, könne gezielt behandelt werden. In vielen Fällen sei das medikamentös möglich. Wo nicht, wie bei Tumoren oder zu starken Vergrößerungen (Struma), die sogar die Luftröhre verschieben können, ist das eine Indikation für einen operativen Eingriff.

Gerade bei Patienten mit Knoten überwiege die Angst vor einer Krebserkrankung deutlich gegenüber kosmetischen Bedenken, ob eine Operation zu einer Narbenbildung am Hals führen könnte, weiß Zarah Hirche. Was letzteres betrifft, kann sie zudem beruhigen. Den nur kleinen Schnitt setze man so, dass er in einer natürlichen Halsfalte liege, dank einer innenliegenden (intrakutanen) Naht seien die kosmetischen Ergebnisse zudem sehr gut. Dass eine Schilddrüsen-OP für die Chirurgen eine "sehr diffizile Arbeit" bedeutet, weiß Hirche aber aus Erfahrung.

"Einfach ein wichtiges Organ"

Nicht verschwiegen werden soll hier, dass es auch Kritik gibt, in Deutschland und Österreich würden zu häufig Operationen der Schilddrüse durchgeführt. Tatsächlich liegen die Zahlen in diesen Ländern im Vergleich mit anderen Staaten wie den Niederlanden oder den USA deutlich höher. Mediziner wehren sich allerdings vor voreiligen Schlüssen, da es sich um Statistiken auf ungleichen Grundlagen handle.

Wer Probleme mit der Schilddrüse hat, den sollte das jedenfalls nicht davon abhalten, sich ärztlichen Rat zu suchen. Dazu, sagt Zarah Hirche klar, ist die Schilddrüse einfach ein zu wichtiges Organ.

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