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Nívea Schmidt ist eine Brasilianerin, die der Liebe wegen in Deutschland ein neues Zuhause gefunden hat.

Nívea Schmidts Geschichte

Immerhin geht es für Brasil weiter

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Der Anfang in Deutschland war für Nívea Schmidt nicht einfach. Unfreundlich waren die Mitmenschen, ebenso das winterliche Wetter. Jetzt aber könnte sie sich ein Leben wieder in ihrer brasilianischen Heimat nicht mehr vorstellen.

Kein Stein – nein, ein ganzer Felsbrocken ist Nívea am Freitagnachmittag vom Herzen gefallen. Als bei der Fußball-WM die brasilianische Seleção mit Coutinho und Neymar kurz vor Schluss zwei Tore gegen das Team von Costa Rica schoss. Am Samstagabend wiederholte sich der Krimi für die Brasilianerin aus Rio de Janeiro. Da kickte Deutschland gegen Schweden. Und wieder musste sie sich im Zaum halten und bis zur Nachspielzeit warten, ehe Marco Reus und Toni Kroos nach quälenden Minuten das Spiel zu ihren Gunsten entschieden. „Die müssen beide drin bleiben“, wünschte sich Nívea Schmidt. Ihr Traum, dass die brasilianische Seleção und die deutsche Mannschaft im Finale in Moskau aufeinandertreffen, platzte dann bekanntlich aber am Mittwoch. Immerhin können die Gäste in ihrem Bistro in der ehemaligen Kurvilla „Blumenau“ die Spiele des brasilianischen Teams nach dem 2:0 gegen Serbien weiter bejubeln. Die nächste Partie ist am Montag um 16 Uhr gegen Mexiko. Begleiten können die Gäste die Spiele à la Public Viewing auf einer großen Leinwand.

Jedes Spiel wird zum Event. Je nach Wetterlage drinnen oder draußen lässt sich Nívea etwas einfallen. Eine spezielle WM-Speisen- und Getränkekarte hat sie aufgelegt oder es gibt Churrasco. Und es wird südamerikanische Live-Musik geboten: Louis Xavier, der Brasilianer, spielt zur Samba auf.

Als Nívea Santos Miranda vor 30 Jahren von Rio de Janeiro auf Urlaubsreise nach Deutschland kam, wollte sie eigentlich weiter zu Freunden nach London. Doch das Schicksal spielte ihr einen Streich. Sie begegnete Stefan Schmidt, dem Deutschen aus der Pfalz, blieb und die beiden wurden ein Paar. Aus Nívea Santos Miranda wurde Nívea Schmidt. Mein Mann war mit seinen Kumpeln in Brasilien gewesen und hatte sich in das Land verliebt, erzählt sie. „Diese Liebe hat er auf mich übertragen.“ Heute lebt Nívea mit Mann und Sohn in Eppstein. Der 23-Jährige macht eine Ausbildung zum Fußballtrainer, berichtet sie stolz. Vielleicht gelinge es ihm, mal bei so einer WM dabei zu sein. Auch wenn Nívea heute verrät: „Ich vermisse Brasilien zwar immer noch, aber ohne Deutschland könnte ich dort nicht leben“, war der Anfang für sie hier nicht einfach. Das Grau während der Wintermonate. Niemand habe sie gegrüßt. In Rio sei es selbstverständlich, dass man aufeinander zugeht und „Hallo“ sagt. Zu Hause war Nívea selbstständig, hat Bikinis entworfen und gut verdient. Doch auch in Deutschland fand die Powerfrau einen Weg.

In einem Reisebüro fand sie einen Job, konnte zwar zunächst kein Deutsch, verständigte sich in Englisch. „Rücktrittsversicherung“ sei mit das erste Wort gewesen, das sie lernen musste. Noch heute kann sich Nívea darüber amüsieren. Dazwischen liegen Jahre, in denen die Schmidts mit ihrem Baby-Sohn zwischen den Welten kreuzten. Sie zogen nach Novo Friburgo in den Süden Brasiliens kauften sich eine kleine Fazenda, die sie zur Hotel-Pension umbauten. Damit startete Nívea ihre neue Karriere – das Kochen. Zurück nach Deutschland setzte sie auch hier ihr Talent ein. Mit den Leuten reden, das habe ihr schon immer Spaß gemacht, berichtet sie. Jetzt wollte sie die Menschen im Rhein-Main-Gebiet für brasilianische Spezialitäten begeistern. Ein Bioladen in Fischbach war der Anfang. Noch immer kauft sie in Fischbach ihre brasilianischen Würste. Dann zog sie nach Frankfurt in die Nähe der Kleinmarkthalle. Bei Frankfurter Straßenfesten, wie dem Opernplatz- und Museumsuferfest sowie beim Fest an der Bergerstraße, bietet sie noch immer ihre Spezialitäten an. Nívea schaffte es sogar ins HR-Fernsehen mit Roger Willemsen. „Er hat geredet und ich habe gekocht.“ In Bad Soden möchte sie den Leuten seit ein paar Monaten ein „brasilianisches Zuhause“ bieten. „Wir sind lockerer“, sagt Nívea, und jetzt während der Fußball-WM trauten sich die Leute eher spontan herein. Die Chefin nutzt die Gelegenheit und tischt typisch brasilianische Gerichte auf. Etwa das Nationalgericht „Feijoada“, Picanha Fatiada (gegrilltes Rindfleisch) oder Pao de Queijo (Käseteigbällchen). Dazu gibt es brasilianisches Brahma, Andechser Bier vom Fass oder auch Caipirinha.

Nívea Schmidt verrät übrigens noch, dass sie Neymar mit seinen Eskapaden eigentlich gar nicht mag. Der brasilianische Torwart Allison aus Novo Hamburgo ist ihr Liebling: „Er sieht gut aus“.

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