Bettina Stark-Watzinger kann auf eine glänzende politische Karriere blicken.
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Bettina Stark-Watzinger kann auf eine glänzende politische Karriere blicken.

Politik

In der Bildungpolitik fühlt sie sich zu Hause

  • VonBarbara Schmidt
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Bettina Stark-Watzinger findet es faszinierend, "die Chance auf ein so hohes Amt zu bekommen".

Bad Soden/Berlin -"Die Liberale mit der steilen Karriere" - unter diesem Titel hatte diese Zeitung Bettina Stark-Watzinger als eine von acht Direktkandidatinnen im Wahlkreis 181 im August porträtiert. Seit Mittwoch ist klar: Die Bad Sodenerin, die es in ihren gerade mal 13 aktiven Politik-Jahren von der Stadtverordneten in Bad Soden schon bis zur Vorsitzenden der Hessen-FDP, zur Parlamentarischen Geschäftsführerin ihrer Partei im Deutschen Bundestag und zum Vorstandsmitglied der Liberalen im Bund geschafft hatte, wird noch einen Schritt weiter nach oben machen: Bettina Stark-Watzinger soll neue Chefin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden, das derzeit noch von Anja Karliczek (CDU) geführt wird.

"Wer hätte das gedacht?!"

"Es ist erst eine Nominierung", zeigte sich die Neuenhainerin gestern am Telefon noch vorsichtig, räumte aber ein, "die Chance, ein so hohes Amt zu bekommen", finde sie "faszinierend", und setzte hinzu: "Demokratie ist schon toll." Ihr Papa habe vorgestern auf diese Nachricht gesagt: "Als du geboren wurdest - wer hätte das gedacht?!" Und "ja", manchmal müsse sie sich tatsächlich kneifen, um sich zu vergewissern, dass all das Realität ist.

Stark-Watzinger war Mitglied der vierköpfigen Verhandlungs-Spitze der FDP bei den "Ampel"-Gesprächen über den Koalitionsvertrag. "Spannende Wochen" seien das gewesen, sagt sie. Manchmal habe man zwei Stunden an einem einzigen Satz gefeilt. Doch wie miteinander geredet worden sei, das habe sie positiv gefunden. "Drei Parteienkulturen" habe sie so außerdem kennengelernt. Ihr Fazit: "Ich weiß, warum ich bei der FDP bin. . . "

Die Familie wird künftig wohl noch ein wenig mehr zurückstecken müssen. "Sie unterstützen mich, anders geht's ja gar nicht", sagt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, die mit dem aus Bayern stammenden Hermann Watzinger verheiratet ist. "Sie sind sehr leidensfähig", weiß die Liberale, hautnah mitzubekommen, "wie unser Staat funktioniert", sei aber auch für sie spannend. Als Ministerin wird sie künftig noch weit stärker in der Öffentlichkeit stehen. Die 53-Jährige betont aber: "Es geht ja um dieses Land, nicht um einen selbst. Und es ist eine große Verantwortung."

Ungezählte Glückwünsche aus ihrem Wahlkreis haben die Politikerin seit dem Bekanntwerden ihrer Nominierung schon erreicht. Und das nicht nur von den "üblichen Verdächtigen", wie sie erzählt. So hätten sich etwa auch frühere Schulkameraden gemeldet. "Das ist schön", sagt Stark-Watzinger, "ich muss sie aber erst mal alle lesen." Dazu kommt sie derzeit kaum. Zwar sind die intensiven Koalitionsverhandlungen zu Ende, "die Arbeit hört ja aber dann nicht auf", so die Liberale. Jetzt werde der Parteitag vorbereitet. Er soll über die Koalitionsvereinbarung abstimmen. "Wir müssen auch die Fraktion noch richtig aufstellen", sagt deren bisherige Geschäftsführerin.

Neben Finanz- und Haushaltsfragen war die Bildungspolitik schon lange Stark-Watzingers zweiter politischer Schwerpunkt. "Da fühle ich mich zu Hause", bestätigt die designierte Ministerin, die ganz praktische Erfahrung vorweisen kann. Beruflich war sie Geschäftsführerin einer Bildungseinrichtung. In Neuenhain hat sie ehrenamtlich schon 2006 ein Projekt mitgeleitet, das der Grundschule einen FSJ'ler als Zusatz-kraft ermöglichte. Johannes Baron, Parteichef der Liberalen im MTK, findet es daher nicht nur "eine großartige Sache", dass die Sodenerin das Bildungsministerium erhalten soll. Bildung sei "immer ihr großes Thema", ist Baron sicher: "Es wird auch etwas Gutes rauskommen."

Von Datentransfer bis Digitalpakt 2.0

Stark-Watzinger sieht für ihr künftiges Ressort viele Aufgaben, die anzupacken seien. Besonders rasch gelte es jetzt, zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts ein Daten-Institut zu schaffen, um den Datentransfer abzusichern. Nach britischem Vorbild will sie zudem Experimentier-Räume schaffen, um der Forschung zu ermöglichen, neue Ideen in die Praxis umzusetzen. Eine Innovationspolitik sei wichtig für die Zukunft, ist Stark-Watzinger überzeugt. Auch für die Digitalisierung in den Schulen ist sie nun im Bund zuständig. Durch einen "Digitalpakt 2.0" solle diese noch schneller vorangetrieben werden, so die 53-Jährige.

In Hessen gelte es zudem, die Landtagswahl 2023 vorzubereiten, erinnert die FDP-Landesvorsitzende. Wie man all das schafft? "Mit tollen Teams um einen herum - und weil's auch Freude macht", ist ihre Antwort. Wichtig sei, sich "ein paar wenige Freiräume" freizuhalten. Familie und Freunde stehen da obenan. Kontakte zu halten sei wichtig, findet Bettina Stark-Watzinger. "Ob als Abgeordnete oder Minister - wir haben alle Verträge auf Zeit."

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