Hkb_Kammer_1_201020
+
Die Bad Sodener Cellistin Annabel Hauk und Christopher Park am Klavier harmonierten gut.

Mendelssohn Tage der Musik in Bad Soden

Interpreten erzielen eine stimmige Balance

  • vonUlrich Boller
    schließen

Pianist Christopher Park und Cellistin Annabel Hauk geben zum Auftakt gleich drei Konzerte.

Bad Soden -Gleichwertige Partner sind Klavier und Violoncello noch lange nicht. Das Pianoforte hat klar das Sagen im Sonatenpaar opus 5 Ludwig van Beethovens, während dem Streichinstrument die Aufgabe zu begleiten zufällt. Gleichwohl deuten sich vielfach Grenzverschiebungen, Horizonterweiterungen an. Diese Momente des Aufbruchs rückten der Pianist Christopher Park und die Cellistin Annabel Hauk in den Mittelpunkt ihrer lebendig durchpulsten Auslegung des Notentextes. Parks energiereicher Anschlag des Eröffnungsakkords erwies sich beim ersten Konzert der "15. Mendelssohn Tage der Musik" weniger als Aufmerksamkeit heischende Geste, denn als zielgerichteter Impuls, der in die langsame Einleitung des Kopfsatzes hineintrug. Konzentriert ließen sich die Zuhörer in der evangelischen Kirche davon mittragen.

Er fungierte damit gleichsam als Energiequelle des Cellothemas, das Hauk schlank, sanglich, durchwärmt und mit weitem Atem sich entfalten ließ. Als Sturm-und-Drang-Studie gestaltete das Duo das Rondo der zweisätzigen Sonate. Der Parforceritt führte sowohl an die Grenzen des Spiel- und Darstellbaren als auch an das Limit des geordnet Hörbaren. Erstaunlich wenig ging dabei auf Kosten der Genauigkeit.

Dicht musizierten beide Partner die dritte Sonate A-Dur opus 69. Der Blick auf das Detail bei nicht weniger reicher Entfaltung von Energien prägte die Interpretation. Hauk und Park erzielten eine stimmige Balance, spielten sich unangestrengt die Bälle zu. Kantig profilierten sie die Rahmensätze, während das knappe Adagio von innen heraus leuchtete. Dieser Abschnitt sank nicht herab zu quasi beiläufiger Einleitung des Finales, gewann vielmehr werthaltigen Charakter.

Dergestalt zeigte sich im direkten Vergleich mit dem Frühwerk der kompositorische Fortschritt samt der weitgehend erreichten Gleichbehandlung beider Instrumente. Dass der Komponist seine eigene, an vielfältigen Veränderungen wahrlich nicht arme Zeit reflektierend und kommentierend begleitet, trat im Spiel der beiden Interpreten ebenso hervor wie der Hinweis, Überlebtes hinter sich zu lassen und Neuem gestaltend zuzustreben. Dies ist ein ermutigendes Zeichen auch für diese Zeit.

Begonnen hatte der Pianist mit Ausschnitten aus Johann Sebastian Bachs zweiter Französischer Suite c-moll BWV 813. Park phrasierte durchweg schlüssig, sinnhaft, geschmackvoll. Die rasch genommene Allemande geriet lebendig, indes nie seelenlos mechanisch nach Art eines mitunter zu vernehmenden "Nähmaschinen-Bach". Die Sarabande erweckte den Eindruck, einem tiefsinnigen inneren Monolog zu lauschen.

Präzise erfasst und klangschön umgesetzt

Höfische Eleganz zeichnete Hauks Vortrag der Allemande und Gigue aus der sechsten Suite für Cello solo D-Dur BWV 1012 aus. Die Charaktere ebenso wie die innere Logik der beiden stilisierten Tanzsätze schienen präzise erfasst und klangschön umgesetzt. Hauk nutzte die Gestaltungsspielräume dieser technisch anspruchsvollsten der sechs Solosuiten. Aus der Sammlung der Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy stammte die innig ausgeführte Zugabe.

Aufgrund der starken Nachfrage und der Corona-bedingt begrenzten Zahl der Plätze seien aus einem Eröffnungskonzert drei geworden, sagte Dr. Jürgen Frei, dessen Bad Sodener Musikstiftung erneut die hochwertigen Mendelssohn-Tage mit der Stadt als Partner organisiert. Mit Annabel Hauk und Christopher Park seien zwei Instrumentalisten gewonnen worden, die im Rhein-Main-Gebiet aufwuchsen und hier einen Teil ihrer musikalischen Ausbildung erhielten. Sie gestalteten ein weitgehend gleiches Programm sowohl am Samstagabend als auch am Sonntagnachmittag.

Die Besucher der Soiree hieß Bürgermeister Frank Blasch willkommen. Der Rathauschef hob die Bedeutung der "Mendelssohn-Tage der Musik" für die Stadt und die Region hervor. Sein Dank galt den rührigen Organisatoren, besonders Sabine Schaan (Bad Sodener Musikstiftung) und Claudia Neumann, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare