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Klein und adrett, so ist das Kunstkabinett

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Von: Brigitte Kramer

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Ute Reinecke (links) und Nadja Bauernfeind bei der Jubiläumsfeier im Badehaus: Sie gehören zu den Künstlerinnen, die auch schon im Kunstkabinett ausgestellt haben.
Ute Reinecke (links) und Nadja Bauernfeind bei der Jubiläumsfeier im Badehaus: Sie gehören zu den Künstlerinnen, die auch schon im Kunstkabinett ausgestellt haben. © Kramer

Die Zehn-Jahres-Feier wurde zum Stelldichein der Kreativen. 36 Ausstellungen hat es seit 2012 gegeben.

Bad Soden - Rockige Bluesklänge der Musiker des Bad Sodener Blues-Hauses empfangen die Besucher im Foyer des Badehauses. Einige Leute lassen sich auf den bereitgestellten Stühlen nieder. Andere steigen die Treppe zum ersten Stock hinauf. Schließlich gibt es da spannende Kunst zu sehen. Linkerhand in der "Stadtgalerie" ist zum letzten Mal die Ausstellung "Malerei und Installation" der Eschborner Künstlerin Romana Menze-Kuhn zu sehen. Rechts geht es ins "Kunstkabinett", in dem der Fotograf Dick Byer und die Malerin Antje Hottowitz vor 14 Tagen ihre Ausstellung "Schwarz-Weiß trifft Farbe 22" eröffnet haben.

Ein herzliches Hallo hier, ein freudiges Winken da. Offensichtlich genießen es die Menschen, dass das vom Badehaus zum Kulturzentrum mutierte Gebäude im Alten Kurpark nach der Corona-Zwangspause wieder zum Leben erwacht ist.

Wer Interesse und Spaß daran hat, kann sich von den Künstlern durch beide Ausstellungen führen lassen. Doch der eigentliche Anlass für die besondere Veranstaltung am vergangenen Sonntagnachmittag war das zehnjährige Bestehen des "Kunstkabinetts".

In "Kunsttempel" verwandelt

Die spärlich eingerichteten zwei Räume, die bis Anfang 2012 ausschließlich für den Unterricht der Volkshochschule genutzt wurden, sollten mit Farbe, Gleitschienen und der notwendigen Beleuchtung für Kunstausstellungen ausgestattet werden. "Mit viel Arbeit und Überredungskunst", lobte die ehrenamtliche Stadträtin Renate Richter, sei es Claudia Neumann von der städtischen Abteilung "Kultur und Veranstaltungen" gelungen, die Räume in einen "Kunsttempel" zu verwandeln.

Mit großem Erfolg. 36 Ausstellungen habe es in den Räumen seit März 2012 gegeben, die übrigens immer nur in den Ferien stattfinden konnten. Und um immer wieder neue Künstler vorwiegend aus der Region zu gewinnen, sei Claudia Neumann von dem Schwalbacher Galeristen Peter Elzenheimer unterstützt worden, der sich im Verein der Sodener Kunstwerkstatt engagiert. Elzenheimer richtete den Wunsch an die Stadt Bad Soden, es möglich zu machen, das "Kunstkabinett" das ganze Jahr über für die Kunst offen zu halten.

Flirrende Luft plastisch festgehalten

36 Ausstellungen mit insgesamt 52 Künstlern, das verspricht eine Vielfalt an künstlerischer Kreativität. So wie diese 36. Ausstellung, bei der sich der gebürtige Amerikaner Dick Byer und die Bad Sodenerin Antje Hottowitz auf ein Experiment eingelassen haben (wir berichteten). Dick Byer hat ungewöhnliche Schwarz-Weiß-Aufnahmen präsentiert und Antje Hottowitz hat mit ihrer farbintensiven Maltechnik einen anderen Blick auf eben diese Motive zugelassen.

Aus der Reihe der 52 Künstler nahmen Ute Reinecke und Nadja Bauernfeind als Gäste an der Finissage am Sonntag teil. "Radierung trifft auf Nadel und Faden" hatte Ute Reinecke ihre Präsentation vor einem Jahr überschrieben. Von Kupfer- und Messingplatten bis zu Sticknadel, Garn und Nähmaschine reichen ihre Arbeitsutensilien. Es sei ein erhabenes Gefühl gewesen, stellt die Schwalbacherin rückblickend fest, in dem tollen Haus ausstellen zu dürfen. Sie lobt die Plakatgestaltung und die der Einladungskarten: "Es war alles sehr gut organisiert." Dass trotz der Sommerferien viele Besucher in das Kunstkabinett gekommen seien, "fand ich enorm". Für Druckgrafik interessierten sich normalerweise nicht so viele Leute.

Vor mehr als 20 Jahren habe sie der damaligen Vorsitzenden der Sodener Kunstwerkstatt erste kleine Zeichnungen von sich gezeigt, berichtet Nadja Bauernfeind. Mit ihren Themen Technik, Licht, Dynamik und Energie gehört die Bad Sodenerin, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert hat, zu dem prominenten Kreis der regionalen Künstlerinnen. "Flugzeuge und Musikerportraits" hieß das Thema ihrer Arbeiten im Sommer 2021. Mit haarfeinen Strichen der Rohrfeder oder kraftvollen Linien mit Pastellkreide versucht sie Geschwindigkeit, flirrende Luft oder reflektierendes Licht plastisch festzuhalten. Ganz nah geht sie dazu an die Riesenmaschinen heran. Lässt die Hitze der aufgewirbelten Luft fast körperlich spüren. Der "Kampfjet beim Start" etwa ist eine ihrer herausragenden Arbeiten.

Ganz andere Wege geht Christiane Brott, die mit ihrer Fotoausstellung "Frankfurt im Spiegel und andere Giganten" 2018 im Kunstkabinett zu einer faszinierenden Entdeckungsreise eingeladen hat. Die Südkoreanerin Sooshin Park fängt Stimmungen ein. Ihre Aquarelle bewegen sich zwischen fließender Leichtigkeit und harten Kontrasten. "Landschaft" hat sie ihre Ausstellung im Oktober 2018 im adretten Kunstkabinett überschrieben. Mit seinen Aquarellen und Skulpturen fordert Knut Schulz heraus. Einen schwarzen Torso vor blutrotem Hintergrund präsentierte der Frankfurter Künstler in seiner Ausstellung im Frühjahr 2019 im Sodener Kunstkabinett. Daneben positionierte er Figuren in Gruppen aus oxydiertem Bleiblech. "Krieg und Gewalt" sowie "Apartheid" sind Themen, die Knut Schulz beschäftigen.

Mit Wasser, Farbpigmenten und Pinselstrichen haucht Sooshin Park ihren Aquarellen Leben ein (Ausstellung im Kunstkabinett, 2018).
Mit Wasser, Farbpigmenten und Pinselstrichen haucht Sooshin Park ihren Aquarellen Leben ein (Ausstellung im Kunstkabinett, 2018). © Kramer

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