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Künstlerischer Ausflug in ein exotisches Land

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Von: Brigitte Kramer

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Auf einem imaginären Kettenkarussell schweben die "Wattwanderer" über den Wolken.
Auf einem imaginären Kettenkarussell schweben die "Wattwanderer" über den Wolken. © Veranstalter

Zwei Mongolen entführen in eine Welt voller Rätsel. Dabei spielt ein Tier in ihren Werken eine besondere Rolle.

Bad Soden -Bitte auf das rechts abgebildete Gemälde schauen: Auf einem imaginären Kettenkarussell schweben die "Wattwanderer" über den Wolken. Menschen, die nach der Aussage des Malers keinen Boden unter den Füßen haben. Sie suchen Halt in der Berührung mit ihren Händen.

Eiligen Schrittes überquert eine junge Frau im hellen, wehenden Kleid den Eisernen Steg in Frankfurt. Erdige Landstraßen, die ins Endlose führen, lassen die Sehnsucht des mongolischen Künstlers, Gan-Erdene Tsend, nach der Weite seiner Heimat erahnen. Die Skulpturen seines künstlerischen Freundes Ochirbold Ayurzana dagegen sind fest im Boden verhaftet. Ein mehr als zwei Meter großer Gigant aus Eisen empfängt die Besucher im Entree des Badehauses. Eine winzige Figur aus Edelstahl steht auf einem riesigen Mongolenstein. Leicht nach vorn gebeugt - fragend, denkend, meditierend. "Consciousness - Bewusstsein" hat der Bildhauer und Installationskünstler seine Werkreihe betitelt. Er möchte so die Stellung des Menschen in der Gesellschaft ins Licht rücken. Seit 2018 befindet sich eine seiner Consciousness-Plastiken im Skulpturenpark des UN-Hauptquartiers in New York.

"Kunst aus der Mongolei" ist eine außergewöhnliche Ausstellung in diesen schwierigen Zeiten. Sie führt mit einem reichen Bilderschatz vor Augen, wie sich mongolische Wurzeln und europäische Kultur ergänzen können. Ausgerichtet wird sie von der "Galerie am Dom" in Wetzlar in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Soden. "Seit über 30 Jahren ist die Mongolei eine gut funktionierende Demokratie", hebt Birvaa Mandakhbileg hervor. Die Freiheit der Kunst und der Wissenschaft werde den Menschen in seinem Land gewährleistet, betont der mongolische Botschafter, der zur Eröffnung der Ausstellung aus Berlin angereist ist. In diesen drei Jahrzehnten seien die jungen Künstler herangewachsen, "auf die wir stolz sein können".

Die Sehnsüchte der Menschen darstellen

Gan-Erdene Tsend, 1979 in der Mongolei geboren, lebe seit vielen Jahren in Deutschland und sei mongolisch als auch deutsch geprägt. Zum Meisterschüler an der Kunstakademie Münster ernannt, lehrt Tsend seit 2018 an der Akademie der Malerei in Berlin und ist auf internationalen Messen und Ausstellungen vertreten. Der 45-jährige Ochirbold Ayurzana sei ein ständiger Gast in Deutschland, berichtet der Botschafter, und nehme an internationalen Ausstellungen teil. So habe Ayurzana bei der "NordArt" mit seinen sozial- und gesellschaftskritischen Werken in 2019 "gleich zwei Preise abgeräumt". Die "NordArt" im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf, in der ehemaligen Carlshütte, zählt international zu den bekanntesten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.

In eine faszinierende Welt und eine Welt voller Rätsel nimmt Gan-Erdene Tsend die Betrachter seiner Arbeiten mit. Ölbilder freischwebend im Raum. Menschen, die allein spazieren gehen, begegnen in ihrem Spiegelbild einer zweiten Person. Eine Läuferin hat einen gespiegelten Begleiter gefunden. Die den Boden küssende Stute erträumt sich in ihrem Spiegelbild ein Fohlen. Es ist Gan-Erdenes Blick auf die Welt, die sich nicht nur in den handelnden Wesen, sondern auch in den zarten, zurückhaltenden Farben des Künstlers offenbart. Er wolle zeigen, welche Sehnsüchte die Menschen haben, erklärt Gan-Erdene. Mit seinen Spiegel-Arbeiten, die ihn seit mehreren Jahren beschäftigen, wolle er die Botschaft vermitteln, "dass du nicht alleine bist, sondern dass es Liebe und Zusammenhalt gibt". Von ihm, der fern der Heimat seine Kunst erschaffe, erforderten die Emotionen, die sich bei diesen Arbeiten an die Oberfläche kämen, viel Kraft. Diese gewinne er zurück, wenn er in seinen Landschaftsbildern in die Erinnerungen an seine Kindheit, in das Leben seiner Familie, der Nomaden, eintauche.

In den Arbeiten beider Künstler, die ihr Studium an der Universität für Kultur und Kunst in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator absolviert haben, spielen Pferde eine wichtige Rolle. Orchirbold Ayurzana hat Bronze-Skulpturen von außergewöhnlicher Schönheit geschaffen, die der herausragenden Stellung dieser Tiere in der Geschichte des Nomadenvolkes gerecht werden. "Die Pferde haben uns den Fortschritt gebracht", ergänzt Gan-Erdene. In der Weite des Landes seien sie das einzige Fortbewegungsmittel gewesen. Wild in seinem Temperament, gleichzeitig genügsam und gehorsam sei das Pferd für die Mongolen schon von Kindesbeinen an ein vertrautes Wesen. Ohne die mongolischen Pferde hätte Dschingis Khan seine Feldzüge nicht gewinnen können.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Kunst aus der Mongolei" ist bis Sonntag, 27. März, in der Stadtgalerie im Badehaus im Alten Kurpark (Königsteiner Straße 86) zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr. Eintritt frei. Kostenloser Katalog.

Diese Skulptur ist "überragend": Gan-Erdene Tsend (links) und Ochirbold Ayurzana wirken kleingewachsen neben dem Kunstwerk.
Diese Skulptur ist "überragend": Gan-Erdene Tsend (links) und Ochirbold Ayurzana wirken kleingewachsen neben dem Kunstwerk. © Maik Reuß
Pferde tauchen oft in den Werken der Künstler auf. Sie sind bedeutsam für die Mongolei.
Pferde tauchen oft in den Werken der Künstler auf. Sie sind bedeutsam für die Mongolei. © Veranstalter

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