Land ehrt Sodener Ehrenamtler: "Ich wollte eine Tätigkeit, die wohltut"

Gleich zweimal wurde jetzt das ehrenamtliche Engagement von Bad Sodenern ausgezeichnet: Dr. Walter Prinz ist seit 17 Jahren als Arzt in der Elisabeth Straßenambulanz der Caritas in Frankfurt aktiv und kümmert sich um die Gesundheit von Obdachlosen und Geflüchteten. Dafür erhielt er den Ehrenbrief. Die Interessengemeinschaft Jüdischer Friedhof hat dafür gesorgt, dass die Grabinschriften und die biografischen Daten der auf dem Sodener jüdischen Friedhof Bestatteten digital erfasst und gesichert werden. Dafür gab’s den Hessischen Ehrenamtspreis (siehe Text rechts). Mit Walter Prinz hat sich Felix Liermann (Caritas) unterhalten.

Die Interessengemeinschaft Jüdischer Friedhof hat dafür gesorgt, dass die Grabinschriften und die biografischen Daten der auf dem Sodener jüdischen Friedhof Bestatteten digital erfasst und gesichert werden. Dafür gab’s den Hessischen Ehrenamtspreis.

Mit Walter Prinz hat sich Felix Liermann (Caritas) unterhalten.

Wie haben Sie die Ehrung im Kaisersaal im Römer erlebt?

WALTER PRINZ: Ich habe gedacht: „Na, das ist ja heute ein royales Ambiente – ein Prinz im Kaisersaal!“ Aber Scherz beiseite: Über die Ehrung habe ich mich sehr gefreut. Ich habe empfunden, dass damit meine Tätigkeit auch öffentlich anerkannt und bestätigt wird.

Ausgezeichnet wurden Sie für Ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement als Arzt in der Elisabeth Straßenambulanz (ESA) des Caritasverbands Frankfurt. Wie ging das los? 

PRINZ: Nach dem Eintritt in den Ruhestand wollte ich gern meine Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen in eine sinnvolle Tätigkeit außerhalb des kommerziellen Gesundheitssystems. Zuerst habe ich mich für die Arbeit von „Ärzte ohne Grenzen“ interessiert. Aus gesundheitlichen Gründen kam das – auch wegen der Auslandseinsätze – dann aber nicht in Frage. Da bin ich einer ehrenamtlichen Ärztin aus der ESA begegnet, die mich für die medizinische Betreuung von kranken Obdachlosen in Frankfurt geworben hat. Zwei Jahre Mitarbeit hatte ich mir damals vorgenommen – und dann bin ich in der ESA bis heute geblieben.

 In Bad Soden führten Sie mehr als 30 Jahre lang erfolgreich eine gynäkologische Praxis. Welchen Unterschied macht dagegen die Arbeit in der ESA? 

PRINZ: Sie können sich sicherlich vorstellen: Das Klientel an den südlichen Hängen des Taunus ist schon ein anderes als das an einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt. Aber da hatte ich keine Berührungsängste, da empfinde ich kein Klassenbewusstsein. Ich habe ja keinen Nebenjob gesucht, keine Beschäftigung, bei der ich vielleicht noch jemand anderem die Stelle wegnehme. Ich wollte eine Tätigkeit, die Bedürftigen nutzt und wohltut.

 Gibt es rückblickend Begegnungen mit Obdachlosen und Geflüchteten, die Sie besonders beeindruckten? 

PRINZ: Lebensgeschichten und Biografien haben mich schon immer sehr beeindruckt. Bei den Patienten in der ESA sind es häufig Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen, die letztlich zu einem sozialen Abstieg führen.

Ich erinnere mich an normal bürgerliche Menschen, die durch Schicksalsschläge die Krankenversicherung, den Arbeitsplatz und die Unterkunft verloren haben. Wenn es für sie dann keine sozialen Unterstützungen in Familie oder Freundeskreis gibt, ist der Absturz in Sucht und Obdachlosigkeit oft der nächste Schritt. Mit dem allgemeinärztlichen und psychiatrischen und auch dem zahnärztlichen Betreuungsangebot ist die ESA hier genau die Hilfe für Menschen, die „auf dem Zahnfleisch gehen“. Und eine freundliche, zugewandte Pflegebehandlung kann dem Patienten die ihm zukommende Würde verleihen.

Manche Patienten können ihre Dankbarkeit für die Zuwendung und die Linderung, die sie in der ESA erfahren, auch ausdrücken. Einmal überreichte mir ein Patient ein kleines Geschenk: „Hier – ein Stofftier für Dich!“ Dieses Stofftier habe ich seitdem immer bei mir, wenn ich in der ESA arbeite.

Wissen die Patienten in der ESA, dass der „Dr. Walter“ – so werden Sie dort liebevoll genannt – sie ehrenamtlich und unentgeltlich betreut?

PRINZ: Die Kolleginnen und Kollegen sind aus der Sicht der Patienten nicht als Hauptamtliche oder Ehrenamtliche erkennbar. Uns allen ist wichtig, dass wir gut zuhören, den richtigen Ton treffen und wenn nötig deeskalierend eingreifen. Hier helfen mir die früheren Erfahrungen aus meiner mehrjährigen Tätigkeit in einer Poliklinik.

In der ESA arbeiten hauptamtliche und ehrenamtliche Ärzte, Zahnärzte und Pflegekräfte zusammen. Wie sehen Sie sich in diesem Team?

PRINZ: Die Mitarbeit im Team der ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine absolute Bereicherung – vor allem im Vergleich zum Einzelkämpferdasein in einer Arztpraxis. Das ESA-Team ist mir zu einer zweiten Heimat geworden. Gemeinsam engagieren sich alle mit hoher Wertschätzung und Aufmerksamkeit für die Patienten. Und mit der gleichen Wertschätzung begegnet sich das Team auch untereinander.

Neben Ihrer medizinischen Arbeit sind Sie auch als Erzähler und Dichter bekannt geworden. Sie haben mehrere Bücher publiziert und haben sogar einige Lyrik-Preise gewonnen. Wie kamen Sie zum Schreiben?

PRINZ: Schreiben ist für mich ein Mittel, Erlebnisse und Gedanken aufzubewahren. In einem Zettelkasten bewahre ich für mich wichtige Briefe, Notizen, Situationsskizzen auf, um sie später zu sichten, zu verwenden oder wegzuwerfen. Als Eigenart mag das vielleicht durchgehen. Aus dieser Stoffsammlung sind in der Vergangenheit einige Gedichte entstanden, auch eine Anzahl von Erzählungen. Die opponierende „Mila“ ist die Titelfigur in den Erzählungen für meine Kinder. Als ich Großvater wurde, kam für meine Enkel dann „Mira“ hinzu – und schließlich noch „Marie“.

Wie geht es nun weiter mit Ihrer Tätigkeit in der Elisabeth Straßenambulanz? Was sagt Ihre Familie dazu?

PRINZ: Nach 17 Jahren begeistert mich die Arbeit in der ESA so wie am ersten Tag. Gern will ich mich weiterhin einbringen, solange die Gesundheit es erlaubt und solange ich dort gebraucht werde. Meine Frau unterstützt mich dabei. Sie hat als tatkräftige und hilfreiche „Oma“ in der großen Familie ja ebenfalls ein Ehrenamt.

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