Schwimmmeister Jörg Esch geht in die Hocke, während er zum Wasserschlauch greift und das noch leere Planschbecken unter Hochdruck reinigt und anschließend prüft, ob alles in Ordnung ist.
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Schwimmmeister Jörg Esch geht in die Hocke, während er zum Wasserschlauch greift und das noch leere Planschbecken unter Hochdruck reinigt und anschließend prüft, ob alles in Ordnung ist.

Schwimmen

Letzter Schliff fürs FreiBadSoden

  • vonDavid Schahinian
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Nun beginnt die verkürzte Saison, die für alle Neuland ist

Bad Soden -Richtiges Planschwetter herrschte nicht: Mitunter prasselte das Wasser aus einem wolkenverhangenen Himmel. Aber nach vergnügtem Schwimmen unter freiem Himmel sah es nicht aus. Die Verantwortlichen des Bad Sodener Freibades hat das mit Blick auf die Eröffnung zwar nicht erfreut, aber doch ein wenig beruhigt.

Stadt legt vier Schichten fest

An diesem Donnerstag öffnet das Freibad in der Kelkheimer Straße endlich, wenngleich es "keine ganz normale Saison" werden wird, wie Bürgermeister Frank Blasch ankündigte. Die Coronakrise zwingt die Stadt zu organisatorischen Klimmzügen, die für alle Beteiligten Neuland sind. Mäßiges Wetter unter der Woche könnte dazu beitragen, sich mit den Vorsorgemaßnahmen zurechtzufinden und bei einer überschaubaren Gästezahl zu überprüfen, wie sich die ungewohnten Abläufe bewähren. Gemäß einem Hygienekonzept, das der Main-Taunus-Kreis abgesegnet hat, wird der Besuch mit einigen Einschränkungen verbunden sein.

Die größte davon ist, dass die Besucherzahl begrenzt ist. Sie bemisst sich an der Beckengröße, nach der nicht mehr als 250 Gäste gleichzeitig im Becken sein dürfen. Da sich der eine oder die andere auch auf der Wiese oder am Kiosk aufhalten wird, schlug die Stadt einen Puffer von 30 Besuchern auf - mehr als 280 werden nicht auf das Gelände gelassen. Um trotzdem möglichst vielen Menschen das Freibaden zu ermöglichen, wird ein Vier-Schicht-Betrieb eingeführt:

Morgens von 7.30 bis 9.30 Uhr und abends von 17.45 bis 19.45 Uhr sind es jeweils zwei Stunden.

Tagsüber von 10.15 bis 13.15 Uhr und von 14 bis 17 Uhr dürfen Kinder, Jugendliche und Erwachsene maximal drei Stunden ihre Bahnen ziehen.

In den 45 Minuten zwischen den Schichten, wenn das Bad leer ist, werden sämtliche Kontaktbereiche gereinigt und desinfiziert. Bis morgen soll am Schwimmbecken noch eine große Uhr installiert werden, die jeweils die Restzeit für die Schwimmer anzeigt.

Die große Wiese hält als Wartebereich her

Gibt das nicht automatisch am Kassenhäuschen eine Traubenbildung zu den Schichtwechseln, die gerade vermieden werden soll? Nein. Zum einen ist die große Wiese hinter dem Eingang als Wartefläche abgesperrt. Wer etwas früher da ist, kann sich dort aufhalten, bis die "Schleusen" geöffnet werden. Zum anderen wurde auf ein Online-Buchungssystem umgestellt. Über die Seite www.bad-soden.de lassen sich im Internet, sofern noch nicht ausgebucht, Karten für das gewünschte Zeitfenster kaufen und gleich online bezahlen. Der ausgedruckte Beleg oder ein Code auf dem Smartphone gilt als Zugangsberechtigung. Warteschlangen sollen so vermieden werden. "Für gekaufte, aber nicht in Anspruch genommene Tickets können wir leider kein Geld erstatten", betont Blasch. Apropos Geld: Da der Freibad-Besuch nur eingeschränkt möglich ist, wurden auch die Preise heruntergesetzt. Zahlten erwachsene Schwimmer bisher 5 Euro für eine Tageskarte, sind sie nun mit 2,50 Euro bei den Zwei-Stunden-Fenstern und 4 Euro bei den Drei-Stunden-Fenstern dabei. Kinder und Schüler zwischen 6 und 17 Jahren zahlen einen Euro beziehungsweise 1,50 Euro. Zu beachten ist, dass eine geringe Ticketgebühr für die Online-Buchung beim externen Dienstleister hinzukommt. Bereits erworbene Saisonkarten können nach wie vor gegen Erstattung zurückgegeben werden, neue Dauerkarten gibt es für die verkürzte Saison nicht mehr.

Ein- und Ausstieg ins Becken sind getrennt

Freibad-Leiterin Katja Gilcher und ihr achtköpfiger Stab haben sich in den vergangenen Wochen mächtig ins Zeug gelegt, um auf den Punkt startklar zu sein. In Kurzarbeit wurde niemand geschickt, dafür war viel zu viel zu tun - etwa Ausbesserungsarbeiten, die im laufenden Betrieb schwer möglich sind. Spinde, Umkleiden, das Planschbecken - nahezu alles wird wieder nutzbar sein, wenn auch teilweise in eingeschränktem Umfang. Lediglich die Duschen im geschlossenen Bereich bleiben wegen der möglichen Aerosol-Bildung verwehrt. "Wir haben zudem an deutlich sichtbaren Stellen Erinnerungen aufgestellt oder -geklebt, die auf die Einhaltung des Abstandes hinweisen", sagt Gilcher, zum Beispiel am Becken, bei dem der Einstieg und der Ausstieg räumlich voneinander getrennt sind - wie auch der Ein- und Ausgang des Bades.

Bei all den nötigen Restriktionen sollte der Spaß eines Freibades nicht vergessen werden: Die Wassertemperatur beträgt bereits 23 Grad, versichert Schwimmmeister Jörg Esch. Für den Kiosk wurde ein neuer Pächter gefunden, und am Samstag ist kalendarischer Sommeranfang.

Einnahmeverlust beträgt 80 000 Euro

390 000 Euro musste die Stadt 2019 zum Betrieb zuschießen. Fürs laufende Jahr stockte sie das Budget auf 438 000 Euro auf. Der Einnahmeausfall, der sich durch die Corona-Pause ergibt, wird auf etwa 80 000 Euro beziffert. Verwaltungsintern, im Magistrat und in einer Telefonkonferenz mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung habe die Stadt jedoch beschlossen, das Angebot aufrechtzuerhalten, sagte Frank Blasch bei der Eröffnung. "Viele werden dieses Jahr nicht in Urlaub fahren können. Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Freizeit hier zu verbringen." david schahinian

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