Hat viel Freude an ihrem künftigen Beruf: Die Bad Sodenerin Sandra Franciska Burg belegte beim Bundeswettbewerb ?Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege? unter 27 800 Bewerbern den dritten Platz.
+
Hat viel Freude an ihrem künftigen Beruf: Die Bad Sodenerin Sandra Franciska Burg belegte beim Bundeswettbewerb ?Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege? unter 27 800 Bewerbern den dritten Platz.

Alten- und Krankenpflege

„Man bekommt so viel zurück“

  • Christine Sieberhagen
    VonChristine Sieberhagen
    schließen

Die Bad Sodenerin Sandra Franciska Burg belegte beim Bundeswettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ den dritten Platz. Warum sie sich für diesen „schönen und schwierigen Beruf“ entschieden hat, erzählte sie im Gespräch mit dem Kreisblatt.

„Seit über drei Jahren sind wir auf der Suche nach zwei Pflegefachkräften – bisher erfolglos“, schildert Barbara Hüttel. Damit beschreibt die Betreiberin der Pflegestation „Schwester Barbara“ am Quellenpark die Situation einer Branche, die sehr stark vom Fachkräftemangel betroffen ist. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts fehlen im Jahr 2016 bundesweit rund 40 000 Pflegekräfte. „Das ist der Grund, weshalb uns als Ausbildungsbetrieb die Nachwuchsförderung sehr am Herzen liegt“, betont die Chefin der Pflegestation, die seit 2005 in Soden ansässig ist. Das Engagement in Sachen Nachwuchs wurde nun belohnt: Auszubildende Sandra Franciska Burg setzte sich beim Bundeswettbewerb „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ durch und landete auf dem dritten Platz.

27 800 Mitbewerber

27 800 Pflegeschüler aus der gesamten Republik gingen an den Start. „Es war ganz schön anspruchsvoll“, erzählt die junge Frau mit den tizianroten Haaren. „Wir mussten in einem zweistufigen Verfahren zunächst eine Klausur bewältigen die sich themenübergreifend auf die Bereiche Krankenpflege, Kinder- und Altenkrankenpflege bezog.“ Souverän bewältigte die junge Frau diesen Part. Als beste hessische Teilnehmerin wurde sie dann zur Endausscheidung in Berlin zugelassen. Da ging es dann richtig zur Sache: „Wir wurden in den Themenfeldern Pflegeplanung und Pflegepraxis geprüft und mussten ein anspruchsvolles Kolloquium begleiten“, nennt die Absolventin der Frankfurter maxQ-Schule die Aufgaben, die sie ebenfalls mit Bravour absolvierte. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Fachpflegekraft, die sie in einigen Monaten beenden wird.

„Ich wollte eigentlich nie in die Pflege“, erzählt die 36-Jährige. Das hat familiäre Gründe, denn nicht nur ihre Mutter, die die Pflegestation vor 25 Jahren in Falkenstein gegründet hat, sondern auch ihre Oma, Uroma und Tante sind allesamt Krankenschwestern. „Da ich von Kindheit an erlebt habe, wie aufreibend dieser Beruf ist, habe ich mir das nicht zugetraut.“ Sandra Franciska entschied deshalb nach dem Abitur: Ich studiere erstmal Jura.“

Eingesprungen

Irgendwann gab es im Betrieb der Mutter jedoch einen Personalengpass und die Tochter sprang ein. „Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, wie viel Freude mir die Arbeit macht. Es ist natürlich ein sehr aufreibender Beruf – man muss Tag und Nacht abrufbereit sein und auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Aber dafür bekommt man so viel von den Menschen zurück“, fasst die Pflegeschülerin die positiven Seiten ihres künftigen Berufs zusammen, den sie auch zudem wegen seiner Vielfalt schätzt: „Man kommt mit so vielen unterschiedlichen Menschen jeden Alters zusammen, jedes Mal fällt eine andere Aufgabe an. Im übrigen sind es nicht nur ältere Leute, die Pflegedienste in Anspruch nehmen, sondern auch Kinder, die beispielsweise Insulin gespritzt bekommen müssen.“

Dass ihr Beruf aber auch gerade bei der Betreuung einsamer, älterer oder demenzkranker Menschen an die Substanz geht, verhehlt sie nicht: „Für solche Patienten ist man nicht nur die Krankenschwester, man ist die einzige Bezugsperson und auch Seelentröster. Es ist aber auch sehr schön, dass wir mit unserer Arbeit dazu beitragen können, dass ältere, kranke Menschen in ihrer gewohnten Umgebung selbständig leben können. Man muss aber sehen, dass man für sich selbst Grenzen zieht und nicht alles an sich ranlässt. Natürlich erledigen wir auch kleinere Dinge, die eigentlich nicht zu unserem Job gehören, aber es darf nicht ausufern. Ein Patient beispielsweise hat eine ältere Katze, an der er sehr hängt und deretwegen er nicht in ein Seniorenheim möchte. Der Katze stellen wir dann schon mal das Futter hin, wenn er nicht kann“, schildert Sandra Franciska Burg, die übrigens ebenso wie ihre Mutter auch privat fürsorglich ist und ein großes Herz für Tiere hat.

Kleiner Zoo

„Wir haben einen richtigen kleinen Zoo zu Hause mit Katzen, Hunden und Vögeln“, sagt die Literaturliebhaberin, die außerdem gern über einem guten Buch oder beim Reiten entspannt. Ab und an allerdings muss auch der kleine Privatzoo mit einer „Pflegekraft“ auskommen: „Um wirklich mal total abschalten zu können, machen wir mit der ganzen Familie einmal im Jahr eine Kreuzfahrt – da haben wir nämlich keinen Handy-Empfang und sind nicht erreichbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare