Pieter Pauw in einer Fietsstraat (Radstraße) in Utrecht. Wie auf dem Schild zu lesen ist, sind Autos dort nur zu Gast.
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Pieter Pauw in einer Fietsstraat (Radstraße) in Utrecht. Wie auf dem Schild zu lesen ist, sind Autos dort nur zu Gast.

Verkehr in Bad Soden

Mehr Rücksicht auf Radfahrer gefordert

  • vonDavid Schahinian
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Pieter Pauw wünscht sich, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten, um bedrohliche Situationen zu vermeiden

Bad Soden -Immer die Radfahrer, heißt eine Heinz-Erhardt-Komödie aus den 1950er Jahren. Der Bad Sodener Pieter Pauw würde den Spieß derzeit eher umdrehen wollen: "Immer die Autofahrer." Grund genug dafür hat er. Als gebürtiger Niederländer ist er an nahezu paradiesische Zustände für Radler gewöhnt. Dass das in Deutschland vielerorts anders ist, ist ihm bekannt. Das gilt auch für Bad Soden, wo er mit seiner Familie seit einem Jahr wohnt. Was ihnen aber an einem Sonntag im August auf der Kronberger Straße passiert ist, ist auch für deutsche Verhältnisse untragbar.

"Wir radelten in einer Kurve mit einer durchgezogenen Linie mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Kilometern pro Stunde. Unser zweijähriger Sohn saß im E-Lastenrad meiner Frau", berichtet er. Plötzlich näherte sich ein Auto von hinten, der Fahrer wollte überholen. Frühzeitig lenkte Pauw sein Rad zur Mitte der Straße, um seine Familie zu schützen. Den Autofahrer machte das aber buchstäblich rasend: Er fuhr über die durchgezogene Linie und überholte mit einer Geschwindigkeit, die der Bad Sodener auf rund 50 Kilometer pro Stunde schätzt. Mit dem Manöver habe er beinahe einen Unfall verursacht, weil er ein entgegenkommendes Fahrzeug übersah.

So weit, so schlecht. "Mir ist klar, dass ich nicht auf der Mitte der Straße fahren sollte", sagt Pauw. "Ich habe das nur gemacht, weil er sonst überholt hätte, obwohl er auf dieser Straße niemals die nach der Straßenverkehrsordnung vorgesehenen anderthalb Meter Abstand hätte einhalten können." Hundert Meter weiter hielt der Autofahrer aber dann an: "Der Fahrer mittleren Alters öffnete sein Fenster und schrie in einem Stück." Er hielt dem Radfahrer seine vermeintlichen Fehler vor und diskriminierte Pauw nach eigener Aussage auch, nachdem er seinen niederländischen Akzent gehört hatte. Dass hier kein fruchtbarer Diskurs mehr stattfinden wird, merkte Pauw schnell und fuhr weiter. "Der Mann hielt aber noch mehrmals neben mir an, um noch mehr zu schreien. Er drohte, mir zu folgen, um herauszufinden, wo ich wohne." Ziemlich viel Adrenalin für einen Sonntagmorgen.

Ausbau der Infrastruktur

Er habe kurz überlegt, Anzeige zu erstatten, sagt Pauw, zumal ihm viele dazu geraten hätten. "Es geht mir aber nicht um den Einzelfall. Ich will dafür sensibilisieren, dass Radfahrer vollwertige Verkehrsteilnehmer sind." Er selbst besitzt derzeit kein Auto, kennt aber auch die Perspektive deren Fahrer aus eigener Erfahrung. Keinesfalls will er sie pauschal verurteilen: "Es gibt Autofahrer, die sich vorbildlich verhalten. Dass es zu bedrohlichen Situationen kommt, weil beispielsweise der Abstand von anderthalb Metern nicht eingehalten oder plötzlich ohne Blinker abgebogen wird, passiert aber leider ziemlich oft."

Solche Situationen haben seiner Meinung nach grundsätzlich zwei Ursachen. Zum einen hingen viele Orte beim Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer "50 Jahre hinter den Niederlanden zurück". Hierzulande müssten sich Radler oftmals auf Straßen bewegen, "auf denen sie von Autofahrern als störend empfunden werden". Hinzu komme, dass die Zahl der Radfahrer stetig zunehme. An sich eine positive Entwicklung, die man ohnehin nicht aufhalten kann, findet er: "Es hilft gegen Fettleibigkeit, spart Geld und Platz. Es macht keinen Lärm und es schont die Umwelt und das Klima."

Eindringlicher Appell

Die Probleme können kaum von heute auf morgen gelöst werden. Am Mittwoch könnte aber vielleicht ein weiterer Schritt in diese Richtung getan werden: Dann findet die dritte Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Mobilitätskonzepts in Bad Soden statt, in der es dieses Mal auch um die Gestaltung der Straßenräume für den Radverkehr geht.

Pieter Pauw ist dabei. Als hilfreich - und in den Niederlanden gut erprobt - haben sich beispielsweise gut und in auffälliger Farbe gekennzeichnete Radwege erwiesen, berichtet er. Zudem sollten die Wegeverbindungen überprüft werden. Einige hörten abrupt auf und setzten sich in einiger Entfernung an anderer Stelle fort. "Für Radfahrer, die von A nach B kommen wollen, ist dann oft unklar, wie es weitergeht." Und wo es gar keinen Radweg gibt, sind sie ohnehin gezwungen, sich die Straße mit den Autofahrern zu teilen. Daher lautet sein eindringlicher Appell an alle Verkehrsteilnehmer, ob auf vier oder zwei Rädern: "Bitte beachten Sie die Regeln." David schahinian

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