Café Merci

„Merci“: Nun auch Thema in Europa

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Das Café Merci wird umgetauft. Der Vergleich der „Kontrahenten“ ist jetzt sogar Thema auf Europa-Ebene.

Im Main-Taunus-Kreis ist der Streit seit der Kreisblatt-Berichterstattung ein großes Thema. Nun ist die Süßwaren-Geschichte von David und Goliath sogar bis ins Europäische Parlament gedrungen. Wie berichtet muss „David“ Anja Klügling ihre vier „Café Merci“ im Main-Taunus-Kreis und im Hochtaunus, darunter den Ursprungsbetrieb in Bad Soden, umbenennen. Das hat „Goliath“, der Süßwarenproduzent Storck, vor Gericht erreicht.

Nun hat sich ein Europaabgeordneter der Sache angenommen. Sein letzter Besuch in Bad Soden sei Jahre her, teilt Arne Gericke mit, im Café Merci sei er noch nie gewesen. Von dem Streitfall zwischen dem Familienbetrieb Klügling und dem Storck-Konzern habe er in der Zeitung gelesen und spontan reagiert, sagt der 50 Jahre alte Rostocker, der im Europaparlament als Sozial- und Mittelstandsexperte für die Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) spricht.

„Ganz menschlich, ohne die gerichtliche Entscheidung in Frage zu stellen“, habe er bei Storck-Geschäftsführer Axel Oberwelland schriftlich angefragt, „warum ein Traditionsunternehmen wie Ihres eine solche Klage überhaupt nötig hat“. Gegen ein kleines Café im Taunus, so Arne Gericke weiter, „dessen Besitzerin nach dem Tod ihres Mannes das Geschäft alleine weitergeführt hat und dabei als alleinerziehende Mutter und Unternehmerin auf den Rückhalt in der Gemeinde bauen konnte“. Gericke bedauert, dass der bislang so süße Name „Storck“, der mit dem unternehmerischen Mut eines August Storck 1903 begründet wurde, bei ihm nun einen etwas bitteren Nachgeschmack habe.

Vielleicht liege Axel Oberwelland als Geschäftsführer aber doch mehr an einer Lösung unter „ehrbaren Kaufleuten“, als seinen Juristen. Ihn würde es freuen, fügt Gericke an. Seinen Kunden im Taunus mit Merci – Danke zu sagen, hält Gericke für eine Geste, die weder etwas mit Rufausbeutung noch mit einer beabsichtigten Verwechslung eines Markennamens zu tun habe. Wenn dem so wäre, müsste man auch in Frankreich klagen. In Paris allein, weiß Gericke, existierten mindestens drei Café Merci.

Eins hat die juristische Auseinandersetzung zwischen dem Familienbetrieb und dem Großunternehmen bewirkt: Arne Gericke wird einen Änderungsantrag einbringen, der mittelständische Familienunternehmen besser vor unverhältnismäßigen Klagen internationaler Großkonzerne schützt. Übrigens hat Gericke sein Unverständnis über das Verhalten des Storck-Konzerns auch gegenüber Anja Klügling deutlich gemacht.

(kra)

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