Merci wird umgetauft

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Drei Jahre lang haben sich die juristischen Auseinandersetzungen hingezogen. Seit dem 8. Januar 2015 weiß Anja Klügling, dass ihr kein anderer Weg mehr bleibt, als den Namen „Merci“ für ihr Café an der Adlerstraße aufzugeben.

Das gilt nicht nur für das „Café Merci, Pâtisserie, Boulangerie & Traiteur“ in der Bad Sodener Innenstadt, sondern auch in ihren drei Filialen in Bad Homburg, Kronberg und Eschborn. Der Süßwarenhersteller und -produzent, die August Storck KG mit Sitz in Berlin und über 5000 Beschäftigten, hatte die 48 Jahre alte Bad Sodenerin im Jahr 2011 vors Landgericht in Frankfurt gezerrt. Storck produziert und vertreibt Süßigkeiten wie „nimm 2“, Toffifee, Dickmanns und auch einen Schokoriegel namens „merci“.

Die Storck-Anwälte warfen Anja Klügling „Rufausbeutung einer etablierten Marke“ vor. Sie gewann den Prozess. Doch die Storck KG ließ nicht locker. Es kam zu einem zweiten Termin vor dem Oberlandesgericht. Dieses Mal wurde Anja Klügling „Verwechslungsgefahr und Namensverwässerung“ vorgeworfen. Auch dieser Termin ging gut für die Klügling Café & Konditorei Betriebs GmbH aus. Einsprüche folgten. Revision wurde eingelegt.

Beim vierten Termin am Oberlandesgericht machte der Richter deutlich, dass er keine Revision zulassen werde und drängte die beiden Parteien zu einem Vergleich. Von seiner Seite kam der Vorschlag, die Kaffeehäuser in „Café Merci im Taunus“ umzubenennen und so die regionale Ausrichtung deutlich zu machen. Aber die Storck-Leute blieben stur: „Merci muss weg“, lautete ihr Statement.

So blieb dem kleinen David im Kampf gegen den Riesen Goliath nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Ein neuer Rechtsstreit hätte sich womöglich noch Jahre hingezogen, sagt Anja Klügling. Nun bleiben ihr und ihrem Geschäftsführer Timo Herbst bis zum 9. Januar 2016 zwölf Monate, um den Betrieb umzubenennen – mit allen Konsequenzen.

Das Logo „Merci“ muss nicht nur vom Ladeneingang verschwinden. Da geht es um den Schriftzug auf den Geschäftsautos, auf den Verpackungen, dem Geschirr. Am aufwendigsten werden der neue Auftritt im Internet, die Werbung und die Installation einer neuen E-Mail-Adresse, befürchtet Klügling. Sie rechnet mit Kosten für die Umfirmierung von mehr als 250 000 Euro. Die Kosten der Auseinandersetzung tragen die beiden Parteien jeweils selbst.

Trotzdem atmet die Mutter zweier erwachsener Töchter erst einmal durch. Die Entscheidung ist gefallen. „Jetzt können wir es anpacken“, lässt sich Anja Klügling nicht unterkriegen. „Step by step“ will sie die Dinge angehen. Im kommenden Sommer, verkündet Klügling, werde ihre 23 Jahre alte Tochter Alina mit in das Geschäft eintreten. Auch die Eliza (21) habe Interesse daran, dass der Betrieb in der Familie weitergeführt wird.

Leicht lässt sich Anja Klügling ohnehin nicht unterkriegen. Sie hat heftige Schicksalsschläge erlitten, nachdem sie am 1. Februar 1992 das Haus in der Adlerstraße unter dem Namen „Café Bonjour“ eröffnet hatte. Als ihr Mann, Chef des Hotels Dorint beim Main-Taunus-Zentrum, im Jahr 2006 unerwartet starb, gab sie dem Sodener Café den neuen Namen „Merci“.

Ihr Mann habe die Affinität zur rustikal französischen Patisserie und Küche gehabt, sagt Anja Klügling und sie entsprechend beeinflusst. Die Erinnerungen an die gemeinsamen Geschäfte in dem Bad Sodener Café mit dem gleichen Namen wären zu heftig gewesen. Im Jahr 2006 hat Anja Klügling nach fast zehn Jahren damals auch das Kurcafé im Alten Kurpark aufgegeben. Was das Angebot in den übrigen Cafés anbetrifft, ist Anja Klügling in der französischen Richtung geblieben und hat sie weiter ausgebaut. Sie habe damals Konditoren, Patissiers und Bäcker aus Frankreich hergeholt.

Heute beschäftigt sie in ihren vier Filialen rund 60 Leute. Alle Produkte, vom Petit fours bis zur Haustorte Forêt-Noire, vom französischen Bauernbrot bis zu Pralinen sowie kleinen warmen Gerichten, werden aus frischen und saisonalen Zutaten hergestellt. „Karotten für die Rübli-Torte werden noch mit der Hand gerieben“, versichert Klügling. Und französische Produkte für die Zubereitung wie das Basismehl fürs Gebäck sowie Butter oder Schinken werden in Straßburg eingekauft.

Wichtig ist der Café-Besitzerin und ihrem Geschäftsführer, dass sich in der Stadt keine Gerüchte verbreiten. Der Betrieb werde weiterlaufen, betont sie. Gleichgültig unter welchem Namen. „Wenn wir irgendwann eine prickelnde Idee haben“, sagt Anja Klügling, „wird an der Tür etwas anderes stehen“.

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