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Mutter verschleppt ihren Sohn

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Die vom Vater eingeschaltete Kripo ortet ihr Handy in Rumänien. Jetzt muss sie eine Geldstrafe wegen Kindesentziehung zahlen.

Bad Soden/Königstein -Das Paar, sie 35, er 51 Jahre alt, hat sich bereits vor Jahren getrennt. Das alleinige Sorgerecht für das gemeinsame Kind, einen jetzt knapp fünfjährigen Buben, war dem Vater, der in Bad Soden lebt, zugesprochen worden. Die Mutter sollte den Jungen danach jedes zweite Wochenende von Samstag, 10 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr sehen dürfen. Lange hat das nach Aussage des Vaters wohl auch funktioniert, im August 2020 aber nicht mehr. Die Frau hatte den Sohn wie vereinbart am 8. August abgeholt, ihn tags darauf aber nicht zurückgebracht; sie war mit dem Kind bis zum 14. August in Urlaub nach Rumänien gefahren.

Deshalb hatte sich die heute in Rheinland-Pfalz lebende Frau jetzt vor dem Königsteiner Amtsgericht wegen des Vorwurfs der Kindesentziehung zu verantworten, zu Recht, so das Gericht, das die teils geständige Frau zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro verurteilte. Die Richterin war damit unter dem Antrag der Staatsanwältin geblieben, die 120 Tagessätze gefordert und erklärt hatte, dass sie zwar ein gewisses Verständnis für die Frau, die auch einmal etwas länger Zeit mit ihrem Kind habe verbringen wollen, habe. Obwohl es ihr eigenes Kind sei, handele sich nicht um eine Bagatelle, sondern um eine schwerwiegende Straftat.

Der Verteidiger zeigte sich vom Antrag der Staatsanwaltschaft überrascht, er habe eher an eine Verfahrenseinstellung oder eine Verwarnung mit Strafvorbehalt gedacht. Seine Mandantin sei dadurch, dass sie ihr Kind nun nur noch unter Aufsicht sehen dürfe, schon genug bestraft. Zudem trage der als Nebenkläger auftretende Kindsvater selbst eine Mitschuld, habe er der Frau zeitweise doch das Umgangsrecht verweigert beziehungsweise es aufgeschoben und im Prozess seine Aussage nachgebessert. Der Mann habe kein Interesse an einer für beide Eltern und das Kind dienlichen Regelung. Die Frau sei zu Recht verärgert, sagte der Anwalt, der bereits vor dem Urteil ankündigte, Rechtsmittel einzulegen.

In ihrer Urteilsbegründung betonte die Richterin, dass in Deutschland nicht jeder machen könne, was er wolle, Regeln seien dazu da, eingehalten zu werden. Gerade Sorgerechtsvereinbarungen erforderten gegenseitige Verlässlichkeit. Mit einer Verwarnung mit Strafvorbehalt sei das nicht zu erledigen. Hier gehe es nun mal nicht um ein geklautes Shampoo, so die Richterin.

Der Vater sagte im Prozess aus, dass er in großer Sorge um seinen Sohn gewesen sei. Erst nach Tagen und auch erst nach Rücksprache mit dem Anwalt seiner Ex-Freundin, der Kontakt zu ihr hatte, sei klar geworden, dass sie in Rumänien bei ihren Eltern war. In Telefonaten habe die Frau ihm zu verstehen gegeben, dass sie sich mit dem Kind in Deutschland aufhalte. Die von ihm eingeschaltete Kriminalpolizei habe ihm dann aber mitgeteilt, die Ortung des Handys der Frau deute darauf hin, dass sie sich nicht mehr in der Bundesrepublik befinde. Im Prozess korrigierte der Mann seine Aussage, wonach er den Aufenthaltsort des Kindes nicht gekannt habe.

Die Frau habe ihm telefonisch schon gesagt, dass sie in Rumänien sei und ihm angeboten, dass er den Sohn dort abholen könne. Rumänien sei groß. Auch verstehe er die Sprache nicht. Zudem wisse er, dass die Frau "dort Leute bei der Polizei" kenne. Es sei zu befürchten gewesen, dass er, der von ihr mit mehreren Anzeigen, eine davon wegen einer angeblichen Vergewaltigung, überzogen worden sei, sich in dem Land, dessen Rechtssystem er nicht vertraue, der Verfolgung ausgesetzt hätte, obwohl sich alle Anzeigen als unbegründet erwiesen hätten. Auch habe sie ihm mitgeteilt, dass sie das Kind jederzeit in Rumänien "verschwinden" lassen könne.

Es sei an der Zeit, der Frau durch eine Bestrafung klarzumachen, dass es hierzulande eine Rechtsordnung gebe, an die sich jeder zu halten habe. Deshalb habe er Anzeige erstattet, obwohl Kindesentziehung ein Antrags- und kein Offizialdelikt sei. as

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