Privatleute brachten die Kunstnester mit Hilfe einer Leiter am Wohnhaus an. FOTOS: NABU/Thomas Tennhardt, MAR/ARCHIV, Sophie Fay (2)
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Privatleute brachten die Kunstnester mit Hilfe einer Leiter am Wohnhaus an. FOTOS: NABU/Thomas Tennhardt, MAR/ARCHIV, Sophie Fay (2)

Hilfe beim Nestbau 

Nabu baut Kunstnester für Mehlschwalben 

Den Ort Neuenhain bei Bad Soden scheinen die schwarz-weißen Vögel besonders gern zu mögen. Daher versuchen Naturschützer ihnen dort zu helfen. Die richtige Nishilfe sollte man aber den Experten überlassen. 

Bad Soden/Neuenhain - Interessante Farbgebung. Wer Mehlschwalben sieht, kann sie recht leicht identifizieren, auch wenn sich jemand mit der Vogelwelt nicht sonderlich gut auskennt. Das Gefieder dieser Art hat einen glänzenden Schimmer. Auf der Oberseite ist es metallisch blau-schwarz, der Bürzel strahlt auffällig weiß. "Der Schwanz ist relativ kurz, aber deutlich gegabelt", schildern Fachleute des Naturschutzbundes (Nabu) und beschreiben die Lautäußerungen des Tieres bildlich: "Im Flug ruft die Mehlschwalbe ein- bis dreisilbig schrrip, brrit, brüt oder so ähnlich." Ihr Warnruf sei schrill, der Gesang klinge "wie leises, schwätzendes Gezwitscher ohne Triller" und sei weniger melodisch und abwechslungsreich als bei der Rauchschwalbe.

Eine Mehlschwalbe pickt nach einem Insekt. Ihr Gefieder glänzt auf der Oberseite metallisch blau-schwarz.

Nun gibt es viele Gegenden, in denen diese Klänge gar nicht oder wenig zu hören sind. Denn die Bestände gehen zurück. Klemens Fischer, Vorstandsmitglied beim Nabu in Bad Soden, sagt: "Den Mehlschwalben geht es wie den meisten Vogelarten. Sie sind auf Insekten angewiesen." Das sind zum Beispiel Fliegen, Mücken und Blattläuse. Doch der Insektenschwund trage dazu bei, diesen Vögeln die Ernährungsgrundlage zu entziehen. Also schrillen beim Nabu die Alarmglocken, "auch wenn die Mehlschwalbe mit einem Bestand von mindestens zehn Millionen Brutpaaren noch immer zu den häufigsten Vögeln Mitteleuropas zählt", wie der Naturschutzbund weiß. "In Deutschland geht die Zahl seit Jahren kontinuierlich zurück und liegt heute zwischen 820 000 und 1 400 000 Brutpaaren."

befestigt

Es ist möglich und sinnvoll, dort Nisthilfen anzubringen, wo den Mehlschwalben das Material fehlt, um taugliche Nester zu bauen. Klemens Fischer erläutert: "Aus Ermangelung von Lehm verwenden die Vögel zum Beispiel Moos aus Waschbeton-Bewachsungen. Diese Nester stürzen entweder ab, oder die Eier oder Jungvögel fallen durch Löcher heraus. Hier helfen Kunstnester." Der Nabu Bad Soden konzentriert sich allerdings darauf, diese Nisthilfen in Neuenhain zu installieren. In dem Bad Sodener Stadtteil gebe es eine beachtliche Population, die es zu stärken gelte, sagt Klemens Fischer. Seit Jahren sei Neuenhain ein Anziehungspunkt für Mehlschwalben. Warum sie sich ausgerechnet dort gerne ansiedeln, ist dem Nabu unbekannt. "Wir wissen es nicht", räumt Fischer ein und warnt davor, Kunstnester willkürlich, planlos und in ungeeigneter Bauweise zu montieren. Fischer betont nachdrücklich: "Leider klappt es nicht bei allen Häusern. Nur dort, wo schon Mehlschwalben sind, führt dies bei den Kolonienbrütern zum Erfolg." Dies gelinge seit einigen Jahr sehr gut in Neuenhain, vor allem rund um den Dalles. Fischer: "90 Prozent der Kunstnester werden angenommen." Der Sodener Nabu versuchte sein Glück auch schon andernorts in der Stadt, etwa im Quellenpark. Doch die Mehlschwalben nutzten die Nisthilfen auf diesem Gelände nicht. "Wir haben da Lehrgeld bezahlt", gesteht Fischer.

Neulich wollten die Hobbyornithologen acht Kunstnester in Neuenhain anbringen, sagten die Aktion aber mit Blick auf die Corona-Krise ab. "Aber dann nahte unverhoffte Hilfe", freut sich Nabu-Sprecher Klemens Fischer. "Die jungen Leute als Hausbesitzer griffen zur Eigenhilfe. Mittels Leiter wurden die Hilfen unter den Dachsparren befestigt. Jetzt können die Afrika-Rückkehrer ihre Fertig-Wohnungen im April oder Mai beziehen." Die ersten Mehlschwalben seien hierzulande vor gut 14 Tagen eingewandert. In Neuenhain hat der Nabu noch keine Rückkehrer aus dem Süden beobachtet. Sie kommen noch - hoffentlich. andreas schick

Kontakt

Wer Fragen hat, kann sich an Klemens Fischer wenden: Telefon (0 61 96) 2 28 20. E-Mail: klemensfischer@gmx.net

"Die Mehlschwalbe zählt zu den bekanntesten Vogelarten in Städten und Dörfern." Das stellt der Naturschutzbund (Nabu) fest und blickt weit zurück: "Schon bei ihrer Wahl zum Vogel des Jahres 1974 wurde ihre Schutzbedürftigkeit erkannt. Dennoch konnte der insgesamt negative Trend im Bestand bisher nicht aufgehalten werden." Die Nabu-Experten wissen gut Bescheid über diese nach wie vor gängige Vogelart, die aber immer stärker bedrängt ist: "Ursprünglich baute die Mehlschwalbe ihre kunstvollen Lehmnester an Felswänden oder Küstenklippen, heute noch auf Rügen. Doch seit langem hat sie sich dem Menschen angeschlossen und nutzt rau verputzte Häuserwände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Nestbau. Hier brütet sie oft in großen Kolonien." Der negative Trend sei in den meisten Regionen auf Verluste an Brutmöglichkeiten, ein verringertes Angebot an Insektennahrung und die immer noch anzutreffende mutwillige Zerstörung von Nestern zurückzuführen". Wie stark sich Jagd und Pestizide auswirken, ist nicht ausreichend ergründet. 

hk

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