Alina Flemming-Diekmeyer und Andreas Krogmann verbindet eine ganz besondere Geschichte. Nach zwei Jahren haben sich kennengelernt.
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Alina Flemming-Diekmeyer und Andreas Krogmann verbindet eine ganz besondere Geschichte. Nach zwei Jahren haben sich kennengelernt.

Knochenmarkspende

Neuenhainer lernt die Empfängerin seines Knochenmarks kennen

  • vonJuliane Schneider
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Andreas Krogmann und Alina Flemming-Diekmeyer verbindet etwas ganz Besonderes. Ihr erstes Treffen war emotional

Neuenhain - "Ein Held unter uns". Dass er unter diesem Titel einmal in der hauseigenen Firmenzeitung porträtiert werden würde, hätte Andreas Krogmann wohl nicht gedacht, und irgendwie ist es ihm auch ein bisschen peinlich. Denn eigentlich hat er getan, was seiner Meinung nach jeder tun sollte: sich typisieren lassen. Dass er damit tatsächlich ein Leben retten könnte, hatte er vor 20 Jahren allerdings nicht geahnt. Damals hatte er sich mit seiner Frau von seinem Schwalbacher Hausarzt typisieren lassen.

"Die Chance, als Spender in Frage zu kommen, ist gering", sagt der 56-jährige Prozessmanager aus Neuenhain. Die Eheleute Krogmann aber konnten sogar doppelt helfen. Sie bereits kurz nach der Typisierung, 2017 flattert auch ein Schreiben für ihn in den Briefkasten, Post von der DKMS, der zentralen Deutschen Knochenspenderdatei in Köln. Ob er noch bereit sei zu spenden, so die Frage. "Ich habe sofort ja gesagt, ich wusste ja, was auf mich zukommt", so Krogmann.

Eine Blutabnahme beim Hausarzt bestätigte die Eignung, dazu habe er viele Fragebögen rund um seinen Gesundheitszustand ausgefüllt. Danach habe er ein paar Monate lang nichts mehr gehört. Bis zum Oktober. "Da ging alles hopplahopp." Drei Tage lang nahm er ein Mittel zur Anregung der Stammzellen ein, was - wie angekündigt - Symptome einer Grippe hervorvorgerufen habe, am 29. November folgt in Frankfurt was sich "periphere Stammzellenentnahme" nennt und bei 80 Prozent der Spender auf diese Weise verläuft. Nur bei 20 Prozent muss unter Vollnarkose Knochenmark entnommen werden. "An einem Arm wurde Blut abgezapft, am anderen wieder reingeleitet, nichts Dramatisches", erinnert sich Krogmann, "ich sehe solche Dinge relativ sachlich."

Zwei Jahre lang anonyme Briefe

Umso mehr überraschte den Familienvater, wie sehr ihn die Sache emotional berührte. Zwei Jahre lang durfte er mit der Empfängerin nur anonym Kontakt pflegen. Briefe gingen hin und her.

"Großer Bruder" nennt die heute 29-Jährige ihren Lebensretter. Mit neun Jahren war Granulomatose bei ihr diagnostiziert worden, eine seltene Krankheit, die unbehandelt zum früheren Tod führen kann. Bakterien und Pilze können von den weißen Blutkörperchen nicht abgewehrt werden. "Ich kann froh sein, dass die Krankheit überhaupt entdeckt wurde."

Auch wenn sie die Symptome gut im Griff hatte, entschied die Physiotherapeutin aus Minden mit Blick auf die Zukunft, einen Spender zu suchen. Einen Tag nach Krogmanns Spende wurden ihr die Stammzellen in der Uniklinik München übertragen, neun Tage vorher hatte sie sich einer Art Chemotherapie unterziehen müssen.

"Ich hätte auch kurzfristig noch abspringen können", erzählt der Spender. Aber das könne für den Empfänger in diesem Zustand lebensgefährlich sein. Für ihn wäre das ohnehin nicht in Frage gekommen.

Das Kennenlernen nach zwei Jahren - zuvor müssen beide einwilligen - gestaltete sich recht spektakulär. Alina Flemming-Diekmeyer hatte inzwischen als Botschafterin für die DKMS eine Einladung ins SWR Nachtcafé erhalten. Dahin hatte wurde auch der Spender eingeladen. In einem Restaurant in Baden Baden trafen sie sich zum ersten Mal. "Es war direkt eine Nähe da", erinnert sich der 56-Jährige. Er habe ja selbst drei erwachsene Kinder. "Sie war wie eine Tochter für mich." Man könne das gar nicht erklären. Ob es das Gefühl ist, ein Leben gerettet zu haben oder die Tatsache, dass sein Blut nun fast identisch in einem anderen fließe. "Sie hat ja mit meiner Spende auch meine Blutgruppe bekommen."

Registrieren nun per Post

Mit seiner Geschichte möchte er anderen Mut machen, sich typisieren zu lassen. "Mit einem kleinen Abstrich ist das heutzutage ja getan." Auch Empfängerin Alina Flemming-Diekmeyer würde gerne spenden. Aber das darf sie nicht. Ihrem Spender ist sie unendlich dankbar. "Er hat mir ein längeres Leben geschenkt." Von der DKMS fühlt sie sich sehr gut betreut. "Heute noch fragen sie nach, wie es mir geht." In Coronazeiten ist sie vorsichtig, da sie noch Medikamente einnimmt.

Auch die DKMS hat sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt, erklärt eine Pressesprecherin. Anfang März habe man bereits auf virtuelle Patienten, Firmen- und Schulaktionen sowie Online-Registrierung umgestellt. Potenzielle Spender bekommen nun die Unterlagen und auch das Material für einen Wangenabstrich zugeschickt. Leider hapere es noch mit der Rücksendung. Die Quote liege bei 60 Prozent.

So seien die Registrierungen um die Hälfte eingebrochen. Man sei aber guter Hoffnung, dass noch einige Registrierungssets zurückgeschickt würden und hoffe, dass sich viele für die Online-Registrierung gewinnen lassen, was unter www.dkms.de möglich ist. In Hessen gebe es aktuell zwei Online-Patientenaktionen: für Nalin (23) aus Frankfurt und Familienvater Evliya (43) aus Wächterstadt. juliane schneider

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