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Entspanntes Duo: Bestseller-Autorin Nele Neuhaus mit ihrem Hund Aki, der auch einen gewissen Anteil an der Entstehung ihres neuen Taunuskrimis "Muttertag" hat.

Bestsellerautorin

Neuer Taunuskrimi: Fall Manfred Seel hat Nele Neuhaus inspiriert

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"Muttertag" heißt der neue Roman von Nele Neuhaus. Inspirieren ließ sich die Bestsellerautorin vom aufsehenerregenden Fall des Schwalbacher Serienmörders.

173 444 Wörter, 560 Seiten. Nüchterne Zahlen. Anfang September hat Nele Neuhaus das auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Danach hat sie ihren Laptop ausgeschaltet, sich eine Pizza gegönnt. „Ausnahmsweise“ fügt sie lächelnd an, während sie an ihrem Cappuccino nippt, den sie uns gerade frisch in ihrer Küche zubereitet hat. Es ist der letzte Pressetermin, den sie vor Erscheinen ihres neuen Buchs am kommenden Montag absolviert. Einer der ganz wenigen, die sie zu Hause macht. Entspannt sitzt sie an dem großen Tisch in ihrer schicken und doch gemütlichen Wohnküche. Aki, ihr 18 Monate alter Australian-Cattle-Dog-Rüde, liegt zu ihren Füßen und geht das Fotoshooting mit der gleichen Professionalität an wie sein Frauchen.

Sie sieht blendend aus. Dass die Gesundheit ihr Leben in den vergangenen zwei Jahren beeinträchtigt hat, mag man kaum glauben. Es ist der Grund dafür, weshalb ihre Fans nun länger auf den neuen Taunuskrimi warten mussten. „Schlimme Schäden an der Wirbelsäule, Arthrose, unerträgliche Rückenschmerzen und viele, starke Medikamente haben mir unglaublich zugesetzt. Ich stand kurz vor einer OP. An Arbeiten war nicht zu denken“, schildert Nele Neuhaus. Bei einem Experten fand sie schließlich Hilfe, die Schmerzen wurden allmählich erträglicher. „Ich habe auch gelernt, auf mich Acht zu geben, auch mal Nein zu sagen. Außerdem habe ich meine Ernährung umgestellt, esse jetzt viel bewusster.“

Anspruch an ihre Arbeit

Schwerer fällt es ihr, gelassener mit den Ansprüchen umzugehen, die sie an ihre Arbeit stellt – „ich will immer, dass es noch besser wird“, gesteht sie. Der Grund, weshalb sie absolut fit sein wollte, bevor sie mit dem Schreiben von „Muttertag“ begann. „Ich habe riesiges Glück mit dem Ullstein-Verlag – es gab keinerlei Druck. Den habe ich mir dann selber gemacht“, erzählt sie.

Im März begann sie mit dem Schreiben. Monate zuvor hatte sie mit den Recherchen für den neuen Roman begonnen. Die Idee stand schon, als sie im September 2016 die Arbeiten zum Vorgängerroman „Im Wald“ beendet hatte. Inspiriert wurde sie vom Fall Manfred Seel, jenes Serienmörders aus Schwalbach. „Nicht seine Taten waren für mich interessant, sondern die Tatsache, dass dieser Mann hinter einer bürgerlichen Fassade über Jahrzehnte ein Doppelleben geführt hat – einerseits unzählige Frauen bestialisch ermordet hat und zugleich zumindest nach außen ein normales Familienleben geführt hat. Wie kann ein Mensch so etwas schaffen? Wie ist es möglich, dass seine Familie nichts bemerkte? Dies ist mein Ansatz“, beschreibt sie den Entstehungsprozess ihres neuen Krimis, in dem wieder Pia Sander und Oliver von Bodenstein ermitteln. Hilfe bekommt das Duo diesmal von einem US-Experten, der sich mit „Profiling“ beschäftigt und dezidierte Täter-Psychogramme erstellt. Unzählige Bücher nicht nur zu diesem Thema hat Nele Neuhaus gelesen, im Internet hat sie recherchiert ebenso wie im Institut für Rechtsmedizin der Goethe Universität in Frankfurt und natürlich bei der Kripo.

„Der Plot selber entwickelt sich dann beim Schreiben“, schildert die Bestseller-Autorin. „Allerdings kam ich mittendrin nicht weiter und musste einen Stopp einlegen. Irgendwann hat es dann ,geklickt’. Ich musste mich sputen, um den Abgabetermin einhalten zu können und habe bis September hindurch geschrieben. Vom Traumsommer habe ich deshalb gar nicht soviel mitbekommen“, erzählt sie.

Fraport-Chef ist Fan

Immer zur Seite: Hund Aki, „der zwischendurch auch mal dafür sorgt, dass ich rauskomme“. Die Spaziergänge inspirieren sie auch, was die Wahl der Orte angeht: Oft führen sie nach Mammolshain, das neben Bad Soden, Hofheim, Eschborn und Frankfurt einer der Schauplätze des neuen Krimis ist. Der Showdown des hochspannenden Romans spielt schließlich in der Unterwelt des Frankfurter Flughafens. „Das hatte ich mir schon lange vorgenommen.“ Fraport-Vorstandschef Stephan Schulte, selber begeisterter Leser ihrer Taunuskrimis, war angetan und „hat mir eine Führung in den ,Katakomben’ des Airports ermöglicht. Unvorstellbar, dass sich darunter eine riesige Stadt befindet“, sagt die Autorin, die bereits an einem neuen Buch ihrer Jugendbuchreihe „Elena“ schreibt und sich freut, dass der Vorgänger-Krimi „Im Wald“ fürs ZDF verfilmt wird. „Diesmal aber von einer anderen Produktionsfirma“, ergänzt Nele Neuhaus, die nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sie mit den bisherigen Verfilmungen ihrer Romane nicht so richtig glücklich war. Sendetermin ist voraussichtlich Frühjahr kommenden Jahres.

Erst mal steht die Premierenlesung am 26. November in der Hofheimer Stadthalle an, die allerdings bereits ausverkauft ist. Wer nicht dabei sein kann, hat trotzdem Gelegenheit, Nele Neuhaus zu erleben: Am 27. November, um 19 Uhr wird die Autorin in Radio FFH live aus „Muttertag“ lesen. Auf ausgedehnte Lesereisen wie in den Jahren zuvor verzichtet Nele Neuhaus inzwischen. „Sie müssen sich vorstellen, es ist wie Tourneetheater. Das ist mir gesundheitlich einfach zu anstrengend.“

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