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Dunkle Wolken sind über der Kirche längst aufgezogen. Auch in der Region bemühen sich die Verantwortlichen, etwas mehr Licht ins künftige Handeln zu bringen.

Schutzkonzept

Pfarrer Alexander Brückmann spricht als verantwortliche Fachkraft über ein brisantes Thema

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Im Frühjahr soll für den Pastoralen Raum Bad Soden, Schwalbach, Eschborn und Sulzbach ein Schutzkonzept beschlossen werden, mit dem Fälle von sexuellem Missbrauch verhindert werden sollen. Mit dem Konzept allein ist es aber noch nicht getan, sagt Pfarrer Alexander Brückmann.

Die Missbrauchsstudie, die im September von der katholischen Kirche in Deutschland vorgestellt worden war, hat das Thema erneut stark in den Blick gerückt. Der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing hat gerade noch einmal bei einem Treffen mit Seelsorgern klar gemacht, dass es ein „Weiter so“ nicht geben dürfe und im Bistum Limburg auch nicht geben werde. Neben der Aufarbeitung des Geschehenen soll es auch darum gehen, was sich innerkirchlich ändern muss.

Neu ist das Thema der sexualisierten Gewalt an Schutzbefohlenen auch in den Kirchengemeinden schon lange nicht mehr. Und es hat längst zu Konsequenzen geführt. Geschulte Fachkraft für dieses Thema und der Zuständige für Prävention sei er selbst in seinen Pfarreien, sagt Pfarrer Alexander Brückmann. Auch auf seiner früheren Pfarrstelle in Nied habe er diese Aufgabe schon erfüllt und an entsprechenden Schulungen teilgenommen.

Verschärfte Auflagen

Im Main-Taunus-Kreis seien früh Auflagen in verschärfter Form für alle gemacht worden, die mit Schutzbefohlenen zu tun haben. Sie müssten ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, sagt Brückmann. Da habe der Kreis eine Vorreiterrolle gehabt. Auch in seinen Pfarreien gilt diese Pflicht – und das nicht nur für das hauptamtliche Personal, sondern grundsätzlich für alle, die mit Kindern und Jugendlichen sowie erwachsenen Schutzbefohlenen (Behinderte etwa) in engen Kontakt kommen.

Die Kirche verlangt zudem eine Selbstverpflichtungserklärung. Im Bistum Limburg beginnt die Version für die Jugendarbeit mit dem Satz: „ Ich verpflichte mich, alles in meinen Kräften stehende zu tun, dass niemand den mir als Verantwortlichen in der Jugendarbeit anvertrauten Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern seelische, körperliche oder sexualisierte Gewalt antut.“

Kultur der Achtsamkeit

Darüber hinaus sind die Pfarreien jetzt auch noch aufgefordert, ein „Individualisiertes Schutzkonzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt“ zu erstellen. Wie das gehen kann, dazu hat das Bistum eine 60-seitige Arbeitshilfe herausgegeben. Außerdem sei für den Main-Taunus eine Informationsveranstaltung im Hofheimer Vincenzhaus angeboten worden, berichtet Brückmann. Ziel der Konzepte: Sie sollen eine „

Kultur der Achtsamkeit

fördern“. Instrumente wie ein Verhaltenskodex oder ein Beschwerdemanagement sollten Teil der Konzepte sein.

„Unser Pastoralausschuss wird das Schutzkonzept im Frühjahr für uns als Pastoralen Raum beschließen“, kann Alexander Brückmann für die Pfarreien in Bad Soden/Sulzbach, Schwalbach und Eschborn sagen. Er macht aber gleich noch deutlich: „Dann haben wir ein Papier“, was sicher auch gut so sei, es sei aber eben nicht alles. „Es kommt auf die Haltung an, auf den achtsamen Umgang mit Schutzbefohlenen. Das muss in die Köpfe hinein.“ Auch die katholischen Kindertagesstätten hätten den Auftrag zur Erarbeitung eines solchen Schutzkonzeptes.

Dasselbe wie für eine Pfarrei sei das nicht einfach, macht Brückmann deutlich, die Kitas müssten es für ihre Bedürfnisse formulieren, die Pfarreien wiesen ihrerseits auf diese Konzepte hin.

Viel Verständnis

Dass mittlerweile auch Ehrenamtliche wie Kommunion- oder Firmkatecheten, Jugendgruppen-Leiter oder Begleiter bei Freizeiten ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssten, stoße bei diesen auf „großes Verständnis“, ist Brückmanns Erfahrung. Die Kosten erhielten sie selbstverständlich von der Pfarrei erstattet.

Verbände wie die Pfadfinder oder Institutionen wie die Katholische Familienbildung, die zum Teil die Räume der Pfarreien nutzen, seien eigenständig und selbst gehalten, sich um die Einhaltung der Präventionsmaßnahmen zu kümmern.

Auch alle Priester müssen übrigens ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und dies, wie alle anderen, in regelmäßigen Abständen wiederholen. Dass es in der Kirche auch künftig Vertrauen brauchen wird, „dass nichts passiert“, etwa wenn ein Kind oder ein Jugendlicher mit einem Pfarrer für ein Beichtgespräch in einem Raum allein ist, das ist für Pfarrer Brückmann aber klar. Auch für die Prävention gelte: „Alles mit Maß und Ziel, bitte!“

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