Harald Horn (von links), Florian Sonntag und Walter Scheinert am Unglücksort in Altenhain, an dem der Rosinenbomber im Dezember 1948 notlanden musste.
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Harald Horn (von links), Florian Sonntag und Walter Scheinert am Unglücksort in Altenhain, an dem der Rosinenbomber im Dezember 1948 notlanden musste.

Unglück bei Bad Soden

"Der Pilot hat eine Katastrophe verhindert"

  • vonNayoung Lee-Quell
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Im Jahr 1948 musste ein Rosinenbomber auf einem Acker bei Bad Soden notlanden

Altenhain -Es ist ein bitterkalter Sonntag im Dezember 1948, als ein amerikanischer Pilot eines Rosinenbombers im wahrsten Sinne des Wortes eine Katastrophe verhindert: Die viermotorige Douglas R 5 D befindet sich auf dem Rückflug von Berlin nach Wiesbaden-Erbenheim und überfliegt in niedrigster Höhe Altenhain, als er wohl Probleme mit dem Motor bekommt. Augenzeugen berichten später, sie hätten einen brennenden Motor gesehen. Nach Aussagen des Co-Piloten muss der Pilot beleuchtete Häuser gesehen haben. Um ein Aufschlagen in bewohntem Gebiet zu vermeiden, zieht der Pilot die Maschine nochmals hoch - mit trotzdem fatalen Folgen.

Direkt vor der alten Landstraße von Königstein nach Kelkheim, die damals ebenerdig verlief, etwa 100 Meter nördlich der vielen Pappeln, die damals dort standen, bekommt das Flugzeug an der höchsten Stelle im Gelände Bodenberührung. "Der Pilot hatte offensichtlich in Vorbereitung einer Notlandung das Fahrwerk ausgefahren. Das Bugrad hatte sich im Ackerboden verfangen, das Federbein war nach hinten weg geknickt und das Cockpit darüber mit Armaturenbrett, den beiden Steuersäulen und auch der Pilotensitz lagen nach unten gedreht vor der brennenden Maschine", berichtete der Augenzeuge Viktor Gottschalk, der mittlerweile verstorben ist.

"Es hat wohl Probleme mit dem Motor gegeben, denn er brannte", erklärt Walter Scheinert, Mitglied im Geschichtsverein Neuenhain. Und Harald Horn, Vorsitzender des Altenhainer Geschichtsvereins, ergänzt: "Es wurde von einem Feuerball über dem Himmel von Altenhain berichtet." Alle, die es gesehen hätten, seien hingerannt, bestätigt der damalige Augenzeuge Florian Sonntag und zeigt auf den Acker.

Sehr kurze Rutschspur

Damals hatte Altenhain 600 Einwohner. Auf dem dortigen Acker wuchs hauptsächlich Korn und mitten darauf lag nun ein Rosinenbomber auf dem Bauch. "Die Nase war nach unten geknickt. Der Kopf stand Richtung Schneidhain", berichtet Sonntag. Das sei schon ein Anblick gewesen. Anneliese und Erich Sturm waren ebenfalls an der Unglückstelle. Anneliese Sturm war es auch, die einer zitternden und frierenden Frau, die im Flugzeug war, ihre Strickjacke gab. Sie soll "Day" geheißen haben.

Walter Scheinert hat seinerzeit mit Viktor Gottschalk gesprochen. "Das Fahrwerk sei am Straßengraben abgerissen worden, erzählte er mir. Es wäre nur eine sehr kurze Rutschspur der Maschine gewesen, das spreche auch dafür, dass die Maschine noch über den Ort gezogen wurde."

Verletzungen waren tödlich

Die Brände seien dann zum Erlöschen gekommen, als der Rosinenbomber auf dem Boden lag, was vermuten ließe, dass nicht mehr viel Sprit in der Maschine gewesen wäre. "Die Ortschaft Altenhain hat es dem Piloten zu verdanken, dass eine Katastrophe verhindert wurde", so Scheinert.

Altenhainer Feuerwehrmänner sind damals, am 8. Dezember 1948, schnell am Unglücksort und befreien den Piloten, der unter dem Bugrad eingeklemmt ist, aus seiner misslichen Lage. Doch seine Verletzungen sind tödlich. Harry R. Crites Jr. stirbt. "Wir konnten ihm leider nicht mehr helfen. Der Co-Pilot lag schwer verletzt einige Meter vor dem Flugzeug", wird Gottschalk später berichten. Der Laderaum des Flugzeugs war mit Kohlenstaub bedeckt. Kohle sei neben Lebensmitteln ebenso wichtig zum Überleben im eingeschlossenen Berlin in den kalten Wintermonaten 1948/49 gewesen. "Wir haben natürlich versucht, alles zu beobachten. Aber die Amis waren schnell da und haben alles abgeriegelt. Vier Tage lang stand der Flieger auf dem Acker. Danach war alles weg", berichtet der 92-jährige Sonntag.

Im April 2010 hatte es eine Gemarkungswanderung zum Unglücksort gegeben. Mit dabei war damals der Pilot Wolfgang Hofmann aus Mörfelden-Walldorf. "Er hat die Notlandung bestätigt", berichtet Harald Horn. Er sagte damals: "Das war eine Notlandung, einen Absturz hätte niemand überlebt, das würde man auch heute noch im Gelände sehen."

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