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Sie schlichtet zwischen Streithähnen

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Von: Manfred Becht

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Leni Johann hat für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Entwicklungshilfe gearbeitet.
Leni Johann hat für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Entwicklungshilfe gearbeitet. © Maik Reuß

Leni Johann wird die neue Schiedsfrau für Neuenhain und Altenhain. Mit Arbeitsüberlastung rechnet sie nicht unbedingt.

Leni Johann hat für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Entwicklungshilfe gearbeitet, mit dem zuständigen Ministerium in Bonn, den GIZ-Büros in der ganzen Welt und mit den unterschiedlichsten Projektpartnern vor Ort. Da sollte man Verhandlungen führen können, unter Berücksichtigung der unterschiedlichsten Mentalitäten und Interessenlagen. Dabei ging es für die gebürtige Rheinländerin oft darum, eine vernünftige Zusammenarbeit aller Beteiligten zu erreichen.

Allein dies deutet auf Qualifikationen hin, die wichtig sind, wenn man die Aufgabe der Schiedsfrau übernimmt. Denn auch dort geht es darum, eine Einigung zwischen den Konfliktparteien herbei zu führen. „Ich fälle da keine Urteile“, betont Johann. Wird in einem Streit keine Einigung erreicht, geht es vor Gericht, und dort fällt dann auch ein Urteil. Das ist aufwendig und teuer für alle Beteiligten, und deshalb ist es Aufgabe der Schiedsfrauen und Schiedsmänner, solche Gerichtsverfahren zu vermeiden.

Leni Johann ist unlängst in den Ruhestand gewechselt und begab sich auf die Suche nach neuen Tätigkeitsfeldern. Gerne kümmert sie sich um den Garten, liest viel, trifft Freunde, aber es sollte schon noch etwas hinzu kommen. Da kam die Anzeige der Stadt, für Altenhain und Neuenhain werde eine neue Schiedsperson gesucht, gerade recht.

Leni Johann bewarb sich, stellte sich im Magistrat und im Haupt. und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung vor und wurde genommen. Jetzt steht noch die offizielle Vereidigung durch das Amtsgericht bevor. Wobei sie sich über die bevorstehenden Aufgaben schon fleißig informiert hat und sich auch richtig auf den Einführungslehrgang freut. Gebrauchen können wird sie sicher auch das Verhandlungsgeschick, das sie in mehreren Jahren im Betriebsrat der GIZ erworben hat.

Zu tun bekommen wird sie es vor allem mit den Kleinigkeiten, die harmlosen Mitbürgern das Leben zur Hölle machen können – der Streit mit dem Nachbarn über das Grillen auf dem Balkon, die Beleidigung und die Ohrfeige im Verlauf einer hitzigen Kneipendiskussion. Mit viel mehr als einer Handvoll Fälle jährlich braucht sie nicht zu rechnen – in Soden geht es friedlich zu. Dabei muss, wer mit einer solchen Streitigkeit vor Gericht gehen will, nachweisen, dass ein Einigungsversuch vor der Schiedsperson gescheitert ist. Johann weiß, dass sie es mit Fällen zu tun bekommen wird, in denen mindestens einer der Streithähne unbedingt vor Gericht will. Sie sieht das als Herausforderung – und legt sich nicht darauf fest, welche Einigungsquote sie als Erfolg betrachten würde.

(bt)

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