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Nicht nur lernen, auch spielen im Park gehört für die Kinder beim Sunshine-Projekt dazu.

Soziales Engagement

Sunshine-Projekt in Neu-Delhi: In die Schule gehen und glücklich sein

Dass Kinder aus armen Familien in Neu-Delhi zur Schule gehen können, darum kümmert sich das Sunshine-Projekt. Koordiniert wird es von der Bad Sodenerin Julia Hillebrecht, die nun weitere Paten sucht.

Julia Hillebrecht brauchte neue Vorhänge. Sie war gerade mit ihrer Familie nach Neu-Delhi gezogen, weil ihr Mann dort beruflich zu tun hatte. Bei dem Schneider Kuku Arora gab sie die Vorhänge in Auftrag und plauderte mit ihm über Familie und Kinder. Zwei eigene Kinder habe er, sagte Arora. Und 98 Kinder, die er sozusagen adoptiert habe. Julia Hillebrecht konnte das zunächst nicht glauben. Bis sie das Haus besuchte, in dem Arora die Kinder tagsüber unterbrachte.

Kurz vor der Schließung

Das war vor ungefähr zehn Jahren, sagt Hillebrecht. Zu dieser Zeit habe das Projekt, dass der Schneider Arora mit seiner Frau auf die Beine gestellt habe, kurz vor der Schließung gestanden, weil das Ehepaar es nicht mehr finanzieren konnte. Hillebrecht sagt, da habe sie sich im Freundeskreis umgehört und spontan rund 5000 Euro zusammenbekommen. „Ich hatte schon immer ein großes Netzwerk“, erklärt sie. Auch die Help Alliance, eine Hilfsorganisation der Lufthansa, konnte die ehemalige Flugbegleiterin ins Boot holen.

Julia Hillebrecht

Hillebrecht merkte mit der Zeit, dass das Sunshine-Projekt regelmäßige Spenden braucht. So kam sie auf die Idee, Paten für die Kinder zu suchen. Die ersten Sponsoren fand sie wieder in ihrem großen Freundeskreis. So konnte sie das Angebot des Projekts zunächst sichern. Die Kinder, die mit ihren Familien im benachbarten Elendsviertel wohnen, verbringen den ganzen Tag in dem Haus, das Arora für das Projekt angemietet hat. Dort hat er Duschen und Toiletten einbauen lassen. „Damit vor allem die Mädchen auch mal eine Tür hinter sich abschließen können“, wie Hillebrecht sagt. Wenn die Kinder morgens in das Haus kommen, bekommen sie etwas zu Essen, gehen zur Schule, machen mit Hilfe von Betreuern ihre Hausaufgaben – oder spielen oft auch einfach nur.

Theoretisch gibt es in Indien zwar seit einigen Jahren die Schulpflicht. Das heißt aber nicht, dass alle Kinder zur Schule gehen. Hillebrecht sagt, dass die Kinder nur in einer Schule angemeldet werden könnten, wenn sie mit einer Adresse gemeldet seien. Die Kinder im Slum hätten das nicht. Ihre Eltern könnten sich auch keine Schuluniform, Bücher und Schreibzeug leisten. Das übernehme das Sunshine-Projekt für sie. Außerdem gehe Arora mit jedem einmal im Jahr zum Zahnarzt. „Und einmal im Jahr feiern wir eine große Geburtstagsparty mit allen zusammen“, sagt Hillebrecht. Es gehe auch darum, dass sie eine glückliche Kindheit haben. „Die meisten Kinder wissen nämlich gar nicht, wann sie Geburtstag haben.“

Konflikte mit Eltern

Mit den Eltern habe es gerade am Anfang durchaus Konflikte gegeben. Oft seien die einzigen Einnahmen der Familien das Geld, dass sie erbetteln. Betteln gehen konnten die Kinder nicht, wenn sie in der Schule waren. „Am Anfang haben wir den Eltern noch Geld gegeben“, sagt Hillebrecht. Inzwischen machten sie das nicht mehr, hätten aber regen Kontakt zu den Familien. Das Projekt nehme vor allem auch die Geschwister auf und unterstütze mittlerweile die Mütter, die zum Beispiel Stickarbeiten herstellten und verkauften. Arora habe ihnen eigene Konten eingerichtet, damit die Männer nicht an das Geld herankommen, um es für Alkohol auszugeben. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Mütter“, sagt Hillebrecht. „Es ist wichtig, dass sie ein Vorbild für ihre Kinder sind.“

Viele Familien in Indien können sich die Schulbücher nicht leisten. Dieses Mädchen hat welche bekommen.

Viele der Kinder, die von Anfang an dabei waren, sind inzwischen fertig mit der Schule. Sie studieren oder haben einen Job, erzählt Hillebrecht. Einer sei Assistent eines Universitätsdozenten, ein anderer habe Modedesign studiert und zeige nun seine erste Ausstellung, andere wiederum reparierten Handys oder arbeiten in Geschäften.

15 Euro kostet eine Patenschaft pro Monat. Das reicht inzwischen nicht mehr aus, sagt Julia Hillebrecht. Deshalb sind die Kinder doppelt verpatet. Am liebsten wäre es Hillebrecht, sie könnten jedes Kind dreifach verpaten, deshalb sucht sie weitere Sponsoren. Sie selbst hat auch die Patenschaft für ein Mädchen übernommen.

Einmal im Jahr besucht sie in Indien ihre Schützlinge, für die sie sich gerne einsetzt. „Es trägt zum eigenen Lebensglück bei“, sagt sie.

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