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Seine Brüder planten, er verzierte Gebäude

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Von: Brigitte Kramer

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Hans Wagner 1956 bei der Arbeit am Mosaik Medaillon in der Kirche von St. Katharina.
Hans Wagner 1956 bei der Arbeit am Mosaik Medaillon in der Kirche von St. Katharina. © privat

Seine Nichte hat 170 Werke des Künstlers Hans Wagner zusammengetragen. Sie sind vom 27. Mai an zu sehen.

Bad Soden -Das Terrakotta-Gold-band Relief "Vier Jahreszeiten" im Foyer des Thermalhochhauses (1972) Kronberger Straße 5, die beiden Flachreliefs "Nereide mit Äskulap-Stab und Sodener Wappen" sowie "Nereide mit Heilwasserschale" im Badehaus im Alten Kurpark (1954) und das Mosaik-Medaillon am Hauptaltar der katholischen Kirche St. Katharina (1956) am Neuen Kurpark sind einige der Kunstwerke, die Johann (Hans) Andreas Wagner in Bad Soden geschaffen hat. Seine Nichte Helga Wagner hat gut zehn Jahre lang recherchiert, hat sich auf seine Spuren begeben, seinen Lebensweg und sein künstlerisches Schaffen verfolgt.

Am Freitag, 27. Mai, lüftet sich das Geheimnis, wenn die Bad Sodener Architektin und Grafikerin die "Galerie KÖ61" eröffnen wird, die sich seit einigen Wochen hinter der verhangenen Fensterfront im "gestreiften Haus" verbirgt.

Der Bildhauer und Maler Hans Wagner, der 1905 in Alzey auf die Welt gekommen ist, hat der Nachwelt ein reiches Werk hinterlassen. So war es ein langgehegter Wunsch der 73-jährigen Nichte, die Galerie anlässlich seines 40. Todestages ausschließlich mit Exponaten ihres Onkels zu eröffnen. 170 Exponate, Bilder, Skulpturen und Fotos, umfasst die Ausstellung nun. Außerdem hat Helga Wagner einen umfassenden Werkkatalog erarbeitet.

Szene-Zeichnungen mit Feder und Tusche, die der Künstler zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn für Theaterzettel am Thalia Theater und Hamburger Schauspielhaus entworfen hat. Der "Harlekin mit Laute" in Öl auf Leinwand oder in Begleitung einer Ballerina als Skulptur. Die tanzende Bäuerin in fröhlichen Aquarellfarben oder die ernst blickende Holländerin in "Der zerbrochene Krug", für die Wagner am Thalia Theater Kostüme entwarf, beinhalten Themen, die sich durch sein gesamtes Werk ziehen.

Und, wie Helga Wagner hinzufügt, ihn immer wieder zu dem "Gegensatzpaar" inspiriert habe: "Etwas zu schaffen, was Freude macht und gleichzeitig zum Nachdenken anregt". Da ist die Bleistiftzeichnung, die eine Holländerin mit Kind auf dem Schoß zeigt und innige Wärme ausstrahlt. Wagner hat das Bild seiner Ehefrau Inge 1970 zum Muttertag geschenkt. Und in jedem Jahr, weiß Helga Wagner, die ihrem Onkel seit ihrer Kindheit eng verbunden war, habe er seiner Frau Skizzen zum Muttertag gewidmet. Schon als Einjährige habe seine Tochter Andrea auf dem Topf dafür Modell gesessen.

Durch ganz Deutschland sei sie gereist, berichtet die Kuratorin, um Arbeiten ihres Onkels ausfindig zu machen. Nicht alles habe sie finden können. Doch der Prozess, ist sich Helga Wagner sicher, sei noch nicht abgeschlossen. Sie hofft auf Rückmeldungen von Leuten, die sich an Hans Wagner erinnern oder Arbeiten von ihm besitzen, die sie gern in das Werkverzeichnis aufnehmen möchte.

Für die Ausstellung hat die Tochter von Ferdinand Wagner das Gesamtwerk ihres Onkels in Themen gegliedert, die sich klar voneinander abgrenzen und den Blick auf eine spannende künstlerische Entwicklung erlauben.

Gewaltig und beeindruckend sind seine Skulpturen, wie etwa die Klinkerplastiken der beiden Löwen am Portal des Rüstringer Rathauses oder der Bär am ehemaligen Haupteingang des Berliner Zoos (1920). Zu seinen Kunstwerken an öffentlichen Gebäuden zählt auch das gewaltige Muschelkalk-Sandsteinrelief "Hochseefischer ziehen das Netz ein" am Busse-Denkmal in Bremerhaven/Wesermünde (1936). Aufträge wie diese entwickelten sich aus der Freundschaft mit dem Hamburger Architekten Fritz Höger, dessen künstlerischer Berater Hans Wagner gewesen war.

Nach dem Krieg schuf Hans Wagner beim Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt (1952 bis 1955) an den Fassaden Mosaike, Fresken und zahlreiche Sgraffitos, wie etwa am Haus "Zum Storchen", die Geschichten erzählen. Aufträge wie diese haben sich aus der Zusammenarbeit mit seinen Brüdern Ferdinand und Adam entwickelt, berichtet Helga Wagner, die die Gebäude als Architekten geplant haben.

Zudem habe Hans Wagner immer der soziale Gedanken umgetrieben, "dass Stadtbilder im öffentlichen Raum der Bevölkerung gehören". So gehöre auch Hans Wagners Bronze-Plastik des dreieinhalb Meter großen Löwen, der seit 1974 den Löwenplatz in Rüsselsheim schmückt, in dieses Bild.

Als Ältester von vier Brüdern wurde Hans Wagner in eine Architektenfamilie geboren. Die Brüder Heinz (1906), Ferdinand (1909) und Adam (1917) entschieden sich für den Berufsweg des Architekten, während Hans nach einem Studium an der Städtischen Kunstgewerbeschule in Frankfurt, dem späteren Städel, als Bildhauer und Maler unterwegs war. Er studierte in den Meisterklassen für Großplastik bei Professor Friedrich Christoph Hausmann und der dekorativen Malerei bei Professor Johann Vinzenz Cissarz.

Dass sich die Familie Wagner nach mehreren Stationen im September 1949 in Bad Soden niederließ, hatte mit dem frühen Tod des Vaters Johann Lorenz Wagner im Jahr 1935 zu tun. Mutter Caroline erwarb ein großes Grundstück am oberen Eichendorffweg und ließ es 1945 für die Brüder aufteilen. Bis zu seinem Tod, der seiner unermesslichen Schaffenskraft nach schwerer Krebserkrankung 1982 ein frühes Ende setzte, lebte Hans Wagner mit seiner Familie auf dem "Wagner-Berg".

Die Ausstellung

Die Werke des Bildhauers und Malers Hans Wagner in der Galerie "KÖ61", Königsteiner Straße 61, ist von Freitag, 27. Mai bis Donnerstag, 30. Juni, zu sehen. Dazu gibt es einen kostenlosen Ausstellungskatalog. Geöffnet ist mittwochs, samstags und sonntags jeweils von 16 bis 19 Uhr.

Helga Wagner hat 170 Werke ihres Onkels Hans Wagner für eine Ausstellung zusammengetragen; auch den "Harlekin mit Laute".
Helga Wagner hat 170 Werke ihres Onkels Hans Wagner für eine Ausstellung zusammengetragen; auch den "Harlekin mit Laute". © Knapp
Das Relief "Vier Jahreszeiten", ebenfalls ein Werk des Künstlers Hans Wagner.
Das Relief "Vier Jahreszeiten", ebenfalls ein Werk des Künstlers Hans Wagner. © privat

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