Die Zwillinge im Jahr 1972. Links Elvira, rechts Ingrid.
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Die Zwillinge im Jahr 1972. Links Elvira, rechts Ingrid.

Jubiläum

Sie und ihre Schwester

  • VonBrigitte Kramer
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Die Zwillinge Elvira Bach und Ingrid Honneth feiern ihren 70. Geburtstag. Erstmals präsentieren die Künstlerinnen ihre Werke gemeinsam.

Bad Soden -Die Zwillinge Elvira Bach und Ingrid Honneth, geborene Bach, feiern heute ihren 70. Geburtstag. Im dörflichen Neuenhain umgeben von Blumenwiesen, Erdbeerfeldern und Obstbäumen sind die Mädchen 1951 auf die Welt gekommen. Sie haben später an der Glasfachschule Hadamar gemeinsam ihre erste künstlerische und handwerkliche Ausbildung absolviert.

Dann sind sie ins Berlin der 1970er Jahre ausgeschwärmt. Elvira, um bei Hann Trier an der Hochschule der Künste Malerei zu studieren. Ingrid, die zunächst Erfahrung als Ausstatterin am legendären Frankfurter Theater am Turm (TAT) sammelte, entschied sich für das Studium der Theaterwissenschaften an der Berliner FU.

Beide Künstlerinnen zählten in den 1980er zur Gruppe der "Neuen Wilden". Während sich Elvira mit ihrer expressiven Malerei über Deutschlands Grenzen hinaus einen Namen gemacht hat, ging Ingrid als eigenwillige Objekt- und Installationskünstlerin ihren Weg. Vor einigen Jahren ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt, hat sich in Neuenhain ein Atelier eingerichtet und mit ihrem Mann Andreas Honneth den Taunus-Art-Club (TAC) gegründet, der die Kultur in der Stadt Bad Soden mit allen ihren Facetten fördern möchte.

"Wir dürfen die Liebe nicht verlieren"

Trotz diverser Arbeitsaufenthalte in Santo Domingo, Senegal und Saint Lucia sowie ihrem Wohnsitz in Berlin, bleibt Elvira Bach ihrer Bad Sodener Heimat eng verbunden. Ein Rückzugsort ist ihr ehemaliges Elternhaus in Neuenhain. Als die Künstlerin im November 2019 in der Sodener Stadtgalerie einen Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens präsentierte, war das für sie nicht nur ein Heimspiel. Es war ein Triumph.

Ihre farbsprühenden, großformatigen Acrylbilder ließen die Besucher in einen Farbenrausch eintauchen. "I love you" war die Ausstellung überschrieben. Worte, die Elvira bewusst wählte. "Wir dürfen die Liebe nicht verlieren in einer Gesellschaft, in der das Geld dominiert", hält die Künstlerin fest.

Sie, die es wie kaum eine andere Malerin versteht, die Rollen der Frau in ihren Arbeiten zu betonen: Hausfrau und Verführerin, Mutter und Managerin, Malerin und Köchin. Sie tut es mit Accessoires wie Farbpinsel, aufgetürmten Kochtöpfen, nackt umschlungen von einer Schlange oder lasziv mit Zigarette und Weinglas in der Hand. Oder sie porträtiert sich selbst in ihrer Arbeit "Heimweh-Fernweh", wo eine rothaarige Frau in rotem, engen Kleid und hochhackigen Pumps auf einer prallen Erdbeere sitzt.

Gemeinsame Ausstellung in Berlin

"Ich habe mein Leben gemalt", verriet Elvira Bach anlässlich der Sodener Ausstellung 2019. Sie habe das Graue-Trockene von Berlin-Kreuzberg gebraucht, um die prächtigen Farben herauszulassen, die in ihrer Neuenhainer Seele gespeichert waren. Als "junge Wilde" hätten sie in den 1980ern alle gestisch und figurativ gemalt und den Kunstmarkt aufgewirbelt. Galeristen habe es nicht gegeben. "Wir haben alles selbst organisiert, die Vernissagen wurden als Partys gefeiert."

"Elvira Bach ist zweifelsohne eine der wichtigsten zeitgenössischen deutschen Malerinnen gerade weil sie stringent sie selbst ist", hebt Michael Marius Marks hervor. Seit über 25 Jahren begleitet der Galerist aus Wetzlar die Neuenhainerin in ihrer kreativen Welt. Als Elvira Bach 1978 eines ihrer Bilder "Immer ich" betitelt habe, sei dies die Geburtsstunde der ihr eigenen Thematik gewesen, sagt er. Sie sei ihrem Motto treu geblieben, "ohne sich abzuarbeiten, ohne sich je zu wiederholen".

Mit der Ausstellung "Meine Schwester und ich", die am vergangenen Samstag eröffnet wurde, würdigt die Berliner Galerie Schmalfuss die beiden Jubilarinnen. Es ist die erste gemeinsame Ausstellung der Zwillinge, die expressive Malerei und raumgreifende Objekte sowie Installationen vereint. Ihre künstlerischen Herangehensweisen unterscheiden sich stark voneinander, heißt es in der Einladung, doch verstünden es beide auf ihre ganz eigene Art, wichtige Erkenntnisprozesse mit einem Fünkchen Humor hochwertig abzubilden.

Die Besucher waren begeistert: Die Gegenüberstellung von Malerei und Skulptur schaffe eine gewisse Spannung. Mehr noch - durch Ingrid Honneths Objekte werde die Malerei von Elvira Bach geerdet.

Die Ausstellung

"Meine Schwester und ich" ist bis zum 17. Juli 2021 in Berlin, Knesebeckstraße 96, zu sehen.

Elvira Bach bei ihrer ausführlich gewürdigten Ausstellung im Jahr 2019 im Badehaus.
Frau mit Geschirrstapel und Zigarre. Ein Bild von Elvira Bach.

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