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Im gut besuchten Saal des Augustinums nahmen die Direktkandidaten für die Landtagswahl zu aktuellen Themen Stellung.

Landtagswahl 2018

In Bad Soden diskutieren Direktkandidaten über Migration und Bildungspolitik

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Evangelische und katholische Kirche hatten zur Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten im Osten des Main-Taunus-Kreises geladen. Alle sieben Kandidaten waren der Einladung ins Augustinum gefolgt – und die Tochter des Moderators hatte Kekse gebacken.

Lukas Schauder machte den Anfang – und hielt sich auf die Sekunde an die Eine-Minute-Vorgabe. Der Grünen-Kandidat forderte vom Land Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, wobei die Fehler früherer Jahre vermieden werden müssen. Gefragt sei „Wohnraum, in dem es Spaß macht zu leben.“

Betonblöcke gehörten nicht dazu. Schauder hatten den ersten von sieben Glückskeksen gezogen. Die Tochter von Moderator Ulrich Müller-Braun hatte sie gebacken und darin Zettel mit sieben, aus Sicht der Veranstalter relevante Themen versteckt. So bekam jeder Kandidat „sein“ 60-Sekunden-Thema – und alle anderen durften anschließend ebenfalls Stellung beziehen.

So sagte Thomas Kandziorowsky (Freie Wähler), dass bei alle Bauerei „Umwelt und Natur erhalten“ werden müssen. Stephanie Müller (FDP) will Baukosten senken, Christian Heinz (CDU) plädierte für „Nachverdichten“ in den Kommunen anstelle von „Trabantenstädten“. AfD-Kandidat Jonas Pradt will das Baurecht ändern. Michael Müller (Linke) kritisierte die „unsoziale Entwicklung“ auf dem Bausektor in Hessen, die auch SPD-Kandidatin Nancy Faeser anprangerte: Die Landesregierung schaffe „das Gegenteil von ,wir schaffen bezahlbaren Wohnraum‘.“ Die Zahl von einstmals 200 000 Sozialwohnungen sei inzwischen mehr als halbiert worden.

Ein Raunen ging durch den gut besetzten Theatersaal im Augustinum, als AfD-Mann Pradt aus seinem Glückskeks ausgerechnet das Thema „Migration und Integration“ pulte. Während Pradt warnte, dass das Land für die Analphabeten, die ins Land kommen „nicht die Infrastruktur zur Verfügung stellen“ könne, wünschte sich Kandziorowsky ein „Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild“.„Die Fluchtursachen bekämpfen“, forderte Michael Müller. Grundsätzlich sei es aber „jeder Mensch wert, dass man sich um ihn kümmert“. Der Sozialstaat müsse reaktiviert werden. Christian Heinz lobte hingegen, in Hessen sei „viel gut gemacht“ worden. „Hier stand niemand in der Kälte.“

Nancy Faeser sieht dagegen in Hessen „noch viel Handlungsbedarf“. Was Sozialverbände und die Zivilgesellschaft beim Thema Migration geleistet haben und noch leisten, sei hingegen schlichtweg „super“. Lukas Schauder empörte sich, „dass das, was 2015 gutgegangen ist, jetzt zur Katastrophe geredet wird“. Er forderte „eine Politik, die Mut macht“.Bei der Bildungspolitik waren sich die Kandidaten nicht einig, ob in Hessen viel erreicht worden sei. Nachhaltigkeit ist hingegen für manche nicht nur ein Naturschutzthema, bei dem der Verkehr eine große Rolle spielt, sondern auch eins in Sachen Finanzen.

Eigentlich sollten noch die Themen „Soziale Gerechtigkeit“, Wohnen und Zusammenleben“ sowie „Familie“ angesprochen werden. Aus

Zeitmangel

– und weil, wie Müller-Braun zurecht sagte, diese Themen indirekt bereits angesprochen wurden – ging der Moderator beim „ökumenischen Hearing zur Landtagswahl“ zu den Publikumsfragen über (siehe nebenstehenden Text). Auch da konnten nicht alle Themen angesprochen werden. Ulrich Müller-Braun verwies deshalb auf die Wahlprogramme der Parteien, die im Internet zu finden sind. „Fliegen Sie zumindest mal drüber und machen Sie sich schlau“, forderte er die Besucher auf.

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