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Bad Soden: Umzugsvorbereitungen laufen

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Von: David Schahinian

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Frank Staschok, Gruppenleiter Gebäudewirtschaft Landratsamt, der Kreisbeigeordnete Johannes Baron und Hermann Zengeler, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Kultur (v. l.) vor der neuen Flüchtlingsunterkunft.
Frank Staschok, Gruppenleiter Gebäudewirtschaft Landratsamt, der Kreisbeigeordnete Johannes Baron und Hermann Zengeler, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Kultur (v. l.) vor der neuen Flüchtlingsunterkunft. © Hans Nietner

Die neue Asylbewerberunterkunft am Hübenbusch ist so gut wie fertig, nächste Woche ziehen die ersten 21 Bewohner ein. Derweil wird händeringend nach weiterem Wohnraum gesucht, auch die Belegung von Hallen wird nicht mehr ausgeschlossen.

Knapp zwei Jahre wurde zunächst diskutiert und dann gebaut, nun steht die neue Asylunterkunft am Hübenbusch vor der Vollendung: In der kommenden Woche sollen die ersten 21 Asylbewerber im Alter zwischen zwei und 60 Jahren einziehen. Sie stammen vornehmlich aus Eritrea, Äthiopien und Somalia und wohnen bereits seit einiger Zeit in Übergangsunterkünften in Bad Soden.

Einige Plätze fehlen noch

Insgesamt bietet das Quartier unterhalb der Otfried-Preußler-Schule Platz für bis zu 80 Menschen. Ausreichend ist das aber noch nicht, wie Kreisbeigeordneter Johannes Baron (FDP) gestern bei der Vorstellung des Gebäudes deutlich machte. Insgesamt müsse die Stadt in der ersten Jahreshälfte 151 Personen aufnehmen. Zieht man die derzeit 53 bereits untergebrachten Asylsuchenden und die 80 neuen Plätze ab, fehlen immer noch knapp 20 Plätze. Baron: „An der dramatischen Lage hat sich nichts geändert.“

2,6 Millionen Euro hat der Main-Taunus-Kreis in die neue Unterkunft investiert, die in modularer Holzbauweise errichtet wurde. Das Gelände stellte die Stadt zur Verfügung. Geplant ist, die 16 Wohneinheiten mit jeweils mehreren Schlafräumen vornehmlich mit Paaren und Familien zu belegen, die eine „hohe Chance auf Anerkennung“ haben, so Baron. Die notwendige Infrastruktur mit Ärzten, Kindergarten und Geschäften sei vorhanden und fußläufig erreichbar. Ein separates Gemeinschaftshaus und anliegende Fahrradständer befinden sich am Eingang der zweigeschossigen, hufeisenförmig angelegten Anlage mit begrüntem Innenhof. Für die Betreuung hat der Kreis eine aus Eritrea stammende Sozialarbeiterin eingestellt. Die Einrichtung für den Gruppenraum, in dem unter anderem auch Sprachkurse stattfinden sollen, spendet das Diakonische Werk Main-Taunus aus dem Sozialkaufhaus Tisch und Teller, wie die Leiterin Solveig Burczik erklärte.

Nicht unumstritten

Das Projekt war anfangs nicht unumstritten und führte zu massiven öffentlichen Diskussionen. „Mich haben die Berichte damals erschreckt“, sagte Hermann Zengeler, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice und Kultur. Die Stadt habe die Sorgen und Ängste ernstgenommen und eine Bürgerversammlung organisiert. Seiner Einschätzung nach habe sich daraufhin der „Wind gedreht“, während der aktuellen Baumaßnahme habe ihn keine einzige Beschwerde erreicht. „Wichtig ist, eine positive Willkommenskultur zu schaffen“, so Zengeler, der in diesem Zusammenhang die Arbeit der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Bad Soden lobend hervorhob. Gemeinsam mit ihr wollen Stadt und Kreis im Juli ein Begegnungsfest ausrichten. „Bei allen Maßnahmen gibt es Widerstand“, ergänzte Baron, und er sprach aus Erfahrung. Die neue Asylbewerberunterkunft in Bad Soden ist die 33. im Kreis. 1100 Asylsuchende wurden bisher aufgenommen, bis zum Jahresende werden Hochrechnungen zufolge rund 900 weitere hinzukommen. „Menschlich verständlich und nachvollziehbar“ seien manche Einwände, zumal, wenn Kaufentscheidungen getroffen wurden und sich das Umfeld plötzlich signifikant ändere. Bad Soden sei da kein Einzelfall gewesen: „Es hilft nur Information – und offen mit den Menschen zu sprechen.“

Hallen-Lösung ?

Unterdessen wird der Handlungsdruck zunehmend größer. Wie Baron erklärte, habe er die Städte und Gemeinden in dieser Woche angeschrieben und um Auskunft gebeten, welche Hallen oder Bürgerhäuser zur Unterbringung weiterer Asylsuchender in Frage kämen. Gehe die Entwicklung so weiter und ließen sich die benötigten Plätze nicht auf dem Wohnungsmarkt akquirieren, gebe es „keine andere ad-hoc-Lösung, als in Hallen zu gehen“. Dass das neuen Ärger heraufbeschwören könnte, ist ihm bewusst, in Bad Soden etwa könnte dann die Hasselgrundhalle ins Blickfeld rücken. Zengeler: „Wir hoffen, dass das nicht passiert – aber Zwänge sind Zwänge.“ Wer eine Immobilie vermieten oder verkaufen möchte, kann sich unter der Telefonnummer (0 61 92) 2 01 13 22 an das Amt für Arbeit und Soziales beim Kreis wenden.

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