Ein Ehepaar sitzt am Sole-Zerstäuber in Bad Kreuznach und inhaliert die salzhaltige Luft. ?Viele Leute schwören auf die heilsame Wirkung dieser Behandlungsmethode?, heißt es aus der rheinland-pfälzischen Kurstadt.
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Ein Ehepaar sitzt am Sole-Zerstäuber in Bad Kreuznach und inhaliert die salzhaltige Luft. ?Viele Leute schwören auf die heilsame Wirkung dieser Behandlungsmethode?, heißt es aus der rheinland-pfälzischen Kurstadt.

Seeluft im Binneland

Bad Soden will Sole-Zerstäuber anschaffen

  • vonBrigitte Kramer
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Heilquellen, Fachärzte, Kliniken – Bad Soden wirbt gerne für sich als Gesundheitsstandort. Wie kann sie ihn noch attraktiver machen, ohne sich finanziell zu übernehmen? Sie kopiert eine Idee aus Bad Kreuznach.

Ursprünglich ist die Idee am Stammtisch entstanden. Die Herren der Senioren-Union haben sie bei ihrer Plauderrunde geboren, immer wieder nachgebohrt und ihren Plan nicht aufgegeben. Jetzt haben sie ihr Ziel erreicht: In der Nähe des Alten Sprudels im Bad Sodener Alten Kurpark soll ein Sole-Zerstäuber-Brunnen angelegt werden. Das haben die Stadtverordneten beschlossen. Ein solcher Sole-Zerstäuber ermöglicht es, erfrischend-salzhaltige Luft einzuatmen. Das erforderliche Geld für die Planung soll im Haushaltsplan-Entwurf 2018 eingestellt werden. Die Stadt Bad Soden schätzt die Investitionskosten auf 150 000 Euro. Zur Finanzierung könnte eine Spendenaktion ins Leben gerufen werden, ähnlich wie bei der Sanierung des „Sodenia-Tempels“ im Quellenpark. Außerdem soll der Magistrat prüfen, ob die Stadt öffentliche Fördergelder in Anspruch nehmen kann.

Wer einen begeisterten Befürworter eines Sole-Zerstäubers sprechen will, muss nur in Bad Kreuznach anrufen und mit Michael Vesper telefonieren, dem Geschäftsführer der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH. Er kommt regelrecht ins Schwärmen über die Wirkung und Vorzüge eines Zerstäubers (siehe Text rechts ).

Die Entscheidung zugunsten eines Zerstäubers in Bad Soden fiel, nachdem sich die CDU/SPD-Koalition der Sache angenommen und einen entsprechenden Antrag formuliert hatte. Eigentlich hatte sich die Senioren-Union der CDU gar eine Gradieranlage in Bad Soden vorgestellt. Ein Gradierwerk ist eine Anlage zur Salzgewinnung.

Die Herren waren nach Bad Windsheim und Bad Wörishofen gefahren und hatten sich die dortigen Anlagen angeschaut. Doch nach einigen Recherchen entdeckte die Stadtverwaltung Knackpunkte: Zum einen hat die hiesige Sole für ein Gradierwerk einen zu geringen Salzgehalt, zum anderen sind die Investitions- und Betriebskosten für einen offenen Pavillon, der nur von April bis Oktober genutzt werden kann, zu hoch.

Ein Besuch der Koalitionäre im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach im vergangenen Herbst förderte die Idee der Zerstäuber-Anlage zutage. Dort ist ein derartiger Solebrunnen seit 1928 in Betrieb. Mit einem Solebrunnen biete sich in Bad Soden die Möglichkeit, weiterhin die Heilquellen zu nutzen. Außerdem versprechen sich die Stadtverordneten davon, dass der Alte Kurpark an Attraktivität gewinnt. Denn nachdem alte Fotos von 1926 zeigen, dass das Solewasser damals am „Großen Sprudel“ unterhalb des einstigen Kurhotels schon einmal vernebelt wurde, berufen sich die Kommunalpolitiker beim Standort auf das historische Vorbild. Als einzige Fraktion meldeten die Liberalen im Parlament Bedenken an. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Stadt für die Zerstäuber-Anlage jährlich rund 18 000 Euro an Betriebskosten einkalkulieren muss. Unterm Strich gab’s aber einhellige Zustimmung: Alle Fraktionen unterstützen das Vorhaben.

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