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Michael Hoffman und Marie Ditzel hoffen, dass das Reisegeschäft bald wieder anläuft.

Reisebranche

Bad Sodener Vermittler stöhnt: "Wir sind insolvenzgefährdet"

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60 bis 70 Prozent der Reisebüros bangen um ihre Existenz, sagt Michael Hoffmann aus Bad Soden - und bekommt Zustimmung aus Schwalbach.

Neuenhain / Schwalbach -Niemand bucht Urlaub, während ein Virus die Weltgemeinschaft bedroht. Eine Branche, die deshalb zurzeit überhaupt keine Einkünfte hat, ist die Touristikbranche. Die Leiter zweier Reisebüros haben dieser Zeitung erzählt, was das für sie bedeutet.

Für Michael Hoffmann, dessen Familie das Reisebüro Hoffmann's Reiseladen in Neuenhain betreibt, steht gerade auf dem Programm, Reisen abzuwickeln, die nicht stattfinden. Das heißt, dass er kein Geld verdient. "Wir verdienen erst, wenn die Reise gemacht wurde." Seit Mitte März hätten Reisebüros keine Einnahmen, und das werde auf nicht absehbare Zeit so weitergehen. Wer innerhalb von Deutschland reise, der komme meist nicht ins Reisebüro, sondern buche das Hotelzimmer direkt beim Hotel.

Einer Aushilfe hat er kündigen müssen

"Wenn wir damit Leben retten, sind wir bereit, uns zurückzuhalten", sagt Hoffmann. Aber an Unterstützung vonseiten der Politik fehle es. Für die Soforthilfen sei Hoffmann sehr dankbar, aber er hat nur 80 Prozent davon erhalten und auch nach mehreren E-Mails an die Entscheider keine Antwort erhalten, warum.

Um auf die Lage seiner Zunft aufmerksam zu machen, hat er in der vergangenen Woche eine Demonstration in Wiesbaden organisiert, eine weitere ist für den 13. Mai geplant. Sein Vorwurf: "Wenn wir 44,9 Milliarden Euro für das Militär ausgeben, das wir nicht verwenden wollen, dann können wir auch einige Euros für Reisebüros ausgeben, die wir wollen." Er erwarte nicht, dass verlorene Gewinne ersetzt werden, "aber, dass ich nicht pleitegehe." Für einen Kredit hatte eine Bank eine Bilanz und eine Planung für das kommende Halbjahr verlangt. "Wie soll das funktionieren?"

Einer Aushilfe habe er schon kündigen müssen, seine Auszubildende versucht er zu halten. "Wir versuchen, solange es geht, die Luft anzuhalten." Aber solange sich die Politik dafür ausspreche, dass Reisen nur innerhalb von Deutschland möglich ist - "Dann gebt mir Sterbegeld", formuliert er es drastisch. 60 bis 70 Prozent der Reisebüros seien insolvenzgefährdet. "Die Reisebranche ist vollkommen lahmgelegt und wird am längsten leiden."

Ähnlich wie Hoffmann sieht es Dirk Kattendick vom Reisebüro Selected Travel in Schwalbach. Zu Beginn der Krise im März habe er einigen Urlaubern die Rückreise organisiert, was sehr mühsam gewesen sei. Immer wieder seien Flüge gestrichen worden. Davon hatte er nichts. "Das wäre eigentlich die Aufgabe der Airlines gewesen, aber da sagt man ja auch nicht: ,Das geht mich nichts an'." Viele seiner Kunden riefen ihn an und fragten, was mit der Reise später im Jahr sei. "Die meisten wollen ja fahren und fragen nicht: ,Wie komme ich da raus?'"

Einige Veranstalter zahlen die Provision zwar im Voraus, erzählt er, aber die müsse er irgendwann wieder für die Reisen, die nicht stattgefunden haben, zurückzahlen. Über die Soforthilfe sei von manchen viel geschimpft worden, aber für ihn hat das für den Übergang gut geklappt. Seit Januar schmeißt er den Laden alleine, seine einzige Mitarbeiterin hatte den Wohnort gewechselt. "Da war ich zwar traurig, aber im Nachhinein bin ich froh." Trotz aller Widrigkeiten wundert Kattendick sich über die Lockerungen, die nun geplant sind. Doch wenn jetzt auch die Sommerreisen nicht möglich sind, das wäre der Supergau. Was würde helfen? "Weitere finanzielle Hilfen, die wir nicht zurückzahlen müssen."

Meist gehe es um größere Unternehmen

In den Medien würden meist nur große Veranstalter genannt, Fluggesellschaften und Hotels. "Aber es gibt mehr als 10 000 Reisebüros in Deutschland." An der Demo am 13. Mai will er sich beteiligen - falls er überhaupt reinkommt, schließlich sind meist nur etwa 30 Teilnehmer erlaubt. wal

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