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Schlägereien, Angriffe

Brutale Übergriffe in der Bad Sodener Innenstadt bereiten große Sorge

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In Bad Soden bereiten brutale Übergriffe Politikern Sorge. Erst vergangene Woche hatte sich ein heftiger Vorfall ereignet, bei dem ein Jugendlicher Opfer von Gewalt wurde.

Bad Soden  - Wenn Frank Blasch jüngst die Zeitung aufgeschlagen hat, war ihm nach der Lektüre nicht immer ganz wohl. Klar hat sich der Bürgermeister zum Beispiel gefreut, dass der Apollo Neuenhain in der Berichterstattung gut wegkam. Der CDU-Politiker ist Vorsitzender dieses Männergesangvereins, der 175 Jahre alt wurde, dieses Jubiläum ausgiebig feierte und kürzlich treue Mitglieder ehrte. Andere Meldungen in der Presselandschaft gefielen Blasch nicht, weil sie dem Polizeibericht entspringen. Sie handeln von Schlägereien, Angriffen und Raub in der Bad Sodener Kernstadt, oft nahe dem Bahnhofsgelände. „Mir sind diese Vorfälle gerade in diesem Monat aufgefallen“, erzählt ein besorgter Rathauschef im Gespräch mit dem Kreisblatt. Er habe allein vier Auseinandersetzungen in den vergangenen zwei Wochen gezählt. Am Donnerstag voriger Woche, so meldete die Polizei, schlugen Jugendliche einen etwa Gleichaltrigen zusammen. Sie traten noch nach ihm, als er auf dem Boden lag, bis Passanten eingriffen (HK vom 19. Januar).

Schon 2018 fiel auf, dass sich des Öfteren junge Leute in die Haare bekommen oder Passanten bedrohen. „Wir haben das mitbekommen“, betont Polizeisprecher Markus Hofmann auf Anfrage und spricht – auf Bad Soden bezogen – „von einer Zunahme im vergangenen Jahr“. Die Beamten gehen derzeit nicht davon aus, dass es organisierte und planmäßig vorgehende Gruppen sind, die Ärger machen. „Wir betrachten das noch als Einzelfälle“, sagt der Polizeisprecher. Er hebt aber hervor, dass das Präsidium Westhessen und das zuständige Revier in Eschborn-Niederhöchstadt die Lage in Bad Soden sehr wohl „im Auge“ haben.

Passgenaue Lösung finden

„Wir stehen in Kontakt zum Revierleiter Uwe Schneider und dessen Vize Andreas Dicke“, bestätigt der Bad Sodener Bürgermeister und fügt an, dass die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate die Verantwortlichen im Rathaus „hellhörig“ machen. Weder die Polizei noch die Stadt Bad Soden wollen die aktuelle Lage überbewerten oder gar dramatisieren. Doch die Polizei und vor allem die für Bad Soden, Schwalbach, Eschborn und Sulzbach zuständige Dienststelle in Niederhöchstadt seien „sensibilisiert“, sagt Hoffmann.

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Gibt es eine Verbindung zu den Problemen vom Marktplatz in Schwalbach? Dort hatte es 2017 so große Konflikte mit Drogenhändlern, Krawallmachern und Vandalen gegeben, dass die Stadt und die Polizei eigens ein Sicherheitskonzept für Schwalbach erarbeiteten und seither konsequent anwenden. Dazu zählt eine Videoüberwachung auf dem Marktplatz und im Einkaufszentrum Limes. Seit dem 20. Dezember 2018 laufen 17 Kameras, die das Gelände erfassen. Zwar verzeichnet die Polizei innerhalb Schwalbachs Verdrängungseffekte. Doch die Situation beruhigte sich merklich. Ist es möglich, dass Unruhestifter aus Schwalbach sich nunmehr in Richtung Bad Soden absetzen und dort Ärger machen?

Die Königsteiner Straße in Bad Soden

Das gilt als unwahrscheinlich, weil in der Kurpark-Stadt vorwiegend Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren auffielen. In Schwalbach waren viele Rädelsführer und Akteure deutlich älter. Auch Sodens Bürgermeister meint, es handele sich in seiner Stadt um eine „andere Klientel“. So viel ist klar: Wenn im Februar dieses Jahres erstmals in Soden eine nichtöffentliche Sicherheitskonferenz stattfindet, werden die teils brutalen Übergriffe aus den vergangenen Monaten wahrscheinlich zur Sprache kommen.

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Bad Soden möchte sich am neuen Sicherheitskonzept „Kompass“ des Landes Hessen beteiligen. Es hat das Ziel, der Stadt ein passgenaues Sicherheitskonzept zu erstellen. Polizei, Verwaltung und Bürger arbeiten von vorneherein zusammen, um die richtigen Maßnahmen zu treffen. Am Anfang analysieren sie den Ist-Zustand. Bei der Sicherheitskonferenz tagen Polizei, Vertreter der Stadt, der Vereine und Kirchengemeinden. Schwalbach ist im Übrigen schon „Kompass“-Stadt.

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