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Marianne Nelson holt ein Brutnest aus dem Bienenkasten (Foto oben). Die Bienen summen und krabbeln munter an den Waben (rechts).

Imkerverein Bad Soden

„Süßes“ Hobby mit Zukunft

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Der Imkerverein Bad Soden und Umgebung feiert am Wochenende 150. Geburtstag. Weshalb sich der 1866 gegründete Verein seit einigen Jahren über Zulauf freuen kann, und was die Faszination dieses Hobbys ist, erzählt Imkerin Marianne Nelson.

Die Königin ziert sich. Da kann Marianne Nelson noch so viele Wabendeckel aus dem Bienenstand nehmen und beäugen – das königliche Oberhaupt lässt sich nicht blicken, gleichwohl die Hobby-Imkerin sie sogar mit einem weißen Farbplättchen markiert hat. Ihr Volk, das aus Zehntausenden von Arbeitsbienen und einigen Drohnen besteht, ist weniger kompliziert: Es summt, brummt, krabbelt und fliegt – alles ganz friedlich, denn Bienen sind sanftmütige Tierchen und „stechen nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen“, weiß die Kassenwartin des Imkervereins Bad Soden und Umgebung aus Erfahrung. Nichtsdestotrotz hat sie sich mit einem Schutzanzug gewappnet, als sie dem Kreisblatt-Team ihre Bienenstöcke am Ortsrand von Neuenhain zeigt.

Ein idyllisches Fleckchen inmitten bunt blühender Streuobstwiesen – optimaler Lebensraum für Bienen. Bilderbuch-Bedingungen wie diese finden die fleißigen Honigproduzenten nur noch selten. Durch die Kultivierung der Landschaft und die monotone Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen verschwinden viele Pflanzen, Blumen und Kräuter – und damit die Nahrungsgrundlage der Bienen. „Etwa 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch die Honigbiene angewiesen“, beschreibt Marianne Nelson den ökologischen Aspekt ihres Hobbys, das seit einigen Jahren großen Zulauf hat. Der Imkerverein Bad Soden und Umgebung, der am Wochenende seinen 150. Geburtstag feiert (siehe unten stehende Infobox), ist das beste Beispiel. „Als ich vor acht Jahren hier anfing, hatte der Verein 43 Mitglieder, heute sind es 136 Mitglieder, die 558 Völker betreuen“, verdeutlicht sie das steigenden Interesse.

Auch die Rollenverteilung hat sich gewandelt. Das Image vom Altherren-Club ist überholt: Inzwischen haben sich die Frauen ihren Platz in der einstigen Männerdomäne erobert. Immerhin ein Viertel der Vereinsmitglieder sind Frauen, die 115 Bienenvölker betreuen. Apropos Statistik: „Der Großteil unserer Mitglieder ist zwischen 40 und 50 Jahre alt“ schildert Marianne Nelson, die auch ihre Tochter mit dem „Imker-Virus“ angesteckt hat. Gerade hat sie ihr zwei kleinere Bienenvölker geschenkt, die auch ihrem Enkel Max großen Appetit auf das Hobby machen, an dem Marianne Nelson seit 2008 ihre Freude hat. „Faszinierend“, findet sie vor allem, „zu beobachten, wie ein Bienenstaat funktioniert. Alles ist geregelt und nach strengen Hierarchien aufgebaut. Nicht zu vergessen, dass man am Ende mit dem Honig einen gesunden und leckeren Ertrag seiner Arbeit erntet“, erzählt die ehemalige Verwaltungsangestellte, deren Bienen Blüten- und Kastanienhonig produzieren, den sie wie ihre Vereinskollegen natürlich auch beim großen Geburtstagsfest anbieten wird.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man Imker werden möchte? „Vor allem natürlich Interesse und eine ruhige Hand. Hektik mögen die Bienen überhaupt nicht“, antwortet die 67-Jährige. Anfänger können sich Geräte auch beim Verein ausleihen. Bei der Anschaffung eines Bienenvolks berät der Verein Interessierte und versorgt Neu-Imker mit Fachwissen. Auf dem 4000 Quadratmeter großen Vereinsgelände am Kremserweg auf der Wilhelmshöhe bieten die Hobby-Imker von April bis September, jeden Freitag um 18 Uhr eine Imkersprechstunde an, bei der diejenigen, die sich einfach mal schlau machen möchten, ebenso willkommen sind, wie bei den Beratungen, die dort jeden 2. Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr angeboten werden.

„Am besten, man schaut einfach mal dort vorbei – so habe ich auch angefangen“, meint Marianne Nelson und fügt an: „Man muss übrigens nicht Imker werden wollen, um vorbeizukommen. Wir beraten auch gern Naturfreunde, die ihren Garten bienenfreundlich gestalten möchten.“

Für kleine Besucher lohnt sich ein Ausflug zum Vereinsgelände mit der bunt blühenden Blumenwiese ohnehin, denn die Bad Sodener Imker haben nicht nur ein Herz für Bienen, für die sie eigens ein großes Insektenhotel eingerichtet haben, auch andere Tiere sind dort willkommen. „Vor zwei Jahre haben wir sogar einen Falkenmast aufgestellt, um den Vögeln eine Brutmöglichkeit zu bieten. Die Falken haben das sofort angenommen und es hat seither jedes Mal mit dem Nachwuchs geklappt. Als die kleinen Falken flügge waren, haben dann Nilgänse den Horst in Beschlag genommen“, erzählt Marianne Nelson.

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