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Max von Weinberg Ausstellung in Bad Soden Badehaus

Werke von Künstler versetzen Sodener Stadtgalerie in Farbenrausch

Max Weinberg in Pink

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Der bald 90 Jahre alte Frankfurter Künstler Max Weinberg zeigt bei der Vernissage seiner Ausstellung keine Berührungsängste.

Ein gewaltiger Farbenrausch empfängt die Besucher in der Stadtgalerie. Pink in allen Nuancen, giftiges Grün, große Flächen in plastischem Schwarz. Es sind Gestalten mit drei Beinen, fünf Augen und acht Brüsten, die sich auf der Leinwand winden. In wandfüllenden Formaten. Von Zyklopen, Zentaurenweibern bis hin zum Mannequin. Nackte, züngelnde Frauenkörper mit hellblauen Engelflügeln. Daneben unzählige Zeichnungen auf kleinen Zetteln, die Geschichten aus der kosmischen Welt des Künstlers erzählen. Brave Porträts vom Rabbi und seiner Frau. Bilder im Rokokorahmen.

Wer ist dieser Mensch, der in seiner Malerei opulente Sinnlichkeit mit kindlicher Unbefangenheit verbindet? Der provoziert, ironisch blinzelt und betroffen macht, eingesponnen in sein silbergraues Haar, die Augen schwarz umrandet. In Wanderstiefeln, beklecksten Jeans und pink-bespraytem Sweatshirt präsentiert sich Max Weinberg, Grandseigneur der Frankfurter Künstlerszene, den Besuchern. „Pretties in Pink“ ist seine Ausstellung überschrieben, die eine bunt zusammengewürfelte Kunstgemeinde in das historische Badehaus geführt hat.

Klein und zerbrechlich wirkt Weinberg, der Anfang nächsten Jahres 90 Jahre alt wird. Doch das täuscht. Erklärend fällt er der Kunsthistorikerin Margarita Clara Lahusen ins Wort, die sein künstlerisches Werk vorstellt. Als großes Thema Weinbergs hebt sie den Maler und sein Modell hervor. Während der Künstler seine Modelle riesig und zyklopisch abbilde, stelle er den Maler in seinen Bildern winzig dar. In einer Ecke stehend, dafür aber mit herausforderndem Blick in Richtung Betrachter.

Als die Kunsthistorikerin Lahusen auf seine Maltechniken zu sprechen kommt, von der Kreide bis zu den Sprays, wirft Weinberg trocken ein, dass er seine plastischen Oberflächen mit der simplen Fugendichtung Silikon erreicht, die er anschließend mit Ölfarbe überpinselt. Quirlig mischt Weinberg sich anschließend unter die Besucher, geht auf sie zu, gibt Autogramme, ist für jeden Spaß zu haben und für eine improvisierte Fotosession bereit. Erstaunt steht eine Frankfurter Künstlerin vor seinen Arbeiten, die Weinberg seit Jahrzehnten kennt. Sie habe sich nie vorstellen können, wie Weinberg, der Berge seiner bemalten Blätter immer auf dem Boden liegen habe, eine derartige Ausstellung ausrichten könne. „Alles gerahmt und viel auf Leinwand.“

Dass er so viel auf Leinwand male, sei völlig ungewöhnlich. Das hat auch Martina Elbert überrascht, die die Ausstellung kuratiert hat. Aus dem Chaos seines Frankfurter Ateliers, das Weinberg als Wohn- und Schlafstätte dient, hat Martina Elbert Arbeiten ans Tageslicht befördert, die aus früheren Jahren und der heutigen Zeit stammen. „Perlen sind darunter“, sagt sie, Raritäten, von denen niemand wisse. Sie hoffe, „dass Max bis zu seinem Hundertsten noch tolle Pretties malt“.

Clemens Benkel, Musik- und Geschichtswissenschafter und enger Mitarbeiter von Weinberg, geht noch einen Schritt weiter. Rückblickend werde man in der Kunst neben einem Tizian-Rot, auch von einem Weinberg-Pink sprechen. Dabei zitiert Benkel den bekennenden Beethovenianer Weinberg mit den Worten: „Die Kunst muss brennen“. Auch mit knapp 90 Jahren noch.

In Kassel nimmt der Lebensweg des Malers, Sohn deutsch-polnischer Eltern, im Januar 1928 seinen Anfang. Als Max sieben Jahre alt ist, flüchtet die jüdische Familie über Belgien nach Tel Aviv. Dort verkauft er als 13-Jähriger, vom Schulbesuch hielt er nicht viel, seine Bilder auf der Straße. In einer Baracke am Strand eröffnet Max mit 17 Jahren sein erstes Atelier. Aus dem Militärdienst wird er unehrenhaft entlassen, da er sich geweigert hat, einen palästinensischen Bauern zu erschießen. Von 1954 bis 1958 studiert Max in Tel Aviv Malerei. 1959 kehrt er nach Deutschland zurück und lebt seitdem in Frankfurt. Im Nahen Osten habe er keine Perspektive für seine künstlerische Weiterentwicklung gesehen, betont Weinberg. Frankfurt hingegen liefere ihm als „Stadtratte“ viele Inspirationen.

Die Ausstellung „Pretties in Pink“ in der Stadtgalerie im Alten Kurpark ist bis einschließlich Sonntag, 23. April, zu sehen. Die Öffnungszeiten: Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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