Vernissage von Galerist Peter Elzenheimer

Zwei, die sich kennen

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Hier ein Pinselstrich, da ein Farbtupfer. Mit kritischem Blick ist Torsten Hegner wenige Stunden vor der Vernissage an seinen Arbeiten noch unterwegs.

Hier ein Pinselstrich, da ein Farbtupfer. Mit kritischem Blick ist Torsten Hegner wenige Stunden vor der Vernissage an seinen Arbeiten noch unterwegs. Auch die letzten zwei Bronze-Skulpturen von Carin Grudda treffen auf den letzten Drücker aus Italien ein. „Eine schmort noch in Turin im Ofen“, verrät die Künstlerin, „das ist der König“. Der „Kleine König Dezember“ präsentiert sich vorerst als Kunstharz-Modell. Rechtzeitig geschafft hat es das 105 Zentimeter hohe „Erdbeerliebchen“. Die Bronze ist in der Kurstadt zum ersten Mal zu sehen.

Für Freitagabend hatte Galerist Peter Elzenheimer zur Vernissage eingeladen. „Zwei, die sich kennen“ ist die Ausstellung im historischen Badehaus überschrieben. Zwei Künstler, die sich vor zwölf Jahren mehr zufällig im Golfclub auf Hof Hausen in Hofheim begegnet sind. Sie arbeiteten damals an einem Projekt für den Club. Torsten Hegner, der als Schüler von Professor Eisenhauer an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach sein Handwerk gelernt hat, ist vor zehn Jahren intensiv in seine Malerei eingetaucht. Abstrakt und voller intensiver Farben. Die eine Hälfte des Jahres verbringt Hegner in Südfrankreich, die andere in Bad Soden.

Die Bildhauerin und Malerin Carin Grudda ist seit über 30 Jahren als freischaffende Künstlerin weltweit unterwegs. In der Nähe von Kassel geboren, lebt und arbeitet Grudda heute in Ligurien. Sie hat ein weiteres Atelier in Rom und lässt ihre Bronzeplastiken bei Petro Caporrella gießen.

Grudda steht für das Figürliche, Hegner für das Abstrakte – ein Spannungsfeld, das der Ausstellung in der Stadtgalerie Flair verleiht. „Beide lassen Freude am Leben und an der Kunst sichtbar werden“, hob Stefanie Bickel hervor. Ob Raben, Hunde, Hühner, Katzen oder Fische – Gruddas Figuren lächeln, strahlen oder trügen etwas verschmitzt Wissendes im Gesicht, stellte die Kunsthistorikerin heraus. Für Carin Grudda ist Humor essentiell. Jeder ihrer Skulpturen gibt sie ihn mit. Oft in Form von winzigen Details, wie polierten Bronzekrönchen.

Die Menschen berühren, gute Laune verbreiten – das ist es, was Torsten Hegner mit seinen Bildern erreichen möchte. „Die Alltäglichkeiten außen vor lassen“, lautet sein Credo. Ist es ein stimmungsvoller Tag, wenn er ins Atelier tritt, werden Gelb, Rot, Orange und reine leuchtende Farben seinen Arbeitsprozess prägen. Blau, Grün – das steht für die eher ruhigeren Gefühle. „Aus dem Bauch heraus“, verrät Hegner, entstünden seine Arbeiten. Dickes Weiß, das er auf die Leinwand aufträgt, um Strukturen zu schaffen. Mit Spachtel und Acryl, das er über die Fläche zieht. Abnimmt, wieder aufträgt, in verschiedene Richtungen schiebt. Geöffnete Farbtuben, die er in senkrechten Linien über die Leinwand drückt. Silber, das den Bildern eine changierende Patina verleiht. Und „Drippings“ – dunkle Linien, die Hegner aufspritzt oder auftropft. Lebendigkeit, Farbenfreude und Leichtigkeit nehmen den Betrachter auf den ersten Blick gefangen. Doch da ist noch mehr. Keine der 25 Arbeiten trägt einen Titel. Bewusst lässt Hegner der Fantasie freien Raum.

Die Ausstellung in der Stadtgalerie dauert bis Mittwoch, 1. April. Geöffnet ist mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr.

(kra)

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