+
Vandalismus (Symbolbild)

Wie soll das weitergehen?

Vandalismus und Gewaltbereitschaft in Bad Soden nehmen zu

  • schließen

Die Stadt Bad Soden muss sich inzwischen mit kriminellen Machenschaften in bedenklichem Umfang abgeben. Das besorgt die Bürger. Polizei und Stadt arbeiten an einem Konzept. 

Bad Soden - Schönfärberei hilft nicht. Niemand kann mehr bestreiten, dass die Stadt Bad Soden sich inzwischen mit kriminellen Machenschaften in bedenklichem Umfang abgeben muss. Vandalismus, steigende Gewaltbereitschaft, Bedrohungen - im vergangenen Jahr machten Vorfälle dieser Art zunehmend Schlagzeilen. Inzwischen zeigt sich: Es ist allem Anschein nach kein vorübergehendes Phänomen, das schnell wieder verschwindet. 

Schon seit Jahresbeginn gibt es wiederkehrende Straftaten, die der Polizei und den Verantwortlichen im Rathaus nicht verborgen bleiben. Erst Anfang dieses Monats sind im Alten Kurpark wieder Jugendgruppen aneinandergeraten. "Das Sicherheitsgefühl der Bürger in Bad Soden ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen noch weiter gesunken", urteilt der Vorsitzende der AfD-Stadtverordnetenfraktion, Jonas Pradt.

Polizeisprecher Johannes Neumann: Vorfälle in Bad Soden "nicht überdramatisieren"

Auffällig viele Fälle von Sachbeschädigung und Körperverletzung spielen sich rund um den Bahnhof und in den Kurparks ab. Polizeisprecher Johannes Neumann, ein mit den Gegebenheiten im Main-Taunus-Kreis vertrauter Beamter, will das Sodener Geschehen "nicht überdramatisieren", macht aber auf Anfrage unserer Zeitung deutlich, dass Bagatellisieren unangebracht ist. 

Die für Bad Soden zuständige Polizeistation in Eschborn-Niederhöchstadt sei sensibilisiert, betont der Polizei-Pressesprecher. Unumwunden spricht er von "einer gewissen Verrohung", die in Bad Soden festzustellen sei. Das Revier in Eschborn stehe in engem Kontakt mit der Stadtverwaltung und mit der Bundespolizei, die für das Bahnhofsgelände zuständig ist.

Bürgermeister nimmt wachsende Sorgen der Bevölkerung ernst – Konzept wird erarbeitet

"Wir stimmen uns mit der Polizei ab", bestätigt Bürgermeister Frank Blasch und gesteht ein, "beunruhigt" zu sein. Der Rathauschef registriert die wachsenden Sorgen in der Bevölkerung sehr wohl - sie nehmen nach Aussage des Bürgermeisters zu. Dies zeige sich in Gesprächen, die er und Mitarbeiter der Verwaltung mit Bürgern führen. Nach Einschätzung von Frank Blasch ist die Polizei aber speziell in der Sodener Innenstadt häufiger präsent. Auch darauf werde er von den Sodenern angesprochen.

Nun sind kurzfristige Maßnahmen eine Sache, eine langfristige Strategie zur Vorbeugung und Bekämpfung von Straftaten eine andere. Die Rathaus-Spitze und das Polizeipräsidium Westhessen arbeiten seit Monaten daran, die Sicherheitslage in Bad Soden zu analysieren. Nach Blaschs Angaben wurde sie abgeschlossen. Stadt und Polizei gießen ihre Erkenntnisse nun in umfassende Berichte, die sie im Sommer zusammenführen wollen. Der Bürgermeister sieht schon jetzt "eine große Übereinstimmung" zwischen den Ansichten der Stadt und den Standpunkten der Polizei.

Landesweites Konzept soll auch in Bad Soden umgesetzt werden – Nach Vorbild von Schwalbach? 

Der nächste Schritt ist aber der entscheidende. Denn aufbauend auf der Analyse, so erläutert Frank Blasch, soll in der zweiten Hälfte des Jahres ein Maßnahmenkatalog erarbeitet und später der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Als ein Mosaiksteinchen ist zum Beispiel denkbar, dass Bad Soden einen "Schutzmann vor Ort" nach Schwalbacher Vorbild bekommt: In der Nachbarstadt ist ein Polizist ständig oder zumindest sehr häufig an Ort und Stelle, um die Kontakte zur Verwaltung, zu den Bürgern, zu sozialen Einrichtungen und Vereinen zu pflegen, auf Fragen einzugehen sowie näher dran zu sein und schneller auf heikle Situationen reagieren zu können. Das gemeinsame Vorgehen von Stadt und Polizei fußt auf einem landesweiten Konzept, das unter dem Namen "Kompass" einen starken präventiven Charakter hat. Es soll erst gar nicht zu Straftaten kommen.

Während Schwalbach das "Kompass"-Projekt schon umsetzt und dabei auch auf Videoüberwachung am Marktplatz setzt, ist Bad Soden noch nicht so weit, konkrete Maßnahmen benennen zu können. Da ist noch Geduld gefragt.

Prävention: Mehr Ordnungspolizisten in Bad Soden?

Frank Blasch betont, dass Kriminalitätsbekämpfung und -aufklärung die Kompetenz der Landes- und Bundespolizei sei. Die Stadt ist aber bei der Prävention gefragt. Da könnte es sich anbieten, die Ordnungspolizei personell aufzustocken. Von derzeit vier Stellen sind drei besetzt. Für zwei weitere Stellen ist im Haushalt Geld vorgesehen, aber noch nicht freigegeben. Die AfD verlangt, dass diese Stellen "zeitnah" zu besetzen sind. 

Das Thema wird heute, 22. Mai, in der Stadtverordnetenversammlung behandelt (20 Uhr, Bürgersaal Neuenhain). Frank Blasch kann sich mit der Aufstockung anfreunden, sagt aber, dass vorher der Innendienst der Abteilung "Sicherheit und Ordnung" von zwei auf vier Vollzeitstellen erweitert werden müsse. Das soll bis zum Sommer passieren.

Von Andreas Schick

Lesen Sie auch: 25-Jähriger tötet Nachbarn und attackiert Busfahrer mit Messer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare