An dem Zugang der Unterführung von der Weilbacher Seite wurde gestern noch gearbeitet.
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An dem Zugang der Unterführung von der Weilbacher Seite wurde gestern noch gearbeitet.

Bahnhof Eddersheim

Bahn schließt Fußgängerunterführung

  • Ulrike Kleinekoenen
    VonUlrike Kleinekoenen
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Wegen angeblich gravierender bautechnischer Mängel hat die Bahn in einer Nacht- und Nebelaktion die Fußgängerunterführung am Bahnhof dicht gemacht.

Nicht nur Christel Kirchhof ist entsetzt, viele Eddersheimer und auch Weilbacher wollten nicht glauben, welches Bild sich ihnen seit dem Wochenende am Bahnhof bietet. Die Zugänge zur Fußgängerunterführung sind mit Brettern zugenagelt. Donnerstag früh hatte bereits ein Zettel die Passanten darüber informiert, dass die Unterführung „wegen gravierender bautechnischer Mängel auf Dauer“ gesperrt werden muss. Donnerstagabend waren die Zugänge dicht. Für Christel Kirchhof ein „nicht hinnehmbarer Zustand“, der Meinung haben sich gestern bereits einige Leser angeschlossen.

Wolfgang Steinbrech erkennt durch die Schließung der Unterführung ein großes Sicherheitsrisiko. Dieses sieht offensichtlich auch die Bahn. Um zu verhindern, dass künftig vermehrt Fahrgäste die Gleise trotz geschlossener Schranken überqueren, wurden Bretter auch zwischen Zaun und Schranke angebracht. Dabei dürfte der gut ein Meter hohe Jägerzaun kein großes Hindernis darstellen....

Gefährdung steigt

Der Rechtsanwalt Hermann-Josef Lenerz hat seinem Ärger über die Schließung der Unterführung gleich in einem Schreiben an die Bahn Luft gemacht. Der Jurist sieht ebenfalls die erhebliche Gefahrensituation für die vielen Eddersheimer und Weilbacher Schulkinder, die mit der S-Bahn zur Schule nach Flörsheim und auch weiter nach Mainz und Wiesbaden fahren und die dazu die Gleisanlage überqueren müssen. Da jeweils wenige Minuten vor Abfahrt der Bahnen die Gegenzüge in Richtung Frankfurt ein- und abfahren, sei die Schranke dabei über einen längeren Zeitraum geschlossen, sagt Lenerz, der selbst täglich nach Wiesbaden pendelt. Bereits früher habe er beobachtet, dass Schüler unter Zeitdruck die Bahngleise trotz geschlossener Schranke überqueren. Dies dürfte in Zukunft vermehrt der Fall sein, fürchtet Lenerz.

Hinzu kommt, dass der Gehweg über die Bahnanlage nur sehr eng ist. Gerade im morgendlichen Berufsverkehr mit einem hohen Verkehrsaufkommen ist dies für die Schüler und auch die anderen Fahrgäste nicht ungefährlich. Außerdem befindet sich in der Nähe des Bahnhofs weder ein Zebrastreifen noch eine Fußgängerampel, um die Straße sicher zu überqueren.

Der Jurist möchte deshalb von der Bahn wissen, welche gravierenden Mängel die Schließung notwendig machen und in welchem Verhältnis die Kosten der Schließung zu den Kosten der Beseitigung der Mängel stehen, „um die getroffene Entscheidung insbesondere vor dem haftungsrechtlichen Hintergrund nachvollziehen zu können. Bei einer nicht nachvollziehbaren Begründung erwägt er gegebenenfalls die Überprüfung im Rahmen eines Eilverfahrens.

Sanierung erwartet

Die Fußgängerunterführung ist schon seit Jahren alles andere als ein heimeliger Ort. Schon lange ist die Stadt darum bemüht, dass die Unterführung saniert wird. Vor drei Jahren hatte Erste Stadträtin Karin Schnick den Mitgliedern des Bauausschusses mitgeteilt, dass die Zeichen für die Sanierung der Gleisunterführung in Eddersheim gut stünden. Schnick ging damals davon aus, dass die Bahn die Maßnahme auf eigene Kosten durchführen und etwa eine Million Euro bereitstellen wolle.

Im Rathaus wurde man deshalb gestern von der Schließung ebenso überrascht wie die Bürger, von denen einige auch im Rathaus anriefen. „Die Stadt war von der Schließung nicht unterrichtet gewesen“, sagte Monika Münch aus der Pressestelle. Vergeblich habe man gestern auch versucht, mit der Bahn telefonisch oder per Mail Kontakt aufzunehmen. Ganz davon abgesehen, dass man sich im Rathaus über die mangelnde Kommunikation ziemlich geärgert habe. Auch auf die Frage vom Kreisblatt, ob die Bahn die Sanierung der Unterführung komplett gestrichen hat und wie die Formulierung „auf Dauer“ zu interpretieren ist, gab es bis zum Abend keine Antwort.

(ulk)

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