Bürgermeisterwahl

Bernd Blisch und das Bündnis jubeln

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Mit diesem klaren Ergebnis schon im ersten Wahlgang hatte niemand gerechnet. Bernd Blisch setzte sich bei der Bürgermeisterwahl in Flörsheim mit 61,2 Prozent klar durch. Michael Antenbrinks Amtszeit endet im Oktober.

„Viele Hunde sind des Hasen tot.“ Mit dieser Allegorie umschrieb SPD-Chef Gerd Mehler gestern Abend den Ausgang der Flörsheimer Bürgermeisterwahl. Dass der Hase – Rathauschef Michael Antenbrink (SPD) – von vornherein gegen eine politische Mehrheit ankämpfen würde, war klar. Sein schärfster Konkurrent Bernd Blisch zählte auf die Unterstützung des Viererbündnisses aus CDU, Galf, dfb und FDP. T-Shirts mir der Aufschrift „Gemeinsam“ in den vier Parteifarben dominierten den Wahlabend in der Stadthalle von Beginn an.

Dieser Gemeinsamkeit hatte der Amtsinhaber letztlich wenig entgegenzusetzen. Schon nach wenigen Auszählungen war absehbar, dass Bernd Blisch mit einem Erdrutschsieg ins Rathaus einziehen würde. In allen drei Stadtteilen setze er sich mit einer Mehrheit von 61 Prozent von seinen Mitbewerbern Michael Antenbrink und Markus Ochs ab.

Manche Wahlabende sind spannend bis zur Auszählung der letzten Wahlbezirke. Ein solcher Krimi blieb den Beobachtern gestern verwehrt. Der Flörsheimer Showdown zeichnete sich stattdessen durch seine überraschende Eindeutigkeit aus. Noch bevor die ersten Ergebnisse erschienen, waren die Anhänger des Viererbündnisses bereits bester Laune.

Auch Hattersheims Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) tauschte sich lachend mit seinen Flörsheimer Parteikollegen aus. Dann ging die unterschwellige Euphorie plötzlich in tosenden Jubel über. Auf der Leinwand erschien das Ergebnis des ersten Wahlbezirks – Bernd Blisch lag mit 70 Prozent vorne. Er rutschte später noch ein klein wenig ab, aber über eine mögliche Stichwahl redete von diesem Moment an niemand mehr.

Inmitten der Menschenmenge, die vorwiegend aus Blisch-Anhängern zu bestehen schien, standen Markus Ochs und seine Frau Natalie Ludwig-Ochs. Der CDU-Mann, der wie Blisch als unabhängiger Kandidat angetreten war, war als erster der drei Kandidaten in der Stadthalle erschienen. Der ehemalige Erste Stadtrat war bereits 2012 gegen Michael Antenbrink gescheitert. Diesmal war sich Ochs seiner Außenseiterrolle durchaus bewusst: Zehn Prozent sei ein Ergebnis, mit dem er rechnen könne, meinte der Wickerer, der seine Kandidatur trotzdem als sinnvoll betrachtete. Er sei der „bunte Punkt“ im Wahlkampf gewesen. Es sei sein Ziel gewesen, den Schwarz-Weiß-Betrachtungen der anderen Kandidaten etwas entgegen zu setzen. Letztlich reichte es nur für 7 Prozent.

Dann erschien auch Wahlsieger Bernd Blisch in der Stadthalle. Dass es so gut für ihn aussehe, habe er nicht gedacht, gab der Mann des Viererbündnisses zu. Galf-Fraktionschefin Renate Mohr und Hattersheims Rathauschef Schindling gehörten zu den ersten, die Blisch um den Hals fielen. Dieser wollte in den ersten Minuten der Freude keinen seiner Unterstützer herausheben. Jeder im Bündnis habe seinen Anteil am Sieg, meinte der künftige Verwaltungschef, während der Sprechgesang „Unser Bürgermeister“ durch die Stadthalle schallte.

Kann Blisch nach der Wahl tatsächlich Bürgermeister aller sein? Er habe das Schlagwort „Gemeinsam“ nicht nur für ein paar Wochen auf seine Plakate geschrieben, sagte er. Es sei sein Wunsch, dass sich künftig sogar die SPD anschließe.

Blisch hofft außerdem, dass sich das Klima in der Stadtverordnetenversammlung bessert. Dort gab es in den vergangenen Monaten häufig Streit und bissige Bemerkungen. Auf die Frage, ob sein Konkurrent Antenbrink das Ergebnis verdient habe, gab sich Blisch diplomatisch. Michael Antenbrink habe es wohl nicht geschafft, die Bürger mitzunehmen und werde das Ergebnis für sich analysieren.

Verlierer Michael Antenbrink ließ sich nur kurz in der Stadthalle blicken. Er sei „maßlos enttäuscht“, gestand der amtierende Bürgermeister, der nun nach zwei Amtszeiten abgewählt wurde. Mit solch einem Ergebnis habe er nicht gerechnet. Er habe sich jedoch nichts vorzuwerfen, betonte Antenbrink. Er habe einen guten und ehrlichen Wahlkampf geführt. Ob er sich künftig weiterhin als Vorsitzender der SPD Main-Taunus politisch engagiere, müsse er in Ruhe überlegen.

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