Gleich zwei Promille-Fahrten

  • vonAlexander Schneider
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Sich zweimal am Tag mit Alkohol am Steuer erwischen zu lassen, dazu braucht es eine gewisse Hartnäckigkeit. Den Promillewert räumt der Angeklagte auch ein – allerdings sei er „nur“ Rad gefahren. Der gefälschte tschechische Führerschein ist weg, 650 Euro Geldstrafe gibt’s obendrauf.

Der Angeklagte kann offenbar nicht so genau trennen zwischen Autofahren und Trinken. Mehrfach war er schon aufgefallen und einmal hat er deswegen sogar ein Jahr hinter Gittern verbracht. Jetzt stand er erneut vor dem Amtsgericht Königstein, kam aber mit 65 Tagessätzen à 10 Euro (650 Euro) und einer Führerscheinsperre von sieben Monaten noch glimpflich davon. Das letztlich aber wohl nur, weil das Gericht Teile der Anklage – versuchte Körperverletzung und Ladendiebstahl – einstellte. Offiziell war der Mann nämlich unbescholten, seine Vorstrafen – Fahren ohne Führerschein, Urkundenfälschung, Unfallflucht, Rausch-giftbesitz, Diebstahl – liegen lange zurück und sind im Bundeszentralregister gestrichen.

Dass man ihn dauerhaft vom Straßenverkehr ausgeschlossen hat, das hat er entweder nicht mitbekommen oder verdrängt, denn er besorgte sich in Tschechien einen neuen Führerschein. Mit dem war er auch am 17. April unterwegs, zweimal und jedes Mal wurde er erwischt. Davon gingen Gericht und Amtsanwältin aus, der Angeklagte nicht. Er sei nicht gefahren, das Auto sei nicht fahrbereit. Er will mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sein.

Am Tattag will er gegen 7.44 Uhr zum Bremthaler Tegut-Markt geradelt sein, um Getränke einzukaufen. Den Weg hätte er sich sparen können, denn dort hatte er wegen Ladendiebstahls Hausverbot. Deshalb wurde er vom Chef auch rausgeworfen. „Im Brass“, so der Eppsteiner, habe er eine Flasche Bacardi mitgehen lassen, diese aber wieder zurückgegeben. Die Kassiererin und der Chef hatten den Diebstahl bemerkt und die Verfolgung aufgenommen. Die Kassiererin sagte, der Angeklagte sei in seinen Kombi gestiegen, wo man ihn zur Rede gestellt habe, was seinerseits aber nur zu üblen Beleidigungen gegenüber dem Marktleiter geführt habe. Während ihr Chef mit dem Mann stritt, habe sie die Flasche vom Beifahrersitz geholt. Dann sei er „wie ein Kranker“ weggerast und hätte sie fast überfahren.

Mit dem Fahrrad ist so etwas alles schwer denkbar. Die Polizei kam, besuchte den Mann, fand das Auto auf dem Parkdeck und nahm ihn mit zur Blutprobe: 1,67 Promille. Der tschechische Führerschein wurde kassiert. Nachmittags war er erneut mit dem Auto unterwegs. Eine Nachbarin hat es vom Küchenfenster aus genau beobachtet, wie er „mit quietschen-den Reifen“ aufs Parkdeck kurvte und viermal ansetzen musste, bis der Opel eingeparkt war. Auch das bestritt der Mann. Das könne gar nicht sein, das Auto sei „hochgebockt“ gewesen, kaputt, man habe damit nicht fahren können. Ein Polizist bestätigte zwar, dass der Opel auf drei Beinen stand und das linke Vorderrad abgeschraubt war. Offenbar hatte er erst nach der, von der Frau als sehr hurtig beschriebenen, Anfahrt zu schrauben begonnen. Wegen seiner Alkoholisierung wurde der Mann zum zweiten Mal an diesem Tag zur Ader gelassen, diesmal waren es „nur“ 1,26 Promille.

Aus prozessökonomischen Gründen und weil die Nötigung sowie die versuchte gefährliche Körperverletzung wohl schwer nachzuweisen gewesen wären, beschränkte das Gericht die Verurteilung auf die beiden Alkoholfahrten, die allerdings als erwiesen angesehen und auch vom Verteidiger nicht bestritten wurden. Nur der Angeklagte blieb bei seiner Fahrrad-Version und bezichtigte die Supermarktmitarbeiterin der „frechen Lüge“. Seit Juni ist der Führerschein nun schon weg, weitere sieben Monate kommen dazu. Vermutlich wird der Mann aber auch danach so schnell keinen Führerschein mehr bekommen, denn die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), die ab 1,6 Promille fällig ist, dürfte er kaum schaffen, meinte selbst der Verteidiger und fügte halblaut hinzu, dass das „vielleicht sogar auch ganz gut wäre“ . . .

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