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?Das Trauzimmer ist mir bekannt durch Nutzung?, sagt Peter Feldmann zum Fotografen Jürgen Wiesner. Der OB hat in Höchst geheiratet.

Noch bis 2021

Bolongaropalast: Frankfurts ehrwürdigste Baustelle

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Im Bolongaropalast nehmen die Sanierungsarbeiten Fahrt auf. Am Bauzaun im Garten hat gestern Oberbürgermeister Peter Feldmann eine „Denkwand“ des Höchster Fotografiekünstlers Jürgen Wiesner enthüllt.

Im Früh- oder im Spätlicht hat Jürgen Wiesner damals seine Fotos gemacht, analog mit einer Nikon F 2. Wiesner fotografierte zwischen 1980 und 1982 am Mainufer; im Jahr 1981 wurde der Hafen geschlossen. Seine Bilder zeigen ein Kaleidoskop des Alltäglichen, das heute nicht mehr alltäglich ist: Verladekräne im Nebel, nasses Kopfsteinpflaster, ein Straßenkehrer vor Schwänen, die alte Gierseilfähre, Bauholz für die Möbelfabriken, verrostete Ankerketten. Mit einer solchen „Denkwand“ hat Wiesner seinerzeit auch den Abriss der Großmarkthalle an der EZB-Baustelle begleitet. Im Garten des Bolongaropalasts verkleidet die „Denkwand“ nun den Bauzaun – ergänzt durch historische Fotografien vom Interieur des Palasts aus der Zeit, als der noch Rathaus der Stadt Höchst war, vor der Eingemeindung 1928.

Die Sanierung des Palasts ist angelaufen und nimmt nun langsam Fahrt auf. Die Fassaden sind verkleidet; die Restauratoren haben losen Putz abgeschlagen und die schmiedeeisernen Fenstergitter eingelagert. Die Treppenhäuser sind mit Holz verschalt, die alten Sicherungskästen herausgestemmt, die Leitungen gekappt. Auch Decken und Wände in Ost- und Westflügel wurden zum Teil bereits herausgebrochen. Im neuen Jahr soll im Garten ein Kran aufgebaut werden. Der Triton-Brunnen ist leergepumpt, die Bäume mit Holzverschalungen geschützt: Im Garten des Palasts sieht es ein bisschen nach Pony-Ranch aus. Die „Ertüchtigung“ der überbauten Einfahrt zieht sich noch hin: Weil sie für Feuerwehrfahrzeuge bis 16 Tonnen Gewicht geeignet sein muss, müssen unter ihr noch Gewölbe abgestützt werden. Das dürfte bis in den Februar dauern.

Henning Brandt, als Repräsentant des Oberbürgermeisters Hausherr im Palast, führte gestern Interessierte, die an den Planungswerkstätten zur zukünftigen Nutzung des Palasts beteiligt waren, zusammen mit Vertretern der Ämter und des Frankfurter Architekturbüros Schneider + Schumacher durch die Baustelle und bot Einblicke in die Arbeiten.

„In vier oder fünf Jahren“, so Brandt, werde der Palast wieder offenstehen. Ursprünglich war von 2020 die Rede, das wird wohl nicht zu halten sein. Ans Foyer schließen sich im ehemaligen Bürgerbüro Räume für Wechselausstellungen an – etwa zu Vereinsjubiläen. Der westliche Innenhof wird überdacht, um als Theatersaal mit 117 Plätzen genutzt zu werden. Dort wollen das Volkstheater Hessen, das Kinder- und Jugendtheater „Skyline“ und auch Michael Quasts „Fliegende Volksbühne“ spielen – letztere zusätzlich zum Freiluft-Spektakel „Barock am Main“.

„Es gibt einen großen Bedarf an Proberäumen in der Stadt“, weiß Henning Brandt. Deswegen wird neben dem Theater-Hof ein solcher gerichtet; in den Keller kommt eine Theaterwerkstatt mit Lastenaufzug. Im ersten Stock des Westflügels soll ein etwa 450 Quadratmeter großes Museum eingerichtet werden; der Kultur- und Museumsverein Bolongaro hat dafür gekämpft. Derzeit wird noch diskutiert, wie es betrieben wird: Das Historische Museum Frankfurt wird, so ist der Stand, nur einen „Raum für die Familie Bolongaro bestücken“, erklärt Brandt. Der Kapellensaal, zukünftig barrierefrei über einen Aufzug erreichbar, soll wieder die Heimat des Ortsbeirats werden.

Im Ostflügel soll – etwa in gleicher Größe wie der Kapellensaal – ein Musikraum entstehen. „Das ist stilistisch das Schwierigste, da schließen wir ästhetisch an die historischen Vorgaben an“, sagt Architekt Michael Schumacher, der von dem zwischen 1772 und 1775 entstandenen Gebäude fasziniert ist. Und das bietet immer wieder Überraschungen: Beim Abschlagen von Putz wurden im Ostflügel Tür- und Bogenstürze sichtbar, welche die Planer so nicht erwartet haben. „Früher waren die Räume viel größer; es wurde später viel parzelliert“, erklärt Planerin Andrea Heidecke.

Die Musikschule Frankfurt soll im Ostflügel mit Proberäumen und Büros einziehen; ins Erdgeschoss kommt Gastronomie mit 80 Innen- und 40 Außenplätzen im Garten. Das Restaurant soll voraussichtlich Ende 2018 ausgeschrieben werden. Auch mit einem möglichen Betreiber für das Filmtheater Valentin sei man derzeit in Verhandlung, so Brandt. Klar ist: Es gibt noch viel Arbeit. Der OB sagt es so: „Angesetzt sind 35 Millionen Euro, und wenn’s schlecht läuft, werden’s vielleicht 40.“

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