Haus unbewohnbar

Brandopfer in Griesheim schimpfen auf Vermieter

Fast fünf Wochen ist es her, dass im Miethaus in der Mainzer Landstraße 610 ein Brand ausbrach. Die Wohnungen im Haus sind seitdem unbewohnbar, die Rückkehr der Bewohner und ihr Schadenersatz ungewiss. Vom Vermieter, der Nassauischen Heimstätte, fühlen sie sich im Stich gelassen.

Äußerlich wirkt das Haus in der Mainzer Landstraße 610 so unversehrt wie alle anderen Gebäude in der Siedlung. Doch sobald Marco Gathmann die Haustür öffnet, strömt starker Rußgeruch heraus. Über einen Monat ist es nun her, dass es in dem Mietshaus im Griesheimer Norden gebrannt hat. Der Brandgeruch ist noch immer so heftig, dass Gathmann und die übrigen Mieter bislang nicht wieder einziehen konnten.

Der Brand war am Abend des 21. Septembers im Keller des viergeschossigen Hauses mit acht Wohnungen ausgebrochen. Die Feuerwehr war schnell da und konnte das Feuer innerhalb von 30 Minuten löschen. Bewohner aus den oberen Geschossen konnten mit Drehleitern gerettet werden. Zwei Mieter mussten anschließend im Krankenhaus behandelt werden, wurden aber inzwischen wieder entlassen.

Die Brandursache bleibt unklar. Einen technischen Defekt in der Heizungsanlage schließt die Polizei aus. „Ob es sich um fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung handelt, ist noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, teilt Polizeisprecherin Annegret Kaus mit. Dazu, dass es vor dem Brand, wie von den Mietern berichtet, eine Explosion im Keller des Hauses gegeben habe, möchten weder die Polizei noch die Nassauische Heimstätte als Eigentümer etwas sagen.

In den ersten Tagen nach dem Brand kam Mieter Gathmann in einem Hotel unter. Andere Mieter quartierten sich ebenfalls in Hotels oder bei Bekannten ein. Inzwischen kann Gathmann sich ein Hotel nicht mehr leisten und lebt mit fünf anderen Personen in einer Wohnung. Er hat wie die übrigen Mieter keine Gewissheit, wann sich dies ändert, und die Bewohner wieder in das Haus in der Mainzer Landstraße ziehen können.

Frederick Lang, Unternehmenssprecher der Nassauischen Heimstätte, erklärt zwar, dass das Haus seit vergangenem Freitag wieder bewohnbar sei. Doch an einen Einzug ist noch nicht zu denken. „Es stinkt nach wie vor bestialisch“, sagt Gathmann.

Für ihn und seine Nachbarn ließe sich die Situation leichter ertragen, wenn die Nassauische Heimstätte sich besser um sie kümmern würde. Er und die Mieter Sandra Kießling, Gabriel Ebhomeia und Carola Schulz berichten, dass sie sich nach dem Brand auf eigene Faust um eine Notunterkunft hätten bemühen müssen. Wie Unternehmenssprecher Lang mitteilt, sei dafür eine vom Hauseigentümer beauftragte Brandsanierungfirma zuständig gewesen. „Allerdings war das in diesem Fall nur bedingt nötig: Zwei verletzte Bewohner wurden in ein Krankenhaus gebracht, zwei waren nicht da, und die übrigen kamen auf eigenen Wunsch bei Freunden, Bekannten oder in Hotels unter“, erklärt Lang.

Gathmann nennt dies „glatt gelogen“. Die Mieter seien stattdessen aufgefordert worden, sich selbst um eine Unterkunft zu kümmern. Zwar sei den Bewohnern ein Ansprechpartner beim Vermieter genannt worden. Dieser habe sich dieser jedoch nicht mehr zuständig gefühlt, als der Mieter seine zweite Hotelrechnung eingereicht habe.

Es scheint zudem, als beharre die Nassauische Heimstätte darauf, dass alle Brandgeschädigten die volle September-Miete zahlen. Gathmann und die übrigen betroffenen Mieter meldeten gegenüber dem Hauseigentümer eine hundertprozentige Mietminderung für den Monat an. Mitte Oktober erhielten die Mieter jedoch eine Zahlungsaufforderung vom Wohnbauunternehmen über die komplette Monatsmiete. „Bislang hat die Nassauische nicht darauf reagiert, dass wir eine Mietminderung fordern“, sagt Gathmann.

Unklar bleibt auch, wer für die Hotelkosten aufkommen muss. Lang erklärt, dass die Versicherung des Vermieters zwar die Reinigung des Hauses bezahle. Ob diese aber auch die Hotelkosten der Mieter begleicht, die sich insgesamt mittlerweile auf mehrere Tausend Euro belaufen, müsse ein Gutachter bestimmen. Auf dessen Entscheidung warten die Mieter aus der Mainzer Landstraße 610 nun schon genauso lange wie auf den Wiedereinzug.

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