Laufbahn

Bruno Müller, letzter Bürgermeister von Höchst

Der Mann, der die Stadt Höchst „abwickelte“, wurde besoldeter Stadtrat im Frankfurter Magistrat. Später verstrickte er sich in die Machenschaften der Nazis.

Bruno Müller wurde 1889 in Berlin als Sohn eines Möbelhändlers geboren. Seine ersten Verwaltungserfahrungen sammelte der studierte Jurist und Volkswirt, der an der Universität Jena ein Prädikatsexamen abgelegt und mit der Note „magna cum laude“ seinen Doktor jur. gemacht hatte, im Charlottenburger Magistrat. Charlottenburg, selbst Großstadt, musste seine Eigenständigkeit 1920 – acht Jahre vor Höchst – an Berlin abgeben.

Zu dieser Zeit war Müller dort allerdings nicht mehr beschäftigt: Er arbeitete als Rechtsanwalt in Berlin, Oranienburg, Frankfurt an der Oder und der ostpreußischen Stadt Lyck, bevor er 1916 einberufen und zum Militärdienst nach Rumänien geschickt wurde. Allerdings durfte er schon 1917 wieder nach Hause, nachdem er an der Ruhr erkrankt war und lange im Lazarett gelegen hatte.

Die Historikern Bettina Tüffers, die sich mit ihm beschäftigt hat, geht davon aus, dass Bruno Müller einige Zeit hin- und hergerissen war zwischen einer Tätigkeit als Anwalt und einer Karriere im Verwaltungsdienst. Letztlich habe er sich jedoch für die Verwaltung entschieden und eine Stelle in der Stadtverwaltung von Frankfurt an der Oder angetreten, wo er 1918 besoldeter Stadtrat wurde. Weil Verwaltungsspezialisten im ganzen Land gefragt waren, wechselte er schließlich nach Höchst: Die Stadt hatte 1925 die Stelle des Oberbürgermeisters neu ausgeschrieben und betraute im Jahr darauf den Berliner Juristen mit dem Posten.

Zwei Jahre später war die Eigenständigkeit Höchsts Geschichte, und Bruno Müller wurde vom Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann als besoldeter Stadtrat ohne eigentlichen Geschäftsbereich in den Frankfurter Magistrat übernommen. Dort kümmerte er sich vor allem um die Belange Höchsts, leitete das Höchster Bezirksamt und auch die Polizeiverwaltung. Das befriedigte ihn auf Dauer jedoch nicht: Drei Jahre später, 1931, kandidierte er für das Amt des Frankfurter Stadtkämmerers, hatte aber keine Hausmacht hinter sich und landete abgeschlagen auf dem letzten Platz. Auch eine Kandidatur als Bürgermeister 1932 scheiterte.

Am 28. April 1933 trat er mit der Mitgliedsnummer 2 399 673 in die NSDAP ein. Ursprünglich habe er sich von 1919 an als Anhänger der nationalliberalen Deutschen Volkspartei (DVP) gesehen, sagte er später. Nach 1945 begründete er seinen Parteieintritt damit., dass er als Berufsbeamter keine andere Wahl gehabt habe. Dass er vor 1933 keiner Partei angehört habe, versuchte er jedoch damit zu erklären, dass es seine Verpflichtung als Berufsbeamter gewesen sei, sich nicht parteipolitisch festzulegen. „Die Mitgliedschaft in der NSDAP hingegen rechtfertigte er mit dem Argument, dass nach dem Verbot der anderen Parteien keine andere Möglichkeit bestanden habe, sich politisch zu engagieren. Er habe sich zudem als Verwaltungsfachmann verpflichtet gesehen, radikale politische Auswüchse zu verhindern; gleichzeitig wollte er mit diesem Schritt seine Autorität als Beamter gegenüber Parteigenossen wahren“, schreibt Bettina Tüffers in den „Studien zur Frankfurter Geschichte“.

Bruno Müller war nicht nur Mitglied auf dem Papier, sondern besuchte eifrig Mitgliederversammlungen der NSDAP und galt als politisch zuverlässig. Die Amerikaner expedierten ihn deshalb nach der Befreiung 1945 umgehend aus allen Ämtern. Müller versuchte, per Einspruch eine Weiterbeschäftigung zu erreichen, blitzte damit jedoch ab. In seinem Spruchkammerverfahren 1947 führte er an, er habe mehrfach Anordnungen der Partei nicht befolgt. Müller wurde als Opportunist eingestuft, der es sich mit niemandem verscherzen wollte. Schließlich kam die Kammer zum Schluss, Bruno Müller sei „minderbelastet“. Im Berufungsverfahren wurde er später als Mitläufer eingestuft.

Seit seiner Entlassung durch die Amerikaner im Mai 1945 arbeitete Bruno Müller als Wirtschaftsberater und selbständiger Gutachter und mühte sich stets, den Weg in die alten Ämter zurückzufinden, die er vor 1945 innegehabt hatte. Dazu gehörte, dass er versuchte, wieder als Vorstandsmitglied von Stiftungen oder als Aufsichtratsmitglied von Firmen eingesetzt zu werden – manchmal gelang es ihm, manchmal nicht. Bruno Müller starb am 14. März 1968.

Mehr zu Bruno Müller:

Bettina Tüffers, „Der Braune Magistrat. Personalstruktur und Machtverhältnisse in der Frankfurter Stadtregierung 1933–45“, in: Studien zur Frankfurter Geschichte 54, Frankfurt, 2004.

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