Belegungsrechte sind Thema

Bürger feiern Nachbarschaftsfest "In den Pandenwiesen"

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Für die Wohnanlage in Münster hat die Stadt die Belegungsrechte und kümmert sich um die Menschen. Nach der Premiere ist noch etwas Luft nach oben.

Die Stimmung ist entspannt, die zumeist älteren Herrschaften plaudern bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee miteinander. Ursula Oberle stimmt plötzlich zaghaft ein Lied an – den Hit „Und dann die Hände zum Himmel“. Leise singen einige Bewohner mit – vor allem, als der Satz kommt: „Und keiner ist allein.“

Das trifft auch auf die Menschen in der Seniorenwohnanlage „In den Padenwiesen“ zu. Das erstmals ausgerichtete Nachbarschaftsfest ist der Beweis dafür, dass viele Bewohner eben nicht allein bleiben wollen, sondern die Gemeinschaft suchen. Genau das war das Ziel von Gunda Lenk und Ines Giglio von der Seniorenberatungsstelle „Älter werden“ der Stadt Kelkheim. Sie haben das Fest gemeinsam mit der ehrenamtlichen Helfergruppe der „Heinzelmenschen“ sowie dem Büro für bürgerschaftliches Engagement auf die Beine gestellt. Gunda Lenk mischt sich zufrieden in die Reihen: „Das Fest soll unsere Basis werden. Ich hofft, dass sich das wirklich rumspricht.“ Denn hier gibt es immerhin 55 Wohneinheiten für Menschen ab 60 Jahren in den Blöcken – aber nur gut 20 Personen sitzen an den Tischen. Da ist noch Luft nach oben, weiß die Seniorenberaterin. Sie ist mit ihrer Kollegin häufig hier im Haus, berät zu Themen wie Existenzängsten, Pflegegesetz oder auch Problemen beim Einkaufen, weil es hier in Münster keinen Supermarkt gibt. Bei den Besuchen sei den beiden Damen aufgefallen, dass es ein „Miteinander“ im Haus so ausgeprägt nicht gebe. „Ältere Menschen ziehen sich oft zurück“, weiß Lenk. „Gerade Damen haben Scheu, alleine vor die Tür zu gehen.“

Das Fest soll das Eis brechen – das erhofft sich auch die Stadt. Sozialamtsleiterin Petra Mann schaut vorbei und mischt sich unter die Leute. Die Stadt habe hier in dem Haus, das dem der katholischen Kirche angegliederten, Gemeinnützigen Siedlungswerk (GSW) gehört, die Belegungsrechte für die günstigen Wohnungen. Entsprechend habe sie auch die Situation dort im Blick, so Mann. Ziel nach dem ersten Kennenlernen sei es, sich künftig mehr gegenseitig auch zu unterstützen. Stadtrat Thomas Weck formuliert es so: „Es ist wichtig, dass hier die Gemeinschaft gepflegt wird. Dass die Leute miteinander sprechen und nicht übereinander.“ Anonymitäten wie in der Großstadt Frankfurt sollte es hier nicht geben. Vielmehr sollten die Bewohner in der Lage sein, auch kleinere Probleme mal zu lösen.

Ein Problem hingegen wird die Stadt nur schwer meistern können. 2020 laufen 44 Belegungsrechte für die günstigen Wohnungen aus, dann werde daraus „normaler“ Wohnraum, sagt Petra Mann. Das GSW habe eine neue Bindung nicht in Aussicht gestellt, auch ein Kauf der Belegungsrechte durch die Stadt sei wohl nicht möglich. Welche Folgen das genau für die Bewohner haben wird, das ist allerdings noch offen.

Für die Nachbarn ist das beim Fest kein Thema. Sie freuen sich über die Initiative der Stadt. „Das ist klasse, weil man sich hier nun auch kennenlernt“, sagt Klaus Duckgeischel, der seit zwölf Jahren hier wohnt. Treffen seien schwierig, er sei oft im Garten – „aber es war kein Mensch da“. Duckgeischel weiß sein Heim zu schätzen: „Wir sind dankbar, dass wir so eine Anlage haben dürfen. Die Stadt kümmert sich.“ Marie Schütze nennt das Fest ebenfalls „einen guten Schritt“, Maria Forgo findet die Gemeinschaft in Ordnung. Auch Ursula Oberle ergänzt, dass sich viele Menschen hier schon gut verstehen und treffen. Sie hatte ebenfalls die Idee eines Festes, doch die Stadt sei ihr nun zuvorgekommen.

Das kann ja nun gemeinsam ausgebaut werden. Gunda Lenk berichtet vom Gemeinschaftsraum im Haus im uralten „Retro-Look“. Eine Initiative könnte es sein, ihn wieder herzurichten. Damit dort vielleicht ein Adventsfest gefeiert werden kann. Ein bisschen Geld für Farbe ist da, die GSW hat 300 Euro für das Nachbarschaftsfest gespendet. Ein Dank geht auch an Zurijeta Asanovic, die ihre Küche zum Kaffeekochen bereitgestellt hat. Sie findet das Fest schön – und wünscht sich wie viele Nachbarn, dass eine Tradition daraus wird.

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