Maria-Ilieva Wittich übernimmt die Vereinsführung

Die „Bulgarienhilfe“ lebt weiter

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Jahrzehntelang hat sich die ehemalige Höchster Krankenschwester Lili Schmidt für ihre „Bulgarienhilfe“ eingesetzt. Nach ihrem Tod im August führt die Karbenerin Maria-Ilieva Wittich ihr Werk fort, sammelt weiter Spenden und Geschenke für die vergessenen Kinder und Behinderten in der bulgarischen Provinz. Allerdings ist die Zeit der großen Hilfstransporte vorbei.

„Viele denken, der Verein ist tot – aber unsere Arbeit geht weiter“, sagt Maria-Ilieva Wittich (41). Die Karbenerin ist neue Vorsitzende der Frankfurter „Bulgarienhilfe“ – jenes Vereins, den die ehemalige Krankenschwester Lili Schmidt 1993 gründete. „Es gibt viele Spender, die ,Schwester Lili‘ noch persönlich gekannt haben“, etwa als langjährige Gemeindeschwester der Griesheimer Pfingstkirchengemeinde. Mit ihren Kontakten sammelte sie Spenden. Im August ist sie im Alter von 92 Jahren in Bulgarien gestorben – „engagiert bis zuletzt“, berichtet Wittich. Noch im Krankenhaus sei sie voller Ideen gewesen, habe überlegt, wo dort überall Klimaanlagen eingebaut werden müssten.

Nun leitet Wittich den Verein – und es gibt viel zu tun. Aktuell stapeln sich bereits die Weihnachtspäckchen, die sie in Karben gemeinsam mit dem dortigen Mütterzentrum sammelt, wo sie auch schon seit 15 Jahren Mitglied ist – ihrer beiden inzwischen erwachsenen Söhne wegen. Die Spenden gehen in ihre Heimatstadt Gabrovo, wo sie über das Sozialamt an 47 bedürftige Kinder weitergegeben werden – und an einen integrativen Kindergarten in Russe im Norden Bulgariens. Am 10. Dezember sollen sie weggeschickt werden. Jeweils an Ostern und Weihnachten sind Hilfslieferungen geplant, doch an Ostern schickt der Verein nur Geld nach Bulgarien – dann können die Geschenke dort wesentlich billiger und ohne Transportkosten erworben werden.

Zu ihrem Bedauern wird Wittich die Tradition ihrer Vorgängerin nicht fortsetzen können, ganze Hilfstransporte zu bestücken, wie es Schmidt bis vor drei Jahren 20 Mal gelang. Deren Bekannter habe inzwischen seinen Lastwagen verkauft. Und bei einer Spedition würde sie mehr Geld für die Logistik aufbringen müssen, als gespendet werde, befürchtet sie. Auch sonst ist vieles im Fluss. Die „Bulgarienhilfe“ sei ein reiner Wohltätigkeitsverein mit gerade 15 Mitgliedern und überaltert, so Wittich. Zur Verjüngung ist jetzt ein eigener Facebook-Auftritt geplant, auch eine eigene Internetseite soll das Anliegen voranbringen. Bislang sind die Bilder vom Besuch der Kinder und ein Video aus einem Bergdorf nur in kyrillischer Schrift auf Wittichs Facebookseite zu sehen.

Doch es gibt neben der Päckchenaktion auch bald eine nächste Veranstaltung: Der Verein beteiligt sich an der „bulgarischen Weihnacht“, einem Kulturbasar am 10. Dezember ab 11 Uhr im Bockenheimer Saalbau Schönhof, Rödelheimer Straße 38. Dort wollen die Vereinsmitglieder bulgarisches Gebäck verkaufen. Der Erlös wird dringend gebraucht. „Das bulgarische Gesundheitswesen ist eine Katastrophe“, weiß Wittich. Über ihre Kontakte zu dem Sozialamt in Gabrovo erfuhr sie von einer alleinerziehenden Mutter mit sechsjährigen Zwillingen. Nachdem ihre Hand bei einem Arbeitsunfall zerquetscht wurde, habe sie keine Sozialhilfe und kein Geld für die OP bekommen. Dafür werde nun auch gesammelt, berichtet Wittich: „Es gibt immer wieder Fälle, wo man an Grenzen stößt.“

Vera Radev, die Schriftführerin des Vereins, berichtet, inzwischen seien in Bulgarien sogar Medikamente vom Markt genommen worden, weil sie zu billig und für die Pharmafirmen nicht mehr rentabel seien, darunter das für psychisch Kranke so wichtige Lithium. Manchmal aber gibt es auch gute Nachrichten aus der Heimat. Die Suppenküche, die Schwester Lili in ihrer bulgarischen Heimatstadt Kjusstendil gründete, werde inzwischen mit EU-Mitteln weitergeführt, sagt Wittich. Sie selbst lebt seit 20 Jahren hier – erst als Gastarbeiterin, später der Liebe wegen.

Maria-Ilieva Wittich ist erreichbar unter der Telefonnummer (0 60 39) 4 57 68

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