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Martin Heipertz würde für die CDU gern im Wahlkreis Main-Taunus antreten.

Altenkamp ist Favorit

Bundestagskandidatur: Heipertz gibt nicht auf

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Die Nominierung ihres Direktkandidaten für die Bundestagswahl im Herbst 2017 sorgt bei der CDU für kritische Stimmen – aber nur für leise. Eigentlich sollte der Kandidat Anfang nächsten Jahres gekürt werden. Dass der Termin nun zwei Monate früher ist, war ein Wunsch des Landesverbands, sagt die Spitze der Main-Taunus-Christdemokraten. Aus Partei-Kreisen kommen aber auch andere Aussagen.

Ob ihm zwei weitere Monate geholfen hätten, sei dahingestellt, aber der Nominierungsparteitag am 9. November dürfte für Martin Heipertz auf jeden Fall zu früh kommen. Die Chance, dass der 40-Jährige von den Delegierten der CDU im Wahlkreis 181 (MTK plus Königstein, Kronberg und Steinbach) als Kandidat für das Bundestagsdirektmandat ins Rennen geschickt wird, ist äußerst gering. Ans Aufgeben denkt der gebürtige Frankfurter, dessen Elternhaus in Kelkheim-Münster steht, und der jetzt in Berlin lebt und im Bundesfinanzministerium arbeitet, aber nicht.

Dennoch: Die Nachfolge von Heinz Riesenhuber (80) im Bundestag dürfte – so wie vom Parteivorstand im Main-Taunus-Kreis vorgeschlagen – Bad Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp antreten. Zumindest wird er wohl bei der Wahlkreisdelegiertenversammlung offiziell als Kandidat für das Direktmandat aufgestellt.

Martin Heipertz sagt, die Terminierung zeuge „von wenig Sportsgeist“. Er weiß, dass er in der nun sehr kurzen Zeit wird kaum genug Stimmen auf sich vereinen können. „Der spätere Termin hätte den Delegierten die Vorzüge eines fairen Vorwahlkampfs eröffnet und mir ermöglicht, mich in geordneter Weise in den Ortsverbänden des Wahlkreises persönlich vorzustellen.“

Staatsminister Axel Wintermeyer, Chef der Main-Taunus-CDU, bestreitet, dass der Termin des Nominierungsparteitags „vorverlegt“ wurde. Es gebe am 12. Januar ganz regulär einen Kreisparteitag. Dieser Tag sei aber nie als Termin für die Nominierung genannt worden. Da lässt sich von außen nichts Gegenteiliges sagen. Schriftlich hatte Wintermeyer Ende August lediglich kundgetan: „Der Nominierungsparteitag werde voraussichtlich Anfang 2017 stattfinden.“

Diese Aussage ist nicht verpflichtend. Allerdings hatten sich bereits einige CDU-Vertreter den 12. Januar für die Nominierung ins Terminbuch geschrieben. Sie wurden genauso wie Martin Heipertz von dem neuen Termin überrascht. Im Gegensatz zu dem „virtuellen Kandidaten“ (Axel Wintermeyer über Heipertz) halten sie sich mit öffentlich vorgetragener Kritik aber zurück. Der Ruf der CDU im Kreis und der Ruf ihrer Führungsmannschaft soll nicht leiden – und letztere weist Aussagen zurück, den frühen Termin angesetzt zu haben, um die Chance des kurzfristig aufgetauchten Gegenkandidaten deutlich zu schmälern. Alles sei ein „ganz normaler demokratischer Vorgang“.

Ohnehin geht es offenbar den wenigsten Christdemokraten darum, Heipertz auf den Schild zu heben. Vielmehr grinsen sie verschmitzt, wenn sie sagen, dass die Parteispitze mit dem frühen Termin den Gegenkandidaten elegant ausgebremst hat. Heipertz selbst halten viele für eine durchaus kompetente Person – ihr fehle aber der „Stallgeruch“, den ein Wahlkreiskandidat mitbringen müsse. Unterstützung bekommt er offenbar vor allem aus Kelkheim; nicht nur aus dem CDU-Stadtverband, sondern auch von der Firma Rothenberger, die für Donnerstag gemeinsam mit dem Kandidaten zu einer Veranstaltung ins Tec Center Auditorium des Unternehmens eingeladen hat. Thema dort: Digitalisierung in Wirtschaft und Politik.

Wie berichtet, ist Heipertz zwar in Kelkheim groß geworden, doch dann weit herumgekommen. Ein englisches Elite-Internat, Bundeswehr, Studium in England, Burschenschaft, Ökonom bei der Europäischen Zentralbank, Ausbildung zum Offizier der Reserve in der Infanterie, als solcher im Kosovo, Bundesverteidigungsministerium, Verwaltungsrat der Europäischen Investitionsbank und schließlich – auf Empfehlung von Heinz Riesenhuber – Bundesfinanzministerium. Das sind einige Stationen im Leben des Martin Heipertz. Main-Taunus-Stallgeruch konnte er dabei kaum annehmen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er die Kontakte in seine Heimatstadt nie hat abreißen lassen.

In Hessen hat er immerhin das „Virtuelle Netzwerk“ der Landes-CDU aufgebaut, das Mitgliedern , die nicht mehr in Hessen wohnen und arbeiten, weiter eine Mitarbeit ermöglichen soll. Als Delegierter dieses Netzwerks war er im Juni schon beim Landesparteitag. In vier Jahren hätte er gern wohlgeordnet die Nachfolge von Heinz Riesenhuber angetreten. Dass der Bundestags-Dino „schon“ 2017 nicht mehr kandidiert, hat Heipertz dann aber überrascht – und nun versucht er auch ohne Stallgeruch doch noch zu punkten. Er hat sich in Berlin vom Dienst freistellen lassen und ist jetzt im Wahlkreis, um trotz der Herbstferien „noch möglichst viele Delegierte im persönlichen Gespräch zu erreichen und von meinem Programm zu überzeugen“.

Norbert Altenkamp kann dem Nominierungsparteitag derweil entspannt entgegensehen. Er hat sich bereits in allen Ortsverbänden vorgestellt – auch wenn er das vielleicht gar nicht nötig hatte. Außerdem – das ist eine nicht bestätigte Behauptung – wird wohl auch ein anderer für ihn werben: Der Fraktionschef der CDU in Bad Soden und im Kreistag, Frank Blasch. Das liegt nahe, da Blasch bereits als potenzieller Kandidat für die Nachfolge Altenkamps auf dem Chefsessel im Sodener Rathaus gehandelt wird.

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