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Symbolbild: Ein Besuch beim Arzt ist nicht immer erforderlich. Wer sich wegen einer starken Erkältung krank schreiben lassen muss, kann das jetzt auch wieder telefonisch mit seinem Arzt regeln.

Gesundheit

Auswirkungen der Corona-Pandemie: Zahl der psychischen Erkrankungen steigt

  • vonBarbara Schmidt
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Machen die Corona-Pandemie und insbesondere der Lockdown mit seinen Kontakteinschränkungen noch mehr Menschen depressiv?

Main-Taunus – Was Psychologen und Psychiater bereits vermuteten, bestätigt der "Gesundheitsreport" der DAK, einer der größten Krankenkassen im Land, für die Landkreise Main-Taunus und Hochtaunus. In keinem anderen Bereich stiegen die Krankheitsfälle im ersten Halbjahr 2020 so stark, wie in dem der psychischen Erkrankungen. Um mehr als 42 Prozent häufiger als im Vorjahr führte die Diagnose einer psychischen Erkrankung, zum Beispiel einer Depression, zur Krankschreibung.

Die DAK hat für 2020 den Blick besonders auf die Folgen der Pandemie für den Krankenstand gerichtet. Im ersten Halbjahr nahm demnach die Zahl der Erkrankungen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr leicht um 0,1 Prozentpunkte zu. 3,6 Prozent betrug der Krankenstand, der sich allerdings allein auf Krankschreibungen von Arbeitnehmern bezieht. Konkret heißt der erhobene Wert: 36 von 1000 Arbeitnehmern waren an jedem Tag krankgeschrieben.

Main-Taunus-Kreis in Corona-Krise: Psychische Erkrankungen nehmen zu

Da im Landesdurchschnitt der Krankenstand bei 4,2 Prozent lag, waren die Menschen in MTK und Hochtaunus nicht so häufig krank wie in anderen Teilen Hessens. 2019 war der höchste Krankenstand im Land im Werra-Meißner-Kreis und im Kreis Hersfeld-Rotenburg gemessen worden, er lag bei 5,2 Prozent.

Während die psychischen Erkrankungen für mehr Krankschreibungen sorgten, gingen Fehlzeiten aufgrund von Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems um 14 Prozent zurück. Rückenschmerzen sind hier das wichtigste Stichwort. Ob Menschen, die im Home-Office arbeiten, sich zwischendurch mehr bewegen, oder ob es andere Gründe für diese Entwicklung gibt, bleibt spekulativ.

Ihr besonderes Augenmerk richteten die Experten der DAK auf den Bereich der Atemwegserkrankungen. Der Hintergrund ist weniger die Pandemie als vielmehr die erstmals aufgrund dieser eingeräumte Möglichkeit, sich bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Co. in den Monaten März bis Juni auch ohne Arztbesuch krankschreiben zu lassen. Ein Telefonanruf war ausreichend - was seit wenigen Tagen aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen wieder der Fall ist.

Atemwegserkrankungen im Corona-Jahr seltener als 2018

Die Erhebung für das erste Halbjahr 2020 zeigte: Die Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen nahmen zwar zu (von 140 auf 142 Tage je 100 Versicherte), erreichte aber bei Weitem nicht den Wert, der im Grippejahr 2018 mit 167 Tagen verzeichnet wurde.

Erhard Waldmann, Chef der DAK Bad Homburg, sieht darin einen "klaren Beleg dafür, dass einfache Lösungen für das Krankschreibungs-Geschehen sehr sinnvoll sind". Nicht nur bei Covid-19 gelte es, das Ansteckungsrisiko für das Personal in den Arztpraxen und für andere Patienten mitzubedenken, so Waldmann. "Wenn neue Formen der Kommunikation die persönliche Begegnung in der Arztpraxis ersetzen, ist das ein wichtiger Fortschritt."

Haupt-Krankheitsgrund 2019 waren im MTK und Hochtaunuskreis Muskel- und Skelettleiden wie Rückenschmerzen. Die DAK hat reagiert und ihr Online-Angebot aktuell erweitert. So gibt es jetzt Online-Workshops und -Schulungen für Mitarbeiter, die ein gesundes Arbeiten im Home-Office unterstützen. (babs)

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