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Winzer Reiner Flick und die Dernbacher Schwester Theresia haben alle Hände voll zu tun bei der Weinlese auf dem Nonnenberg in Wicker. Flick hat den Nonnenberg im Jahr 2003 erworben.

Für einen guten Zweck

Dernbacher Ordensfrauen helfen bei der Weinlese

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Winzer Reiner Flick nimmt die lange Geschichte seines Hofes zum Anlass, um Ordensfrauen in den Wickerer Nonnenberg zurückzuholen.

Am Wickerer Ortsrand herrscht Betriebsamkeit: Winzer lenken kleine Traktoren über die Feldwege, aus einem Weinberg bahnt sich eine gewaltige Vollerntemaschine ihren Weg. Nichts Ungewöhnliches. Es könnte ein ganz normaler Tag während der Weinlese sein. Wer auf dem Weg in Richtung Flörsheimer Warte genauer hinschaute, musste sich allerdings wundern. Zwischen einigen Reben am Südhang des Wickerer Berges tat sich gestern etwas Besonderes. Ordensfrauen in schwarzen Gewändern und Hauben hockten in der Weinbergslage Nonnenberg. Während sie Trauben von den Reben schnitten, trällerten die Angehörigen der Dernbacher Schwestern ein Lied.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, gestand Philipp End, Weinwirtschafter des Weinguts Flick, nachdem eine der Schwestern den gefüllten Eimer mit Trauben in den Behälter auf seinem Rücken geleert hatte. „Ich hab den Eindruck, die kommen nicht nach“, erklärte Schwester Clarintia angesichts des hohen Tempos, mit dem die Frauen ihre Eimer an die Helfer weitergaben. Bei allem Arbeitseifer der frommen Damen, galt es aber, aufzupassen: „Man muss schon achtsam sein“, betonte Schwester Clarintia. Das sei wichtig, damit man dem Gegenüber, das auf der anderen Seite der Rebe arbeitet, nicht in die Hand schneide.

Sieben Vertreterinnen der Armen Dienstmägde Jesu Christi – bekannt als Dernbacher Schwestern – halfen gestern bei der Weinlese. Sie leben im Bildungshaus Kloster Tiefenthal im Rheingau. Damit schloss sich am Weinberg von Winzer Reiner Flick gestern ein historischer Kreis. Wie Flick berichtete, bewirtschaftete das Kloster Tiefenthal den Wickerer Nonnenberg von 1281 bis 1791. Damals betrieben Zisterzienser das Kloster. Der Besitz der Wingerte sei später an den Mainzer Bischof gefallen und im Zuge der Säkularisation vom Herzogtum Hessen-Nassau übernommen worden. Er selbst habe den Nonnenberg im Jahr 2003 erworben, so Flick, der in diesem Jahr das 700-jährige Bestehen der Straßenmühle feiert. Die lange Geschichte seines Hofes nahm der Winzer zum Anlass, um die Ordensfrauen in den Nonnenberg zurückzuholen. Flörsheims katholischer Pfarrer Sascha Jung, der ebenfalls an der Weinlese teilnahm, hatte den Kontakt hergestellt. Unter dem Motto „Nonnen im Nonnenberg“ sollte Wein wie vor hundert Jahren gelesen werden. Anschließend stampften die Teilnehmer den Saft mit den Füßen aus den Trauben.

Der nahe liegende Titel der Veranstaltung war nicht ganz korrekt. Provinzoberin Schwester Theresia legte Wert darauf, dass es sich bei den Dernbacher Schwestern nicht um Nonnen handelt, sondern um Ordensschwestern. Als Nonnen im eigentlichen Sinne gelten Frauen, die sich in die Abgeschiedenheit einer klösterlichen Klausur zurückziehen. Der Orden, der im Oktober die Heiligsprechung seiner Gründerin Katharina Kasper feiert, sei trotzdem sofort bereit gewesen an der besonderen Aktion teilzunehmen, sagte Schwester Theresia. Obwohl das Bildungshaus Tiefenthal im Rheingau liegt, war der Weinschnitt eine neue Erfahrung: „Wir haben zwar einen Garten aber keinen Weinberg“, erklärte die Provinzoberin. Das gesamte Projekte dient einem guten Zweck: Reiner Flick möchte die besondere Lese vom Nonnenberg ab Mai 2019 zum Flaschenpreis von 50 Euro verkaufen. So sollen Einnahmen in Höhe von 35 000 Euro für ein Hilfsprojekt der Dernbacher Schwestern in Nigeria erzielt werden.

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