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Nach getaner Arbeit des Hubschraubers müssen die Bahn-Mitarbeiter auf den Gleisen für Ordnung sorgen.

Spektakuläre Aktion

Deutschland-Premiere an Bahnstrecke: Die Säge kommt aus der Luft

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Von einem Hubschrauber aus lässt die Bahn zur Zeit Gleise freischneiden. Gestern war Bremthal Schauplatz der spektakulären Aktion. James-Bond-Fans kennen die Prozedur.

Es gibt Fernsehdokumentationen darüber, dass futuristische technische Spielereien aus den James-Bond-Filmen Jahre später Realität geworden sind. Nicht übermäßig futuristisch, aber doch spektakulär wurden in dem Streifen „Die Welt ist nicht genug“ von einer an einem Hubschrauber montierten Kreissäge Autos und ganze Häuser zerkleinert. Manche Passanten am Bremthaler S-Bahn-Halt könnten sich gestern an diese Szenen erinnert haben, dort war am Vormittag genau ein solcher Hubschrauber im Einsatz. Diesmal nicht auf der Seite der Bösewichter, sondern im Auftrag der Deutschen Bahn.

Eine Weile sah es so aus, als würde aus dem Spektakel nichts werden, denn Nebel hatte sich ins Tal gelegt. Nebel aber bedeutet Lebensgefahr für Hubschrauberpiloten, ganz schnell verliert man dort die Orientierung. Erst als der blaue Fleck am Himmel immer größer wurde, gab es grünes Licht. „Es geht los“, so schließlich Gerhard Hetzel, Förster bei der Deutschen Bahn. Weniger später knatterte es in der Luft.

Als der Hubschrauber sichtbar wird, erkennt man schnell die Reihe von zehn rotierenden Kreissägeblättern die an einer Stange am Rumpf montiert sind. Langsam senkt er sich herunter zu der Baumgruppe, die gleich neben der Fußgängerbrücke an den Gleisen steht. Der Pilot beginnt ganz oben und arbeitet sich nach und nach bis zu den tiefsten Ästen vor. Die Zweige geben je mehr nach, je dünner sie sind, aber irgendwann entrinnen sie den rotierenden Scheiben nicht mehr. Große und kleine Äste stürzen auf den Hang und auf den Bahnsteig. Es dauert nicht mehr als eine Viertelstunde, bis er alle Bäume auf einen ausreichenden Abstand zu den Schienen gebracht hat – Zuschauer und Anwohner sind froh, als sich das laute Geknatter in Richtung Eppstein wieder entfernt.

Hetzel schaut auf die Uhr und ist zufrieden. Er muss zusehen, dass er die Pausen nutzt, die der Bahnbetrieb zulässt. Für jeden Einsatz wird das Gleis in die jeweilige Richtung gesperrt, denn natürlich fällt allerlei Holz auf die Schienen. Die Züge fahren am anderen Bahnsteig ab, was wegen des Fahrplanes nicht den ganzen Tag über funktioniert. Also ist Eile geboten.

Wie bei allen Arbeiten an den Bahngleisen sind bei der Aktion jede Menge Mitarbeiter im Einsatz. Mit der Sperrung des Streckenabschnittes ist es nicht getan; die abgeschaltete Oberleitung muss aus Sicherheitsgründen geerdet werden, und so früh wie möglich müssen Mitarbeiter damit beginnen, die herabgestürzten Äste von den Gleisen zu räumen. Die Strecke ist zu überwachen, und ständig muss der Einsatz koordiniert werden.

„Für uns ist die spezielle Herausforderung ebenfalls, den Zeitplan einzuhalten“, sagt Simon Fink von der Wucher Helikopter GmbH im österreichischen Vorarlberg. „Das hier verträgt keine Verzögerung.“ Technisch ist der Auftrag an der Bahnstrecke für das Unternehmen kein Problem. Wucher hat Erfahrungen im Hochgebirge, schneidet in den Alpen beispielsweise die Schneisen für Seilbahnen frei. Das ist von der Landschaft her nicht weniger anspruchsvoll. So etwas kann nicht jeder, der einen Hubschrauber hat. „Wir sind in ganz Europa unterwegs“, berichtet Fink.

Dabei wird die Sicherheit ganz groß geschrieben, mag der Zeitdruck noch so groß sein. Der Pilot im Hubschrauber muss sich voll darauf konzentrieren, die Arbeit mit der Säge möglichst genau zu erledigen. Deshalb sitzt Copilot auf dem Rücksitz, der alle Instrumente im Auge behält. Der Pilot wiederum hält Funkkontakt zu einem Kollegen am Boden, der auf Hindernisse achtet. Man ahnt, wie wichtig es ist, dass das Trio ein gut eingespieltes Team ist.

Bahn-Förster Hetzel wiederum ist zufrieden mit dem, was er da beobachten kann. Wollte er das, was der Hubschrauber in einer Viertelstunde schafft, mit seinen Mitarbeitern von Hand erledigen, wäre das kaum an einem Tag zu schaffen. Schließlich müssen auch in großer Höhe Äste abgesägt werden. Die Alternative wäre, manche Bäume ganz zu fällen – auch aus Sicht des Naturschutzes wäre das die zweitbeste Lösung.

„Deutschlandweit ist es das erste mal, dass das an einer Bahnstrecke so gemacht wird“, sagt Hetzel. Das Team aus Österreich hat sich bereits komplett entlang des Richtungsgleises nach Limburg von Kriftel bis nach Bad Camberg durchgearbeitet und ist jetzt auf der anderen Seite auf dem Rückweg. Natürlich sind Hubschraubereinsätze teuer, bestätigt Hetzel. Aber die ganze Arbeit von Hand mit der Kettensäge zu erledigen, das wäre keineswegs billiger. Gut möglich also, dass der Hubschrauber künftig auch an anderen Bahnstrecken eingesetzt wird.

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