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Die Tiere fühlen sich sichtlich wohl auf dem Grundstück, auf dem Horst Baumann seine Hunde-Betreuung betreibt.

„Hier stören wir doch niemanden“

Main-Taunus-Kreis verbietet Hunde-Tagesstätte und verhängt Zwangsgeld

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In Diedenbergen betreibt Horst Baumann eine Hunde-Tagesstätte, der Kreis will es verbieten - warum dürfen die Vierbeiner nicht dort bleiben?

Diedenbergen - Horst Baumann hütet Hunde. Die Nachfrage sei hoch, sagt der Diedenberger. Viele, die tagsüber lange in der Großstadt arbeiten, liefern ihren vierbeinigen Liebling gern bei ihm ab. Denn Horst Baumann hat seine „Hunde-Tagesstätte“, wie er selbst sagt, nicht einfach bei sich daheim eingerichtet. 

Diedenbergen: Eine angemessene Unterkunft für Hunde

Er will den Tieren eine gute Umgebung bieten. Dafür, dachte er, sei das Grundstück, auf dem sein Schwiegervater von 1972 an eine kleine Baumschule betrieben hat, ideal. Ein Gelände in der freien Natur, umzäunt, aber mit genügend Platz für den nötigen Auslauf und sogar ein paar Trainingsgeräte für die Vierbeiner. 

Vor zwei Jahren meldete Baumann bei der Stadt Hofheim sein Gewerbe an, investierte in Hundehütten und einiges mehr für sein „Wild & Free“ getauftes Projekt – und hatte schnell die ersten Kunden. Doch er hatte die Rechnung ohne die Bauaufsicht gemacht.

Der Main-Taunus-Kreis lehnt Hunde-Tagesstätte ab

Das Problem: Sein Grundstück liegt im Außenbereich. Was hier geht und was nicht, darüber hat es im Main-Taunus-Kreis schon so einige Auseinandersetzungen gegeben. In Horst Baumanns Fall sagt das Kreis-Bauamt ganz klar: Das geht nicht. Einiges an Zwangsgeldern hat der Kreis schon gegen den Hundesitter verhängt. Der hat mit Jochen Spitzer einen Anwalt eingeschaltet, denn auch das Verwaltungsgericht beschäftigt sich bereits mit der Angelegenheit.

„Alle finden eigentlich gut, dass ich hier bin“, verweist Horst Baumann auf viele positive Reaktionen, die ihn darin bestärken, weiter für sein Hundeparadies zu kämpfen. Es liegt in direkter Nachbarschaft zur Speedwaybahn und dem Areal des Vereins Historische Landmaschinen Diedenbergen im sogenannten „Perückengewann“. 

Hunde sind gut versorgt und stören niemanden

„Hier draußen stören die Hunde doch niemanden“, findet Baumann. Seine Kunden fänden das Gelände super für ihre Tiere. Und die Landwirte sähen die Tagesstätte gern, weil die Hunde dort und nicht in ihren Feldern ihr Geschäft verrichteten, weiß Baumann. Eine große Halle für den Landmaschinen-Verein wäre direkt auf der anderen Feldweg-Seite genehmigt worden, erinnert der Diedenberger zudem.

Dafür hätte die Stadt gesorgt – wenn denn der Verein gewollt hätte. Dass also doch etwas möglich ist, wenn es nur gewollt ist, schöpft Baumann aus dieser Geschichte noch Hoffnung.

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Hunde-Sitting auch vor Gericht keine Chance

Die Erfahrungen vor Gericht sind dagegen bisher wenig ermutigend. Das Verwaltungsgericht in Frankfurt und der Verwaltungsgerichtshof in Kassel haben bisher der Bauaufsicht Recht gegeben. „Die sagt, diese Nutzung ist nicht privilegiert“, fasst Rechtsanwalt Spitzer den Kern des Problems zusammen. Einfach gesagt: Schweinemast auf der grünen Wiese geht, Hunde-Sitting geht nicht. Baumann und sein Anwalt haben auch gegen das zweitinstanzliche Urteil Widerspruch eingelegt. 

Nun warten sie, ob sie einen Anhörungstermin erhalten. Das ablehnende Urteil stütze sich im Wesentlichen auf zwei Punkte, sagt Spitzer. Zum einen fehle dem Gericht ein Nachweis, dass die Hunde für die geschlossene Bebauung unzumutbar viel Lärm machten, zum anderen verweise es auf die Möglichkeit, die Tagesstätte in einem „ländlich geprägten Gewerbegebiet“ zu betreiben. 

Kann das Gericht noch umgestimmt werden?

Genannt worden seien dafür die Gewerbegebiete in Diedenbergen und Wallau. Ein Jahr lang hätten sie bereits einen Makler mit der Suche nach einem derartigen Grundstück beauftragt. Fündig geworden sei er nicht. Ob seine Expertise und ein Lärmgutachten, das Horst Baumann beibringen müsste, das Gericht umstimmen könnte, ist offen. 

Horst Baumann gibt nicht auf

Dass die Hunde zwischen Gewerbebetrieben nicht besser aufgehoben wären, ist für den Tierfreund ohnehin keine Frage. Mancher Betrieb wäre wohl auch nicht so ganz glücklich, zehn oder zwölf bellende Hunde nebenan zu haben, glaubt Jochen Spitzer. „Hier stören wir doch niemanden“, meint Horst Baumann. Nicht zuletzt deshalb gibt er den Kampf für seine Hunde-Tagesstätte an diesem Platz nicht auf.

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