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Eugen Lich hat dafür gesorgt, dass vor dem Edeka ein Klavier steht.

Draußen Klavier spielen

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Ob auf dem Platz vor dem Bildungs- und Kulturzentrum, im Garten des Bolongaropalasts oder vor dem Eingang eines Supermarktes – seit gestern motivieren drei „Freiluftklaviere“ in Höchst und Unterliederbach zum Spielen im öffentlichen Raum. Mit dem Projekt soll der Spaß am Musizieren gefördert werden.

Gisela Schraub (75) setzt sich ans Klavier und schlägt eine Melodie an. Die Seniorin aus Eschborn hat sich im Alter von 67 Jahren einen langgehegten Traum erfüllt und das Klavierspielen erlernt. „Ich habe so viel Spaß daran“, erzählt sie. Das Instrument, an dem sie spielt, ist aber nicht ihr eigenes, sondern ein „Freiluftklavier“. Gestern wurde es vor dem Bildungs- und Kulturzentrum Höchst (Bikuz) auf Initiative von Aristo Khosrobeik, Leiter der Höchster Musikschule Clavina, aufgestellt.

Kinder hatten das Instrument zuvor zusammen mit der Kunstpädagogin und Malerin Petra Saltuari gestaltet (wir berichteten). „Ich habe von der Aktion gehört und bin nach Höchst gekommen, um mit dabei zu sein“, schildert Schraub. Die Idee ist, hiermit Passanten zu motivieren, sich ans Klavier zu setzen und zu spielen. In den kommenden drei Wochen wird das Instrument Tag und Nacht auf dem Platz vor dem Bikuz stehen.

Mit der Aktion möchte Khosrobeik vor allem den Spaß am Musizieren und das Miteinander im Stadtteil fördern. Deswegen gibt es auch nicht nur ein „Freiluftklavier“, sondern gleich drei Instrumente. Ein weiteres ist im Garten des Bolongaropalasts aufgestellt, das dritte Klavier hat seinen Platz vor dem Eingang des Edeka-Marktes in Unterliederbach gefunden. Diese bleiben dort ebenfalls drei Wochen lang stehen.

„Freiluftklaviere“ sorgten bereits in großen Metropolen wie New York für spontane Konzerte und großen Zuspruch. So etwas wünscht sich Khosrobeik auch in Höchst und Unterliederbach. „Die Menschen sollten keine Hemmungen haben, das Angebot anzunehmen und sich ans Klavier zu setzen“, betont er. Es komme nicht darauf an, perfekt zu spielen.

„Ich finde die Idee echt klasse. Setzt sich jemand ans Klavier und spielt, dann kommen andere Menschen dazu, hören zu und man kann miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Alina (17). „Es ist ein Projekt, das verbindet“, findet die Schülerin.

„Während ich das Klavier vor dem Bikuz im Internet ersteigert habe, wurden uns die beiden anderen Instrumente von Privatpersonen für die Aktion zur Verfügung gestellt“, sagt der Leiter der Musikschule. Er gestaltete selbst das Instrument im Garten des Bolongaropalast. Die Darstellungen berühmter Frankfurter Architekturen wie der Skyline oder der Alte Oper verzieren das Klavier. Henning Brandt, Leiter der Verwaltungsstelle Höchst, hat das Projekt mit unterstützt. „Er hat dafür gesorgt, dass die Klaviere im öffentlichen Raum aufgestellt werden dürfen“, sagt Khosrobeik.

„Ich denke, dass die Klaviere in der Zeit auch stehen bleiben und nicht gestohlen oder beschädigt werden“, ist Brandt optimistisch. Das Wetter mache ihm viel größere Sorgen, daher habe man auch einen Pavillon im Garten des Bolongaropalasts aufgebaut, unter dem das Freiluftklavier nun stehe. Der Höchster Klavierbauer Jan Großbach setzt sich dran und spielt eine Melodie.

Vor dem Aufstellen hat sich Großbach das Klavier einmal genau angeschaut und einen kleinen Zettel entdeckt, der auf das Geschäft von Hermann Richard Lichtenstein verweist, einem Klavierhändler aus Frankfurt, der 1904 Opfer eines brutalen Raubmordes wurde. „Die Täter konnten damals Dank eines blutigen Fingerabdrucks überführt werden und wurden zum Tode verurteilt“, weiß Großbach. Das Klaviergeschäft an der Zeil habe es nach 1904 noch gegeben, das Instrument im Bolongaropalast stamme etwa aus dem Jahr 1910.

Das Klavier vor dem Unterliederbacher Supermarkt wurde von Müttern mit ihren Töchtern gestaltet. Hierauf dargestellt sind Frösche, Libellen und ein See. Geschäftsführer Eugen Lich ist überzeugt, dass es von vielen Passanten ausprobiert wird. „Der evangelische Kindergarten hat sich bereits angekündigt“, sagt er. Er freue sich, dass er dieses tolle Projekt mit unterstützen kann.

Alle drei Klaviere sollen nach Abschluss des Projekts für einen guten Zweck versteigert werden. Gebote können schon jetzt abgegeben werden.

Weitere Informationen gibt es unter im Internet.

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