Tim Dickner gab gestern Detlev Osterloh (IHK) und Oliver Schwebel (Wirtschaftsförderung) eine Vorab-Führung.
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Tim Dickner gab gestern Detlev Osterloh (IHK) und Oliver Schwebel (Wirtschaftsförderung) eine Vorab-Führung.

Lange Nacht der Industrie

Drei Firmen aus dem Industriepark werben um zukünftige Mitarbeiter

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Die nächste „Lange Nacht der Industrie“ bietet am Mittwoch, 20. Juni, die Möglichkeit, Einblicke in Produktionen zu gewinnen. Auch im Industriepark Höchst wird die Industrie an diesem Abend erlebbar: mit Besichtigungen bei Bayer, Celanese und Infraserv Höchst.

Frankfurt ist als Banken- und Dienstleistungsmetropole bekannt. Mit dem Messe-Standort und dem Luftdrehkreuz Europas gilt Frankfurt als eine der wichtigsten Städte der Republik. Bei der „Langen Nacht der Industrie“ wird jedoch gezeigt, dass die Mainmetropole noch mehr zu bieten hat: Das produzierende Gewerbe spielt eine zentrale Rolle für die Menschen in der Stadt; im Industriepark Höchst sitzt etwa ein Gewerbesteuerzahler, welcher der Stadt mehr Geld in die Kassen spült als alle Banken in ihren glitzernden Türmen zusammengerechnet. Die Industrie schafft die Lebensgrundlage für 48 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Frankfurt und Rhein-Main. „Im Rhein-Main-Gebiet arbeiten 500 000 Menschen im produzierenden Gewerbe“, sagt Detlev Osterloh, Geschäftsführer Innovation und Umwelt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt.

Weil damit auch viele Ausbildungsplätze verbunden sind, lädt die IHK seit 2011 einmal im Jahr zur „Langen Nacht der Industrie“, einem Angebot, das sich an junge Menschen richtet, die einen Ausbildungsplatz suchen, aber auch an andere Interessierte. Am Mittwoch, 20. Juni, können in Frankfurt wieder diverse Industriebetriebe besichtigt werden. Während die Publikumslieblinge Fraport und Binding schnell ausgebucht sind, gibt es etwa noch Plätze für die Touren im Industriepark Höchst, die eigentlich zu den spannendsten gehören.

In diesem Jahr beteiligen sich im Industriepark, in dem etwa 22 000 Menschen in rund 90 Firmen arbeiten, drei Unternehmen an der „Langen Nacht der Industrie“: der Standortbetreiber Infraserv, Bayer und Celanese. Dass es dieses Jahr etwas weniger Firmen sind, hängt auch damit zusammen, dass ein zweites großes Ereignis ansteht, das nur alle zwei oder drei Jahre gefeiert wird: Am 22. September ist im Industriepark Höchst Tag der offenen Tür.

Die „Lange Nacht der Industrie“ gibt aber gerade für Ausbildungsplatzsuchende tiefere Einblicke. Celanese etwa, die eine der weltweit größten Anlagen zur Herstellung des technischen Kunststoffs Polyacetal zur Besichtigung freigeben, werden auch Mitarbeiter der Personalabteilung bereitstellen. Es geht aber nicht nur um den Ernst des Broterwerbs: „Die Lange Nacht der Industrie macht einfach Spaß“, sagt Celanese-Standortleiter Arno Rockmann. Der Erkenntnisgewinn ist groß: Aus Polyacetal werden unter anderem feinmechanische Kunststoffteile hergestellt, etwa für Fensterheber in Autos oder für elektrische Zahnbürsten.

Die Bayer AG ist in diesem Jahr erstmals dabei und gibt unter anderem einen Einblick in eines ihrer Lager mit einem hochmodernen Sicherheitskonzept. Standortbetreiber Infraserv öffnet mit der Ersatzbrennstoffanlage eine der Kompetenzzentralen, in der mit einem hocheffizienten Verfahren der Energiebedarf der produzierenden Unternehmen gedeckt wird. Dort wird Siedlungs- und Industrie-Abfall verbrannt; die anderthalbstündige Tour reicht vom beeindruckend großen Bunker bis zur Stromturbine.

Jürgen Vormann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Infraserv, will mit der Teilnahme an der Veranstaltung dokumentieren, „welchen Beitrag die Unternehmen im Industriepark für den Wohlstand der Region leisten“. Außerdem soll sich der Industriepark, der sich sonst hinter seiner Werksmauer verschanzt, für junge Leute öffnen: 25 Prozent der Teilnehmer an der „Langen Nacht“ sind Schüler und Studenten. Ältere werden aber nicht abgewiesen – buchen kann man die Plätze im Internet, bis alle Touren voll sind.

Oliver Schwebel, Chef der Wirtschaftsförderung Frankfurt, drückt es so aus: Die „Lange Nacht der Industrie“ soll dazu beitragen, dass die Industrie als potenzieller Arbeitgeber ins Blickfeld der nachwachsenden Generation rückt und damit die Dynamik des Industrieparks als Forschungs- und Innovationsstandort erhalten bleibt.

Beim Tag der offenen Tür im September, der hauptsächlich der Nachbarschaft einen Blick über die Mauer bieten will, steht die Unterhaltung etwas mehr im Vordergrund. Dann wird unter anderem auch die Werksfeuerwehr der Infraserv ihre Spezialfahrzeuge vorführen, und es gibt Musik und ein Bühnenprogramm.

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